Die Zeit­schrif­ten der TV Stars

Nach dem Er­folg von Bar­ba­ra Schö­ne­ber­gers Frau­en­ma­ga­zin wer­den im­mer mehr Fern­seh-Pro­mis zu Na­mens­ge­bern von Per­so­na­li­ty-Hef­ten. Und nicht nur das: Sie ar­bei­ten in der Re­dak­ti­on rich­tig mit

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Medien - VON ANTJE HIL­DE­BRANDT Fo­tos: Da­ni­el Rein­hardt/Axel Heim­ken, dpa

Jetzt hu­la-ho­opt sie auch noch. „Aber haupt­säch­lich“, schreibt Bar­ba­ra Sc­hö­neber­ger im Edi­to­ri­al ih­res Ma­ga­zins Bar­ba­ra, und man hört, wie sie da­bei mit den Au­gen rollt, „schwit­ze ich.“Wo­mit sie ih­rer Ziel­grup­pe aus der See­le spre­chen dürf­te. Die ist kei­ne zwan­zig mehr, aber auch noch nicht so alt, dass sie die glei­chen Frau­en­ma­ga­zi­ne wie ih­re Müt­ter le­sen wür­de, Bri­git­te oder freun­din. Mo­de, Be­au­ty und Re­zep­te, mit die­sem Drei­klang be­kam man die­se Frau­en bis­her nur schwer. Bar­ba­ra ge­lingt es trotz­dem – mit ei­nem ganz ein­fa­chen Trick. Wo Bar­ba­ra drauf steht, ist auch Bar­ba­ra drin. Ei­ne Frau, die sich als TV-Mo­de­ra­to­rin und Sän­ge­rin den Ruf er­wor­ben hat, sie pfei­fe auf Kon­ven­tio­nen. Sie sei schlag­fer­tig. Sie neh­me sich sel­ber nicht so ernst. Durch ih­re Bril­le be­trach­tet, wird aus dem üb­li­chen Ei­ner­lei ein Be­kennt­nis: Sind wir nicht al­le ein biss­chen Bar­ba­ra?

Der Markt für so­ge­nann­te Te­sti­mo­ni­al-Ma­ga­zi­ne boomt. Erst am Di­ens­tag teil­te die Ver­lags­grup­pe Bur­daLi­fe mit, dass TV-Mo­de­ra­to­rin Birgit Schro­wan­ge künf­tig für das Ma­ga­zin Lust auf mehr ar­bei­te. Von der Au­gust-Aus­ga­be an ge­be Schro­wan­ge dem Ma­ga­zin auch ih­ren Na­men. Un­ter dem Ti­tel Birgit

Schro­wan­ge – Lust auf mehr wer­de die seit Herbst 2016 er­schei­nen­de Zeit­schrift zu ei­nem Per­so­na­li­ty­Ma­ga­zin für Frau­en ab 50 wei­ter­ent­wi­ckelt.

An­de­re Te­sti­mo­ni­al-Ma­ga­zi­ne hei­ßen JWD. (Un­ter­ti­tel: „Jo­ko Win­ter­scheidts Druckerzeug­nis“),

La­fer, Dr. von Hirsch­hau­sens stern

Ge­sund le­ben oder Da­nie­la Kat­zen­ber­ger. Und als Nächs­tes kommt ein Heft mit De­si­gner Gui­do Ma­ria Kret­sch­mer. Der Er­folg die­ser Ma­ga­zi­ne über­rascht auf den ers­ten Blick. Denn sie sto­ßen auf ei­nen Markt, der mit im­mer neu­en Ti­teln über­schwemmt wird. Gab es 1997 noch 1050 Ma­ga­zi­ne, wa­ren es 2018 schon 1600. Je­des Jahr er­schei­nen

140 neue Ti­tel. Al­ler­dings ver­schwin­den sie auch schnell wie­der, wenn sie nicht die ge­wünsch­te Auf­la­ge er­rei­chen. Das zeigt das 2016 vom Ver­lag Axel Sprin­ger Me­diahou­se Berlin wie­der­be­leb­te und nach nur sechs Aus­ga­ben ein­ge­stell­te Frau­en­ma­ga­zin Al­le­gra.

