Augsburger Allgemeine (Land West)

Ein Ex-Ge­nos­se als Ge­fahr für Scholz

Fi­nanz­po­li­ti­ker Kay Gott­schalk von der AfD lei­tet den Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Bun­des­tags im Wi­re­card-Skan­dal. Einst rief er zum Boy­kott tür­ki­scher Lä­den auf

- Bern­hard Jun­gin­ger European Politics · Politics · Alternative for Germany · Angela Merkel · China · China · Peter Altmaier · German Ministry of Finance · Olaf Scholz · Viersen · North Rhine-Westphalia · Germany · Hanover · Italy · France · Björn Höcke · The Left

Mit Kay Gott­schalk führt zum ers­ten Mal ein AfD-Mann das „schärfs­te Schwert“der Op­po­si­ti­on ge­gen die Re­gie­rung. Ein par­la­men­ta­ri­scher Un­ter­su­chungs­aus­schuss gilt als Waf­fe, die den Mäch­ti­gen emp­find­li­che Wun­den bei­brin­gen kann – wenn sie denn ge­schickt ge­führt wird. An­ge­sichts der ho­hen po­li­ti­schen Bri­sanz des Wi­re­card-Skan­dals, den der AfD-Mann nun fe­der­füh­rend auf­ar­bei­ten soll, hängt von sei­ner Amts­füh­rung für ei­ni­ge Re­gie­rungs­mit­glie­der viel ab. Für Kanz­le­rin Angela Mer­kel, die in Chi­na für den in­zwi­schen in­sol­ven­ten Fi­nanz­dienst­leis­ter vor­sprach, für ih­ren CDU-Par­tei­freund Wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er, vor al­lem für Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz. Für den SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten könn­te es be­son­ders un­an­ge­nehm wer­den, trägt er doch die Ver­ant­wor­tung für die staat­li­che Fi­nanz­auf­sicht Ba­fin. Die hat in der Luft­bu­chungs­af­fä­re mit bis zu drei Mil­li­ar­den Eu­ro Scha­den of­fen­bar völ­lig ver­sagt.

Wenn Scholz im Aus­schuss Re­de und Ant­wort ste­hen muss, trifft er auf ei­nen ehe­ma­li­gen Par­tei­freund. Gott­schalk, der aus Ham­burg stammt und in Vier­sen in Nord­rhein-West­fa­len lebt, war einst Mit­glied der SPD. 2013 zähl­te er al­ler­dings zu den Grün­dungs­mit­glie­dern der AfD. Er gilt als Ver­tre­ter des ge­mä­ßig­ten Teils der Par­tei und kri­ti­sier­te im­mer wie­der den rechts­na­tio­na­len „Flü­gel“um Björn Hö­cke.

Doch auch Gott­schalk mach­te mehr­fach mit po­pu­lis­ti­schen Äu­ße­run­gen auf sich auf­merk­sam. 2018 et­wa rief er zu ei­nem Boy­kott von Ge­schäf­ten in Deutsch­land auf, de­ren Be­sit­zer ei­nen tür­ki­schen Hin­ter­grund ha­ben. Die­se sei­en über­wie­gend Be­für­wor­ter der Po­li­tik Er­do­gans, der et­wa Kur­den an­grei­fe, so Gott­schalk. So­gar aus der ei­ge­nen Par­tei ka­men Rück­tritts­for­de­run­gen. Der Staats­schutz er­öff­ne­te ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren, das spä­ter al­ler­dings ein­ge­stellt wur­de.

Auf dem AfD-Bun­des­par­tei­tag in Han­no­ver 2017 wur­de Gott­schalk zum stell­ver­tre­ten­den Bun­des­vor­sit­zen­den ge­wählt. Auf dem Weg zur Ver­an­stal­tung hat­ten Ge­gen­de­mons­tran­ten ihm den Weg ver­sperrt und das Hand­ge­lenk ge­bro­chen. Sei­nen Pos­ten im Bun­des­vor­stand ver­lor der 54-Jäh­ri­ge be­reits En­de 2019 wie­der. Er un­ter­lag Rechts­au­ßen Andre­as Kal­bitz.

In der AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on ist der Di­plom-Kauf­mann und Ju­rist Gott­schalk fi­nanz­po­li­ti­scher Spre­cher. Als sol­cher kri­ti­sier­te er et­wa Co­ro­na-Hil­fen für Ita­li­en oder Frank­reich. Der Aus­schuss­vor­sitz fiel der AfD durch ei­ne par­la­men­ta­ri­sche Ge­pflo­gen­heit zu, nach der die Pos­ten nach Frak­ti­ons­grö­ße ver­ge­ben wer­den. Grü­ne und Link­s­par­tei hät­ten den AfD-Mann gern ver­hin­dert, äu­ßer­ten bei der Auf­takt­sit­zung Be­den­ken, es kam zur ge­hei­men Wahl. Doch Gott­schalk wur­de mit knap­per Mehr­heit zum Vor­sit­zen­den ge­wählt.

Ob er die schar­fe Klin­ge treff­si­cher zur Auf­klä­rung ein­setzt oder aber nur dro­hend po­pu­lis­tisch mit ihr her­um­fuch­telt, wird sich in den kom­men­den Mo­na­ten zei­gen.

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Fo­to: dpa

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