Augsburger Allgemeine (Land West)

Was die Wirte im Horgauer Bahnhöfle planen

Wo früher die Züge der Weldenbahn hielten, haben sich Andrea und Hermann Lauter mit ihrem Gasthaus einen Lebenstrau­m erfüllt. Auch Übernachtu­ngsgäste können hier unterkomme­n

- VON PHILIPP KINNE

Horgau Mit einem Bahnhof hat das neue Wirtshaus in Horgau nur noch auf den zweiten Blick etwas zu tun. Vor Jahrzehnte­n machten dort Züge auf der Weldenbahn Halt. Heute sind es Radfahrer auf der Suche nach einer Verschnauf­spause. Jahrelang stand das alte Horgauer Bahnhofsge­lände leer. Nun ist aus dem herunterge­kommenen Gebäude eine moderne Wirtschaft mit Biergarten geworden.

Dahinter stecken die beiden Wirtsleute Andrea und Hermann Lauter aus Welden. Das Ehepaar aus Welden will sich mit dem neuen Gasthaus einen Lebenstrau­m erfüllen. Eigentlich wollten die neuen Wirte das neue Wirtshaus bereits im Frühjahr eröffnen. Doch dann kam Corona. Wegen der Auflagen beschlosse­n die Lauters, zunächst nur den Biergarten zu öffnen. Dort ist unter Corona-Auflagen - Platz für rund 130 Gäste. Das Konzept ging auf. „An schönen Sommertage­n standen hier 70 Fahrräder“, erzählt Andrea Lauter und blickt auf die Bierbänke am Waldrand. Seit wenigen Tagen sind auch die Gasträume im renovierte­n Bahnhofsge­bäude eröffnet. Am Ziel sind die Wirtsleute damit aber noch lange nicht.

Vor einigen Jahren hatten Sie das ehemalige Bahnhofsge­lände gekauft. Was folgte waren eine ganze Reihe an Auflagen und Behördengä­ngen. Nach Jahren der Sanierung strahlt das alte Bahnhofsge­bäude nun in neuem Glanz. „Am Bahnhöfle“steht da in goldenen Buchstaben. Das Gebäude wirkt hell und einladend. Vereinzelt finden sich alte Elemente wie ein Stück der alten Bahnhofstr­asse oder alte Balken an der Decke des neuen Gastraumes. „Das Allermeist­e hier haben wir selbst gemacht“, erzählt Hermann Lauter. Dabei ist der 55-Jährige gelernter Koch und eigentlich kein Handwerker.

„Inzwischen kann ich aber alles“, scherzt Lauter. Auch aus Kostengrün­den habe er den größten Teil der Sanierung selbst übernommen.

Zuletzt war er Koch in einer Firmenkant­ine. Seine Frau Andrea ist zwar eigentlich Erzieherin, dennoch kennt auch sie sich im Gastrobetr­ieb aus. „Meine Tante hatte eine Wirtschaft in Welden, da bin ich praktisch aufgewachs­en“, sagt sie. In den vergangene­n Jahren haben die beiden aus dem alten Bahnhof eine moderne Wirtschaft gemacht.

Das Herz des Gebäudes ist ein kleiner Gastraum mit Imbiss-Küche. Hinter dem Tresen bereitet Hermann Lauter die frischen Speisen zu. Richtig kochen, kann er hier aber nicht - aus baurechtli­chen Gründen. Das macht der gelernte Koch in einem weiteren Gebäude auf dem Gelände, einem kleinen Pavillon im Biergarten. Dort findet sich eine größere Küche. Neben dem kleinen Gastraum gibt es im Haupthaus einen weiteren Raum mit Platz für derzeit etwa 20 Gäste. Wegen Corona stehen die Tische weit auseinande­r, später sollen hier einmal weitaus mehr Gäste Platz finden. Der Raum kann auch für Veranstalt­ungen gemietet werden.

Im ersten Stock des ehemaligen Bahnhofsge­bäudes finden sich zwei Gästezimme­r mit Doppelbett­en und Platz für ein, beziehungs­weise zwei Beistellbe­tten. Die Übernachtu­ng mit Frühstück kostet etwa 65 Euro, sagen die Lauters. Im Sommer hatten sie bereits ihre ersten Übernachtu­ngsgäste. „Besonders die Nähe zum Wald ist ein Highlight“, sagt Hermann. Wer aus dem Fenster der Gästezimme­r blickt, sieht direkt in den Wald. „Manchmal lassen sich da Tiere beobachten“, sagt Lauter.

Neben dem Gasthaus entsteht außerdem ein kleiner Campingpla­tz. Hier soll Platz für vier Wohnmobile und etwa zehn Autos sein. Daneben wird es einen Zeltplatz geben und zehn „Pods“. Das sind Holzhütten, die gemietet werden können. Ein solcher Pod steht bereits auf dem Gelände in Horgau. Hergestell­t werden die kleinen Häuschen aus Kiefernhol­z in Russland. In den Häuschen mit einem kleinen Vorraum und Betten ist Platz für bis zu vier Personen. Duschen und Sanitärräu­me für die Campinggäs­te gibt es im Haupthaus.

Auf den Tisch kommt im neuen Gasthaus einfache Küche aus der Region. „Wir sind da ganz offen und richten uns nach den Wünschen unserer Gäste“, sagt Hermann Lauter. Nach dem ersten Gasthaus-Wochenende sei klar, dass die Wirtshausg­äste offenbar ganz andere Interessen als die Gäste im Biergarten haben, meint er. Dort kommen Klassiker wie Currywurst, Wurstsalat oder Fischsemme­l gut an. Im Wirtshaus hingegen ist momentan Grillgemüs­e und Burgunderb­raten der Renner. Das Gemüse beziehen die Lauters von einem Bauern aus

Adelsried. Außerdem gibt es selbstgema­chtes Brot und Kuchen von Andrea Lauter.

Das kommt offenbar gut an. Andrea Lauter erinnert sich an eine Gruppe von Radfahrern, die im Sommer im Biergarten zu Gast waren. „Eigentlich wollten die nur eine kurze Pause machen“, erinnert sich Lauter. „Die Gruppe war auf dem Weg zum Ammersee.“Im Biergarten hätten die Männer dann aber schnell die Zeit vergessen. „Irgendwann mussten sie sich von ihren Frauen abholen lassen“, erinnert sich Lauter. Aus der Fahrradtou­r wurde ein ausgedehnt­er Besuch im Biergarten.

Öffnungsze­iten: Montag: Ruhetag Dienstag bis Donnerstag: 15 bis 21.30 Uhr Freitag und Samstag: 9 bis 22 Uhr Sonntag: 9 bis 20 Uhr Mehr Infos gibt es auch auf der Website unter www.bahn‰ hoefle‰horgau.de.

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Foto: Marcus Merk Das Ehepaar Lauter aus Welden will sich mit dem neuen Gasthaus in Horgau einen Lebenstrau­m erfüllen.

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