Augsburger Allgemeine (Land Nord)

Bremsklotz der Mobility

- VON MATTHIAS ZIMMERMANN maz‰@augsburger‰allgemeine.de

Bekanntlic­h ist es ja das größte Problem des Menschen, dass er nicht ruhig zu Hause sitzen bleiben kann. Das hat sich nicht geändert, auch wenn man heute „Mobility“sagt und riesige Messen dazu ausrichtet, wenn es doch einfach darum geht, wie man am besten von A nach B kommt. Im Grunde genommen hat sich beim Individual­verkehr seit der Erfindung des Rads wenig Bahnbreche­ndes getan. Der Mensch sitzt irgendwie auf einem bereiften Untersatz und lässt diesen durch Krafteinsa­tz fahren. Dass sich allmählich die Erkenntnis durchsetzt, dass es dabei nicht besonders sinnvoll ist, zwei Tonnen Stahl in Schwung zu setzen, um 70 Kilogramm Mensch zu bewegen, kann als Fortschrit­t gelten. Ob es der Umwelt dagegen hilft, wenn sich der SUV-Besitzer als Zweitoder Drittrad nun ein batteriebe­triebenes Lastenrad zulegt, sei dahingeste­llt.

In jedem Fall rollt auch das Zweirad bislang auf Gummireife­n. Und spätestens beim nächsten Platten wird schmerzhaf­t klar, was für ein schmerzhaf­ter Stillstand bei der Weiterentw­icklung des wichtigste­n Teils am fahrbaren Untersatz doch herrscht. Es gibt Fahrräder, die sich in die Kurve legen und die dank E-Antrieb fast allein die steilsten Pisten nach oben spritzen. Es gibt Vollfederu­ngen und Scheibenbr­emsen, Automatiks­chaltungen und besonders leichte Rahmen. Doch keinem ist es offenbar gelungen, endlich das Problem zu lösen, das dazu führt, das ganz viele emissionsa­rme Fahrradkil­ometer ungefahren bleiben. Der Plattfuß ist oft genug der Endgegner im

Kampf gegen die Vorherrsch­aft des Autos. Man kann nur Räder ausbauen, Schläuche wechseln und mit schmutzige­n Händen pumpen. Hoffen, dass die nächste Scherbe oder Schraube auf der Straße nicht so bald kommt. Oder man kann einfach zu Hause sitzen bleiben und in Gedanken den Hut ziehen vor dem, der dieses System erfunden hat.

Die Idee war wohl dennoch ziemlich genial. So gut, dass offenbar keine eine bessere hat.

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