Um sich dau­er­haft zu eta­blie­ren, müs­sen Ma­ga­zi­ne ent­we­der ei­ne neue Ni­sche er­schlie­ßen, wie es

Beef! ge­lun­gen ist, dem Ma­ga­zin für ko­chen­de „Män­ner mit Ge­schmack“. Oder sie ge­hen auf Num­mer si­cher, su­chen sich ei­nen Pro­mi­nen­ten als Mar­ke und stri­cken ei­nen gan­zen Kos­mos um ihn her­um. In­so­fern über­rascht der Er­folg der Te­sti­mo­ni­al-Ma­ga­zi­ne nur auf den ers­ten Blick. Bar­ba­ra aus dem Haus Gruner + Jahr war das ers­te Ma­ga­zin die­ser Art – ei­ne Art Lack­mus­test für die ge­sam­te Bran­che.

Dem Ma­ga­zin liegt das Kal­kül zu­grun­de, dass Le­ser Ori­en­tie­rung brau­chen. Und dass das An­ge­bot an Ti­teln im­mer un­über­sicht­li­cher wird: Be­vor man et­was Neu­es aus­pro­biert, greift man zu Alt­be­kann­tem. Bar­ba­ra Sc­hö­neber­ger ken­nen vie­le schon aus dem Fern­se­hen.

2015 ge­star­tet, ver­kauft Gruner + je­den Mo­nat 100 000 Ex­em­pla­re. Das ist zwar erst ein Vier­tel der Auf­la­ge der Bri­git­te, doch die ist ja auch schon 64 Jah­re auf dem Markt.

Bar­ba­ra gilt als ei­ner der er­folg­reichs­ten Neu­starts der ver­gan­ge­nen Jah­re. Und es ent­behrt nicht der Iro­nie, dass es von Bri­git­te-Chef­re­dak­teu­rin Bri­git­te Hu­ber ver­ant­wor­tet wird. Aber wie viel Bar­ba­ra steckt denn nun in Bar­ba­ra?

Als Edi­tor-at-Lar­ge er­scheint sie im Im­pres­sum, und dass das kein rei­ner PR-Gag ist, zeigt ein Blick ins Heft. Die Ru­bri­ken un­ter­schei­den sich nicht von den Ru­bri­ken an­de­rer Frau­en­ma­ga­zi­ne. Es gibt Koch­re­zep­te, Sty­ling- und De­ko­tipps. Re­dak­tio­nell er­weckt das Ma­ga­zin al­ler­dings schon den An­schein, als hät­te Bar­ba­ra Sc­hö­neber­ger dem Heft mehr als nur ih­ren Na­men ge­lie­hen. Die ak­tu­el­le Aus­ga­be ist ein Heft für Be­we­gungs­muf­fel und Fit­ness-Jun­kies. Es gibt das Por­trät ei­ner Frau, die süch­tig nach Sport und Ana­bo­li­ka ist, und ei­ne Ge­schich­te über La­ser­schwert­kämp­fe und an­de­re Sport­ar­ten, die gar kei­ne Sport­ar­ten sind.

Wo sich Sc­hö­neber­ger sel­ber ver­or­tet, ver­rät sie in ei­nem In­ter­view mit „Sport­schau“-Mo­de­ra­to­rin Jes­sy Well­mer. Mit 40 ha­be sie ent­deckt, dass sie et­was ge­gen ihr „Wab­bel­bäuch­lein“und ih­re „Win­ke­ärm­chen“ma­chen müs­se, sagt sie. Ei­ne Fit­ness­trai­ne­rin hel­fe ihr da­bei. Über die sagt sie: „Im Prin­zip be­kommt sie ihr Geld da­für, dass sie mit ih­rem net­ten dä­ni­schen Ak­zent ,Jetzt gehst du erst mal jog­gen‘ sagt.“Hu­mor­voll. Schlag­fer­tig. Selbst­iro­nisch. Das ist die „Mar­ke Bar­ba­ra“. Der Re­dak­ti­on ist es ge­lun­gen, die­ses Image eins zu eins auf das Print­pro­dukt zu über­tra­gen. Und das er­klärt sei­nen Er­folg.

