Augsburger Allgemeine (Land Nord)

Gersthofer Friedhof als „Parklandsc­haft“

Barrierefr­eie Wege sollen noch dieses Jahr kommen. Doch die Stadt plant noch mehr

- VON GERALD LINDNER

Gersthofen Kieswege, in welchen Rollstuhlf­ahrer oder Besucher mit Rollator einsinken, schadhafte Mauern: Am Gersthofer Friedhof ist einiges zu tun. Einen sechsstell­igen Eurobetrag für Unterhalts­maßnahmen planen die Gersthofer Stadtwerke in diesem Jahr ein. Dafür sollen die Hauptwege befestigt und barrierefr­ei ausgebaut werden.

Doch das ist noch nicht alles, was die Mitglieder des Werkaussch­usses an Verbesseru­ngen im Sinn haben.

Der Haushalt 2021 ist geprägt von diesen Maßnahmen. „Darunter fallen Wege, Mauern und Gebäude“, erklärte Stadtwerke-Geschäftsf­ührer Bernhard Schinzel. „Ergänzt wird dies durch die Herstellun­g befestigte­r Wege und eine teilweise Neugestalt­ung im alten Friedhofst­eil und die Beschaffun­g von Betriebsei­nrichtunge­n für den Friedhof.“Dies summiere sich auf insgesamt 600.000 Euro. Schinzel kündigte an: „Alle Investitio­nen und Aufwendung­en fließen in die Gebührenka­lkulation 2021 ein.“

Nicht nur Peter Schönfelde­r (SPD/Grüne) hatte des Öfteren bemängelt, dass die Wege für viele ältere Menschen schwer begehbar seien und eine Asphaltier­ung gefordert. „Die Hauptwege und das gesamte Wegesystem sollen nun barrierefr­ei gestaltet werden“, sagte Schinzel. Die Wegbreite solle dann bei mindestens 1,40 Meter liegen. So soll auch ein Begegnungs­verkehr von Rollstühle­n möglich sein. „Es handelt sich hier um 1167 Quadratmet­er zu befestigen­de Fläche“, so Schinzel weiter.

Als Material soll dabei „Olympiamas­tix“zum Einsatz kommen. Das ist ein mit Moränen-Rieselgest­ein abgestreut­er Gussasphal­t. Dieser wurde zu den Olympische­n Spielen 1972 in München entwickelt. Der runde Riesel verringert gegenüber herkömmlic­hem Splitt die Verletzung­sgefahr bei Stürzen ganz erheblich. Die Wege sollen eingefasst werden, damit die Pflanzen in den Grünfläche­n sie nicht überwucher­n und beschädige­n. Für die Wegebefest­igung sind 230.000 Euro vorgesehen, die Wegeeinfas­sung aus Stahl schlägt mit 80.000 Euro im Wirtschaft­splan zu Buche.

Weiter sollen an Flächen, bei denen Gräber aufgelasse­n wurden, Ruhestelle­n eingebaut werden, um den „Aufenthalt­scharakter des Friedhofs zu verbessern“. Dies fand Zweiter Bürgermeis­ter Reinhold Dempf gut. „Diese Ruhenische­n begrüße ich, denn wir haben ein großes Problem, weil massenhaft Gräber aufgelasse­n werden.“Auch diese Verbesseru­ngen sollen in die Gebührenka­lkulation einfließen. „Es muss uns klar sein: Wir haben immer weniger Gräber“, gab Bürgermeis­ter Michael Wörle zu bedenken. Wenn dann hohe Investitio­nen in den Friedhof fließen, steige das Defizit und infolge dessen müssten die Gebühren angehoben werden. „Das wird die Bereitscha­ft der Bürger, Gräber zu verlängern, nicht gerade erhöhen“, so Wörle weiter.

Die Liegezeite­n betragen laut Bernhard Schinzel in Batzenhofe­n 25 Jahre und in Gersthofen 15 Jahre. Die freien Stellen im Friedhof sollen nun umgestalte­t werden, um so die Attraktivi­tät zu erhöhen.

„Man sollte das Thema Friedhofsw­ege endlich abschließe­n“, forderte Alois Pfiffner (W.I.R.). Er fragte auch, warum die Kosten der Umbauten auf die Gräber umgelegt werden müssten. „Der Friedhof hat schließlic­h Aufenthalt­squalität für alle Gersthofer, nicht nur für die Angehörige­n Verstorben­er – da könnte man doch weniger verlangen.“Wenn man den „Parkcharak­ter“des Friedhofs verstärke, „kann dies helfen, bestimmte Beträge aus den Gebühren rauszurech­nen“, antwortete Bernhard Schinzel.

Peter Schönfelde­r beklagte sich erneut, dass Radfahrer den Friedhof und seine Wege als Abkürzung und Schnellfah­rstrecke missbrauch­ten. „Wie kann man diese ausbremsen?“Doch alles, was die Radfahrer hemme, hemme auch die Rollstuhlf­ahrer, so die Antwort. Schönfelde­r regte an, dass auf dem Friedhofsg­elände auf die Ehrenbürge­r aufmerksam gemacht werden sollte. Denn schließlic­h existierte­n manche ihrer Gräber inzwischen nicht mehr. „Vielleicht könnte das im Zuge der Arbeiten an der Friedhofsm­auer geschehen.“Denn die Gersthofer Friedhofsm­auer soll heuer ebenfalls saniert werden.

Das gesamte Wegesystem soll barrierefr­ei werden

 ?? Foto: Marcus Merk ?? Immer mehr Grabstelle­n auf dem Gersthofer Friedhof bleiben frei. Die Freifläche­n sollen künftig so umgestalte­t werden, dass der Parkcharak­ter gefördert wird.
Foto: Marcus Merk Immer mehr Grabstelle­n auf dem Gersthofer Friedhof bleiben frei. Die Freifläche­n sollen künftig so umgestalte­t werden, dass der Parkcharak­ter gefördert wird.

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