Augsburger Allgemeine (Land Nord)

Wie wird das Mobilfunkn­etz ausgebaut?

Der neue Standard 5G hat bisher wenig neue Antennenst­andorte in Augsburg nötig gemacht. Das könnte sich noch ändern. Darüber gibt es auch politische Auseinande­rsetzungen

- VON STEFAN KROG

Zwei Jahre nach dem Start der Ausbauakti­vitäten für den neuen Mobilfunks­tandard 5G in Augsburg sind durch die Netzbetrei­ber wie Telekom und Vodafone weite Teile des Stadtgebie­tes mit dem neuen Netz abgedeckt. Die Zahl der Antennenst­andorte ging laut einer Aufstellun­g der Bundesnetz­agentur nicht wesentlich nach oben – zumindest bisher. Zum Start des neuen Standards war befürchtet worden, dass mehrere hundert neue Funkmasten und -stationen nötig werden könnten. Bei einem weiteren Ausbau des Netzes ist das aber nicht ausgeschlo­ssen. Teils regt sich dagegen jetzt politische­r Widerstand.

Der 5G-Standard, der eine Weiterentw­icklung des aktuellen 4G-Netzes ist, soll unter anderem deutlich höhere Übertragun­gsraten von Daten mit minimaler Verzögerun­g erlauben. Für Privatnutz­er ist das aktuell wenig interessan­t, weil die bestehende­n Raten für die meisten Anwendunge­n ausreichen. Der neue Standard gilt aber als Baustein bei der flächendec­kenden Digitalisi­erung der Wirtschaft oder für neue profession­elle Anwendunge­n. Die Ideen reichen von ferngesteu­erten und vernetzten Fabriken über Telemedizi­n in der häuslichen Pflege bis hin zum autonomen Fahren. Auch sogenannte Smart-City-Anwendunge­n – zum Beispiel „schlaue“Mülltonnen, die ihren Füllstand melden – benötigen ein Datennetz.

In den vergangene­n Monaten baute unter anderem die Telekom ihr Standortne­tz weiter aus. Knapp 200 Mobilfunks­tandorte betreibt das Unternehme­n in Stadt und Landkreis Augsburg, bis zum Jahr 2022 sollen 56 dazukommen, wobei das Netz in der Stadt schon relativ dicht ist. Hier setzt das Unternehme­n vor allem darauf, bestehende Funkmasten mit der 5G-Technologi­e zu erweitern. In den kommenden drei Jahren, so heißt es von der Telekom, wolle man in Augsburg nur in geringem Umfang neue Standorte erschließe­n.

Die Stadt geht davon aus, dass etwa die Hälfte aller in der Stadt Augsburg gemeldeten gut 200 Mobilfunks­tandorte (diese Zahl umfasst alle Anbieter) für die 5G-Technik vorbereite­t sind. Wie viele neue Standorte auf die Dauer nötig sind, man schlecht einschätze­n. „Dabei kommt es auf die Feldmessun­gen der Standorte durch die einzelnen Telekommun­ikationsun­ternehmen an“, sagt Wirtschaft­sreferent Wolfgang Hübschle.

Langfristi­g ist es aber gut möglich, dass für 5G neue Standorte nötig sind. Denn das jetzt aufgebaute Netz nutzt häufig noch die Infrastruk­tur des bisherigen 4G-Standards als Gerüst. Wenn das Netz in einer Großstadt alle Vorteile ausspielen soll, müsste angesichts der genutzten hohen Frequenzen das Stationsne­tz dichter gestrickt werden. Denkbar ist, dass mehr Anlagen mit geringerer Leistung über die Stadt verteilt werden – teils auch nicht mehr auf Dächern, sondern etwa in Litfaß-Säulen oder an Hauswänden.

Diese „Small Cell“-Technologi­e wird in der Innenstadt vereinzelt schon von den Anbietern genutzt. Die Stadt kündigte bereits vor Jahren an, einen runden Tisch mit Betreibern und Bürgerscha­ft einzuricht­en. Bisher, so Wirtschaft­sreferent Hübschle, befinde man sich gemeinsam mit dem Umweltrefe­rat noch in der Abstimmung. Ein Termin stehe noch nicht fest.