Jo­ko Win­ter­scheidts JWD., auch das aus dem Haus Gruner + Jahr, kann da nicht mit­hal­ten. Die ers­te Aus­ga­be die­ses Her­ren­ma­ga­zins für klei­ne Brü­der vom März schoss zwar mit 70 000 ver­kauf­ten Ex­em­pla­ren auf Platz eins der Ma­ga­zi­ne im Män­ner-Li­fe­style-Seg­ment. Das Heft zehrt al­ler­dings mehr von der Po­pu­la­ri­tät des TV-Mo­de­ra­tors als von des­sen Ori­gi­na­li­tät. Jo­ko steht für an­ar­chi­schen Hu­mor und die Neu­gier auf „ei­ne Welt, die sich stän­dig ver­än­dert und in der al­les mög­lich ist“.

Doch ent­we­der ist der Mo­de­ra­tor im ech­ten Le­ben ein Lang­wei­ler oder die Re­dak­ti­on hat es ver­säumt, ih­rem Edi­tor-at-Lar­ge Bei­ne zu ma­chen. Das ak­tu­el­le drit­te Heft ent­hält zwar gut ge­schrie­be­ne Re­por­ta­gen über Bun­des­wehr­sol­da­ten im Irak oder die Be­geg­nung mit ei­nem Ali­en-For­scher. Win­ter­scheidts Bei­trag er­schöpft sich al­ler­dings in ei­nem lieb­los da­hin­ge­haue­nen EdiJahr to­ri­al, und auch sein per­sön­li­ches Mar­ken-Abc („Him­mi Jim­mi, das Eis mei­ner Ju­gend“) und die Ge­schich­ten der Pas­san­ten, die er zu ei­ner Pro­be­fahrt im Rolls-Roy­ce durch München mit­ge­nom­men hat, ver­strö­men den Charme ein­ge­schla­fe­ner Fü­ße.

Im­mer­hin er­weckt Jo­ko nicht den Ver­dacht, er nut­ze das Ma­ga­zin in ers­ter Li­nie, um sei­ne TV-Kar­rie­re wei­ter zu be­flü­geln. Jo­hann La­fer und Da­nie­la Kat­zen­ber­ger sind die­ser Ver­su­chung er­le­gen. Und so ent­hält das Ma­ga­zin La­fer ne­ben Koch­re­zep­ten in ers­ter Li­nie PR für den Fern­seh­koch. Das Ma­ga­zin von TV-Stern­chen Kat­zen­ber­ger ist ein Fanzine oh­ne je­den jour­na­lis­ti­schen An­spruch.

Den kann man Dr. von Hirsch­hau­sens stern Ge­sund le­ben, eben­falls von Gruner + Jahr, zwar nicht ab­spre­chen. Es ist ein her­vor­ra­gend ge­mach­tes Ma­ga­zin, das ein The­ma wie „Die nack­te Haut“an­schau­lich und fa­cet­ten­reich auf­blät­tert. Der Arzt, Mo­de­ra­tor und Ka­ba­ret­tist Eck­art von Hirsch­hau­sen kom­men­tiert das auch ge­wohnt lau­nig. Doch er und sein Ma­ga­zin wan­deln auf ei­nem schma­len Grat zwi­schen se­riö­sem Jour­na­lis­mus und Selbst­dar­stel­lung. Muss er sich wirk­lich auf je­des Fo­to drän­geln? Hat er es wirk­lich noch nö­tig, für sein Ka­ba­rett-Pro­gramm im Heft zu wer­ben?

TV Mo­de­ra­to­rin und Sän­ge­rin Bar­ba­ra Sc­hö­neber­ger (rechts) mit Chef­re­dak­teu­rin Bri­git­te Hu­ber ha­ben „Bar­ba­ra“zum Er­folg ge­macht.

Auch Mo­de­ra­tor Joa­chim „Jo­ko“Win­ter­scheidt bringt sich in die Pro­duk­ti­on des nach ihm be­nann­ten Ma­ga­zins „JWD.“ein.

Fo­to: Han­no Gut­mann, epd

Vom Start weg war „Bar­ba­ra“ein Er­folg. Das ers­te Sc­hö­neber­ger Heft er­schien im Ok­to­ber 2015.

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