Ein Ort, an dem die Küns­te sich bal­len

Das Som­mer­fes­ti­val an der Salz­ach ist nicht nur ein Ma­gnet für Opern­freun­de, son­dern war­tet all­jähr­lich auch mit hoch­ka­rä­ti­gen Schau­spiel­pro­duk­tio­nen auf. Und wen es in Kon­zer­te zieht, der hat hier die Qu­al der Wahl

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Feuilleton Extra: Festspielsommer 2018 - VON STE­FAN DOSCH ge­ni­us lo­ci

Muss man nach Salz­burg zu den Fest­spie­len fah­ren? Wenn doch Mo­zarts „Zau­ber­flö­te“in Kür­ze auch am Thea­ter Augs­burg auf­ge­führt wer­den wird? Und ei­ne Schau­spielIns­ze­nie­rung von Star-Re­gis­seur Frank Cas­torf ak­tu­ell auch in Mün­chen zu se­hen ist? Und die bes­se­ren Opern­kar­ten bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len schnell mal 200, 300,

400 Eu­ro kos­ten kön­nen?

Ja, man be­kommt das auch an­ders­wo und viel­fach güns­ti­ger. Und zu­gleich: Nein – die­se Som­mer­fest­spie­le an der Salz­ach bie­ten ei­nen Mehr­wert, den ei­ne Re­per­toireVor­stel­lung an ei­nem „nor­ma­len“Thea­ter nicht zu leis­ten ver­mag. Es ist die Ku­mu­la­ti­on, die das Be­son­de­re die­ser Fest­spie­le (20. Ju­li bis

30. Au­gust) aus­macht, die­se Bal­lung an Kunst: Dass da eben nicht nur ein ein­zel­nes Gen­re ge­pflegt wird, son­dern ne­ben der Oper auch das Schau­spiel und ne­ben Kam­mer­mu­sik und Kla­vier­abend auch das gro­ße Orches­ter­kon­zert. Dass da nicht bloß zwei, drei Neu­in­sze­nie­run­gen auf dem Spiel­plan ste­hen, son­dern sa­ge und schrei­be neun in sechs Fes­ti­val­wo­chen. Dass da nicht nur das Ar­ri­vier­te auf die Büh­ne ge­langt, nicht nur Avant­gar­dis­ti­sches, son­dern bei­des zu­sam­men.

Ei­ne ein­drucks­vol­le Häu­fung ist auch, wer da al­les an künst­le­risch Be­tei­lig­ten zu­sam­men­kommt. Bei den Sän­gern ge­ben sich Welt­stars wie An­na Netreb­ko, Ce­ci­lia Bar­to­li und Sonya Yon­che­va die Klin­ke in die Hand. Auf der Thea­ter­büh­ne ist die fa­bel­haf­te San­dra Hül­ler zu er­le­ben, eben­so die nicht we­ni­ger for­mi­da­ble So­phie Rois. Und erst die Orches­ter – die re­si­die­ren­den Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker so­wie­so, da­zu die Ber­li­ner, London Sym­pho­ny, West-Eas­tern Di­van – und die So­lis­ten: Pol­li­ni, Kis­sin, Trif­o­nov, So­ko­l­ov … Wer zählt die Na­men?

Na­tür­lich lässt sich das in sei­ner aus­ufern­den Fül­le nicht al­les im Ein­zel­nen wahr­neh­men. Aber die Viel­falt bil­det den Hintergrund, der mit bei­trägt zum ein­zig­ar­ti­gen Ge­samt­bild. Man muss ge­wiss kein An­hän­ger ei­nes geis­ti­gen Ma­gne­tis­mus sein, um zu spü­ren, dass da im Som­mer ei­ne be­son­ders kunst­ge­schwän­ger­te Luft über den Gas­sen von Salz­burg liegt, ei­ne Hy­per-At­mo- sphä­re, die zwei­fels­frei ih­re Rück­wir­kun­gen hat auf die In­spi­ra­ti­on der Künst­ler und auf die Auf­nah­me­be­reit­schaft des Pu­bli­kums.

Und dann ist da noch die Stadt selbst. Nicht nur, dass in Salz­burg der – kei­nes­wegs nur von Mo­zart, son­dern auch von an­de­ren Grö­ßen wie Max Rein­hard oder Richard Strauss – merk­li­cher zu­ta­ge tritt als an an­de­rem Ort. Die Stadt mit ih­ren pit­to­res­ken Ba­rock­fas­sa­den ist im Som­mer, wenn sich in den Dau­er-Tou­ris­ten­strom auch noch zig­tau­sen­de Fes­ti­val­be­su­cher mi­schen, selbst ei­ne Büh­ne. Wohl­wis­send um die­se Qua­li­tät wird der ob­li­ga­to­ri­sche Hof­manns­thal-„Je­der­mann“ja auch mit­ten im Zen­trum auf dem Dom­platz ge­ge­ben.