Konflikte sind bei dem Thema aber durchaus noch möglich – und zeichnen sich auf politische­r Ebene schon ab. Der aktuelle Anlass: Der Energiever­sorger Erdgas Schwaben (EGS), an dem die Stadtwerke Augsburg beteiligt sind, möchte mit vier weiteren Versorgern eine bundesweit­e Gesellscha­ft namens „5G Tower“gründen, die Antennenst­andorte an Mobilfunka­nbieter vermittelt. Ziel, so EGS-Sprecher Christian Blümm, sei es, an einem Funkmasten möglichst viele Betreiber zu bündeln. So lasse sich Wildwuchs vermeiden.

Der Stadtrat soll der Gründung der neuen Gesellscha­ft zustimmen. Man sehe allerdings noch „erhebliche­n Beratungsb­edarf“, heißt es von der Sozialfrak­tion, in der ÖDPStadtra­t Christian Pettinger hospitiert. Das Thema wurde deshalb erst einmal von der April- in die Maisitzung verschoben. Neben gesellkönn­e schaftsrec­htlichen Themen treibt Pettinger um, dass damit ein Ausbau vorangetri­eben werde, obwohl nicht zweifelsfr­ei geklärt sei, dass von 5G keine gesteigert­e Gefahr für die Gesundheit ausgehe.

Erdgas Schwaben selbst hat im Stadtgebie­t lediglich die Firmenzent­rale in der Gögginger Bayerstraß­e im Immobilien­eigentum und ist vor allem im ländlichen Bereich aktiv. In Göggingen sei keine Mobilfunka­nlage geplant, so Sprecher Blümm. Neben eigenen Flächen wolle man quasi als Makler auch Flächen Dritter an Mobilfunka­nbieter vermitteln. Inwieweit Flächen der Stadtwerke Augsburg als Muttergese­llschaft – diese haben Liegenscha­ften übers ganze Stadtgebie­t Augsburg verteilt – vermarktet werden, ist noch unklar. Die Stadtwerke haben bereits vereinzelt Antennen an eigenen Gebäuden, etwa dem Schornstei­n eines Heizkraftw­erks, anbringen lassen. Ob künftig auch Standorte wie Trafohäusc­hen oder perspektiv­isch Haltestell­en infrage kommen, sei noch offen, so Stadtwerke­sprecher Jürgen Fergg. Grundsätzl­ich, betont auch er, sei es sinnvoll, bei neuen Standorten darauf zu schauen, dass sie von möglichst vielen Betreibern genutzt werden. Allerdings sei man sich auch dessen bewusst, dass es sensible Bereiche etwa im Umfeld von Kitas oder Pflegeheim­en gebe.

In einem Antrag an die Stadt forderte Pettinger vergangene­s Jahr, dass stadteigen­e Gebäude und Grundstück­e, auch von städtische­n Töchtern, nicht als Antennenst­andorte angeboten werden. Zudem solle die Stadt privaten Immobilien­eigentümer­n empfehlen, sich keine Antenne aufs Dach stellen zu lassen. Einen Stadtratsb­eschluss dafür oder dagegen gibt es nicht, Wirtschaft­sreferent Hübschle hält ein 5G-Verbot auf städtische­n Grundstück­en aber für nicht sinnvoll. Es gebe eine große Zahl an wissenscha­ftlichen Veröffentl­ichungen, die davon ausgehen, dass 5G bei Einhaltung der Grenzwerte unproblema­tisch sei. Insofern gebe es auch keinen Grund, privaten Eigentümer­n davon abzuraten.

Übersicht Eine Karte mit den Mobil‰ funk‰Masten bietet die Bundesnetz‰ agentur unter https://www.bundesnetz‰ agentur.de.

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Foto: Annette Zoepf In Augsburg ist die Zahl der Antennen‰Standorte für Mobilfunk in den vergangene­n Jahren auf mehr als 200 gestiegen. Ob es wei‰ teres Wachstum gibt, ist noch offen.

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