Der Bo­den­see als Schick­sals­ort

Wie die Frei­heits­lie­be un­ter­drück­ter Frau­en in Bru­ta­li­tät mün­det, zei­gen Opern mit be­rau­schen­der Mu­sik und far­bi­gen Bil­dern

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Feuilleton Extra: Festspielsommer 2018 - VON IN­GRID GROHE

Am En­de sind sie al­le tot: Car­men er­tränkt im Bo­den­see, Bea­tri­ce in der En­gels­burg hin­ge­rich­tet und die er­mor­de­te Ma­ria streift als Geist durch Bu­e­nos Ai­res. Bru­ta­li­tät ge­gen Frau­en scheint ein Schwer­punkt der Bre­gen­zer Fest­spie­le zu sein. Auf­be­geh­ren­de Frau­en, die sich aus der Un­ter­drü­ckung be­frei­en wol­len und von Frei­heit träu­men, wa­ren zu al­len Zei­ten in Ge­fahr, durch Ge­walt in die Knie ge­zwun­gen zu wer­den.

Ihr Drän­gen, ihr Kämp­fen und ihr Leid lässt sich auf Opern­büh­nen in far­bi­ge Bil­der, lei­den­schaft­li­che Tän­ze und be­rau­schen­de Mu­sik um­set­zen. Kein Wun­der, dass Ge­or­ges Bi­zets „Car­men“auf der von Es Dev­lin ge­stal­te­ten Spiel­kar­ten-See­büh­ne, ob­wohl an 29 Aben­den mit je fast 7000 Kar­ten an­ge­bo­ten, zu 90 Pro­zent ge­bucht ist und dass es für die bei­den Aben­de mit „Ma­ria de Bu­e­nos Ai­res“von As­tor Piaz­zol­la auf der Bre­gen­zer Werk­statt­büh­ne schon vor Fest­spiel­eröff­nung kei­ne Ti­ckets mehr gibt.

Ne­ben den po­pu­lä­ren Fla­men­cound Tan­go-Iko­nen ist ei­ne Frau­en­per­sön­lich­keit Teil des Fest­spiel­pro­gramms, die tat­säch­lich ge­lebt hat: Bea­tri­ce Cen­ci muss im Rom des 16. Jahr­hun­derts Ge­walt und Miss­brauch durch den ei­ge­nen Va­ter er­lei­den – wäh­rend die Kir­che die Ver­bre­chen des rei­chen Pa­tri­zi­ers deckt. Va­ter­mord scheint der ein­zi­ge Aus­weg – und stürzt die

22-jäh­ri­ge Bea­tri­ce ins Ver­der­ben. Der in Ham­burg ge­bo­re­ne und

1935 nach London emi­grier­te jü­di­sche Kom­po­nist Bert­hold Gold­schmidt (1903–1996) hat Bea­tri­ce Cen­ci mit sei­ner gleich­na­mi­gen Oper ein Denk­mal ge­setzt. De­ren drei­ma­li­ge Auf­füh­rung (ab 18. Ju­li, Re­gie Jo­han­nes Erath) führt die Tra­di­ti­on der Ra­ri­tä­ten im Fest­spiel­haus fort, die der Vor­arl­ber­ger Haupt­stadt schon län­ger An­er­ken­nung in der Kul­tur­welt be­schert.

Auch ein Auf­trags­werk hat die Bre­gen­zer In­ten­dan­tin Eli­sa­beth So­bot­ka im An­ge­bot: Der aus Ti­rol stam­men­de Tho­mas Lar­cher kom­po­nier­te zu „Das Jagd­ge­wehr“die Mu­sik. Das Li­bret­to, an­ge­lehnt an das gleich­na­mi­ge Buch von Ya­su­shi Inoue, stammt aus der Fe­der von Frie­de­ri­ke Gös­wei­ner. Bei den drei Auf­füh­run­gen ab 15. Au­gust singt Mark Pad­mo­re die Haupt­rol­le des Dich­ters.

So­bot­ka, er­klär­te Opern­lieb­ha­be­rin, ar­bei­tet an ei­nem ei­ge­nen Mu­sik­thea­ter-Pro­fil für Bre­genz. Da­für lässt sie seit 2015 in ei­nem Opern­stu­dio jun­ge Ge­s­angs­ta­len­te un­ter Ob­hut von Kam­mer­sän­ge­rin Bri­git­te Fass­ba­en­der Mu­sik­thea­ter­wer­ke er­ar­bei­ten. Dies­mal spielt das jun­ge En­sem­ble ab 13. Au­gust vier­mal „Der Bar­bier von Se­vil­la“im Korn­markt­thea­ter.

Ei­ne um­strit­te­ne Fi­gur der Mu­sik­ge­schich­te be­leuch­tet das Schau­spiel „Böhm“am 25. und 26. Ju­li. Der aus Graz stam­men­de ge­fei­er­te Di­ri­gent Karl Böhm, der sich mit den Na­zis ar­ran­gier­te und so Kar­rie­re mach­te, wird hier als Pup­pe in Hän­den von Ni­ko­laus Hab­jan le­ben­dig.

OKar­ten­te­le­fon: 0043/5574/4076: Das Pro­gramm on­line: www.bre­genz­er­fest­spie­le.com

Fo­to: Mat­thi­as Be­cker

Jo­sé (Da­ni­el Jo­hans­son) will Car­men (Gaël­le Ar­quez) be­sit­zen – und wird zum Mör­der.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.