Was hat die Oper zu bie­ten?

Fünf sze­ni­sche Neu­pro­duk­tio­nen gibt es in die­sem Jahr. In Mo­zarts „Zau­ber­flö­te“sin­gen Mat­thi­as Go­er­ne und Chris­tia­ne Karg, Klaus Ma­ria Bran­dau­er ist als Er­zäh­ler mit da­bei. Bei der „Sa­lo­me“von Richard Strauss ist man ne­ben dem Di­ri­gat von Franz Wel­ser-Möst vor al­lem dar­auf ge­spannt, was Ro­meo Ca­s­tel­luc­ci sich als Re­gis­seur, Büh­nen­und Ko­s­tüm­bild­ner hat ein­fal­len las­sen. Hoch­ge­steckt sind die Er­war­tun­gen im­mer auch, wenn Hans Neu­en­fels für die Re­gie ver­ant­wort­lich zeich­net, dies­mal für Tschai­kow­skys „Pi­que Da­me“, de­ren Di­ri­gent Ma­riss Jan­sons heißt. Auch Kent Na­ga­no (mu­si­ka­li­sche Lei­tung) und Kr­zy­sz­tof War­li­kow­ski sind zwei Na­men, die stets Auf­merk­sam­keit ver­die­nen, bei­de ver­pflich­tet für Hans Wer­ner Hen­zes „Bas­sa­ri­den“. Und für Mon­te­ver­dis „Krö­nung der Pop­pea“kommt Alt­meis­ter Wil­li­am Chris­tie mit sei­nem En­sem­ble Les Arts Flo­ris­sants nach Salz­burg, Sonya Yon­che­va singt die Ti­tel­par­tie.

Was ist im Schau­spiel zu se­hen?

Jo­han Si­mons in­sze­niert den Schlag­ab­tausch zwi­schen San­dra Hül­ler und Jens Har­zer in Kleists „Pen­thesi­lea“. Für die Per­ner-In­sel in Hal­lein ha­ben sich Frank Cas­torf und sein Team die Dra­ma­ti­sie­rung von Knut Hamsuns Ro­man „Hun­ger“vor­ge­nom­men – Marc Ho­se­mann, Lars Ru­dolph und So­phie Rois sind mit da­bei. Auch das Zwei-Per­so­nen-Stück „Kommt ein Pferd in die Bar“ist ei­ne Pro­sa-Ad­ap­ti­on (nach Da­vid Gross­man), Ai­s­chy­los’ „Per­ser“-Tra­gö­die hin­ge­gen ein Stück aus den An­fän­gen des eu­ro­päi­schen Thea­ters (in­sze­niert von Ul­rich Ra­sche).

Neu­es Spiel, neu­es Glück mit „Pi­que Da­me“

Wel­ches Kon­zert be­su­chen?

Aus dem rund 70 Po­si­tio­nen um­fas­sen­den Kon­zert­pro­gramm sei ei­ner der dies­jäh­ri­gen Schwer­punk­te her­aus­ge­grif­fen: der Zy­klus sämt­li­cher Beet­ho­ven-Sin­fo­ni­en mit Teo­dor Curr­ent­zis und Mu­si­cAe­ter­na. Das Di­ri­gen­ten-En­fant ter­ri­b­le hat bis­her schon tüch­tig Staub von Mo­zart-Wer­ken ge­bla­sen, sein Ori­gi­nal­in­stru­men­ten-En­sem­ble folgt ihm be­din­gungs­los. Ei­ne wei­te­re Kom­bi­na­ti­on dürf­te nicht we­ni­ger Span­nung ver­spre­chen: Ki­rill Pe­tren­ko di­ri­giert in zwei Kon­zer­ten die Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker, das Orches­ter, das er im kom­men­den Jahr als Nach­fol­ger von Si­mon Ratt­le über­neh­men wird. O In­fos Das kom­plet­te Pro­gramm der Fest­spie­le gibt es auf de­ren In­ter­nets­ei te (www.salz­bur­ger­fest­spie­le.at). Di­ver­se Vor­stel­lun­gen sind be­reits aus­ver­kauft, doch lohnt sich oft­mals die kurz­fris­ti­ge Nach­fra­ge.

Das Kar­ten­bü­ro in Salz­burg ist te­le­fo nisch zu er­rei­chen un­ter der Num­mer 0043 662 8045 500.

Über 200 Schau­spiel , Opern , Orches­ter , Kla­vier und Lie­der­aben­de bie­ten die Salz­bur­ger Som­mer Fest­spie­le 2018 bin­nen 42 Ta­gen an, dar­un­ter den „Je­der­mann“mit To bi­as Mo­ret­ti und Ma­vie Hör­bi­ger (oben links) so­wie Ce­ci­lia Bar­to­li als „Ita­lie­ne­rin in Al­gier“(oben rechts).

Fo­tos: Salz­bur­ger Fest­spie­le (3), dpa

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