Augsburger Allgemeine (Land West)

Ein Augs­bur­ger Paar gibt Kü­chen­ein­bli­cke

Por­trät Ma­de­lei­ne und Flo­ri­an Ank­ner lern­ten sich wäh­rend ih­rer Aus­bil­dung ken­nen. Nun be­trei­ben die Jour­na­lis­ten ei­nen Food-Blog und ha­ben ihr ers­tes Buch her­aus­ge­bracht

- VON DIA­NA ZAPF‰DE­NIZ Food · Pinterest · Australia · Canada · Flensburg · France · Siena · Trudie Styler · Gianna Nannini · Dorling Kindersley Limited

Wie einst Eva ver­führ­te Ma­de­lei­ne Ank­ner ih­ren spä­te­ren Mann Flo­ri­an mit ei­nem Ap­fel. Al­ler­dings mit dem ent­schei­den­den Un­ter­schied, dass sie ihn da­mit ins Pa­ra­dies – in die­sem Fall die Welt des Ba­ckens – lock­te. In­zwi­schen füh­ren die bei­den ei­nen be­lieb­ten Blog zum The­ma Ko­chen und Ba­cken mit dem Na­men „Das Back­stüb­chen“. Re­zep­te nach­zu­ko­chen ist nicht ihr Ding, sie kre­ieren lie­ber ei­ge­ne. Des­halb ha­ben sie nun ihr ers­tes Buch her­aus­ge­bracht: Ap­fel­kü­che.

Ge­dacht war die Sa­che an­ders: Flo­ri­an und Ma­de­lei­ne Ank­ner woll­ten Jour­na­lis­ten wer­den, mach­ten ein Vo­lon­ta­ri­at bei der Augs­bur­ger All­ge­mei­nen. Dort lern­ten sie sich auch ken­nen: Sie be­geg­ne­ten sich am ers­ten Tag ih­res Vo­lon­ta­ria­tes im Ver­lags­ge­bäu­de der AZ. „Raum 151“, wis­sen sie noch ge­nau – und dass es Lie­be auf den ers­ten Blick war. Er stu­dier­te In­for­ma­ti­ons­ma­nage­ment und Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on (IMUK), sie Me­di­en­kom­mu­ni­ka­ti­on. Sie liebt es zu ba­cken, er zu fo­to­gra­fie­ren. Da­zu die ge­mein­sa­me Lei­den­schaft für Es­sen, fer­tig war das Er­folgs­re­zept.

Ma­de­lei­ne Ank­ner wag­te im ver­gan­ge­nen Jahr den Schritt in die Selb­stän­dig­keit, auch ihr Mann gab kürz­lich sei­ne Fest­an­stel­lung auf. Seit ei­nem Jahr ha­ben sie ein Koch­stu­dio im Acker­mann-Fa­b­rik­ge­bäu­de in Gög­gin­gen. Sie sind Food-Sty­ler, die Ge­sich­ter von „The In­gre­dient“, der On­li­ne-Com­mu­ni­ty des Mün­che­ner Haus­halts­ge­rä­te­her­stel­lers Neff und be­ka­men 2018 für ihr „Back­stüb­chen“ei­nen Food-Blo­gAward. Ihr Blog ge­hört zu den Top 10 der deutsch­spra­chi­gen Blogs in der Ka­te­go­rie Ba­cken.

Über 200 000 Blog-Auf­ru­fe ha­ben sie pro Mo­nat, da­von kom­men et­wa 80 Pro­zent von Frau­en. Auf Ins­ta­gram fol­gen ih­nen über 25.000 Nut­zer, auf Pin­te­rest sind es 350000 Auf­ru­fe im Mo­nat. Das be­deu­tet ho­he Klick­zah­len, und die sind die Wäh­rung im In­ter­net, die Un­ter­neh­men lockt. „Fir­men wol­len

Blog­ger und de­ren Ziel­grup­pe ha­ben“, er­klärt Flo­ri­an Ank­ner. „Un­se­re sind Foo­dies, al­so Men­schen, die es lie­ben, sich mit Es­sen zu be­schäf­ti­gen.“

Um Blog­ger zu ge­win­nen, le­gen sich Fir­men ins Zeug. Den­noch wird zäh ver­han­delt, denn je­de Sei­te möch­te pro­fi­tie­ren. Ge­nau das kennt der Back­stüb­chen-Blog gut und ha­ben viel ge­lernt. Ank­ners ha­ben in­zwi­schen nam­haf­te Kun­den: Ihr Ge­schirr be­sor­gen sie sich aus der gan­zen Welt, von Aus­tra­li­en bis Ka­na­da. Ihr Kü­chen­stu­dio ist ist

die Fo­tos wol­len sie au­then­tisch hal­ten. „Un­ser Es­sen wird für das Fo­to nicht be­ar­bei­tet. Wir ver­wen­den we­der Ra­sier­schaum noch Haar­lack. Bei uns ist al­les echt“, so Ma­de­lei­ne Ank­ner. Im­mer­hin es­sen sie al­les selbst auf, was sie zu­be­rei­ten. „Wir wol­len kei­ne Le­bens­mit­tel­ver­schwen­dung.“

Für ihr neu­es Ap­fel-Re­zep­te­buch sind sie bis nach Sörup bei Flens­burg zu ei­nem Po­mo­lo­gen, ei­nem Obst­kund­ler, ge­fah­ren. Denn Meinolf Ham­mer­schmidt hü­tet in sei­nem Obst­mu­se­um, dem „Po­ma­ri­um

Ang­li­cum“, über 700 von den welt­weit rund 20.000 Ap­fel­sor­ten. Die Ank­ners be­schrei­ben in ih­rem Buch zwölf be­lieb­te Ap­fel­sor­ten und kre­ieren dar­aus herz­haf­te und sü­ße Ge­rich­te. Bei ih­ren Fol­lo­wern und Le­sern kommt das An­ge­bot gut an. Im­mer wie­der be­dan­ken sie sich für die In­spi­ra­ti­on oder ge­ben Rück­mel­dung, wenn sie ein Rezept nach­ge­kocht ha­ben.

Doch wie kommt mit ei­nem Blog Geld in die Kas­se? „Auf uns kom­men Her­stel­ler von Säf­ten, Whis­key oder Ho­nig zu und bit­ten uns, Re­hoch­mo­dern, zep­te mit ih­ren Pro­duk­ten zu ent­wi­ckeln“, so die Au­to­ren. Je­doch sind sie wäh­le­risch: „Kun­den müs­sen zu uns pas­sen.“Mit ih­rer Agen­tur „hey, foo­die – Sto­ry­tel­lung & Food­Fo­to­gra­fie“ha­ben sie Kun­den wie Ma­nu­fac­tum und Tchi­bo, aber auch das Augs­bur­ger Re­stau­rant „Nu­de Food“ge­won­nen. „Für Hy­mer wa­ren wir drei Wo­chen in Frank­reich mit dem Wohn­mo­bil un­ter­wegs.“Ziel sei es, re­gio­nal ein­zu­kau­fen, Neu­es zu ent­de­cken und Fo­tos, auch mit der Droh­ne, zu ma­chen. Das sei nicht so ent­spannt, wie es klingt, und die Zeit­span­ne schnel­ler vor­bei, als man den­ke. „Be­geis­tert wa­ren wir von der Fou­gas­se, ei­nem fran­zö­si­schen Brot mit Kräu­tern und Oli­ven­öl.“Auch die­ses Rezept fin­det man im Blog.

Im Tos­ka­na-Ur­laub ha­ben die bei­den Ric­cia­rel­li-Kek­se in Sie­na ge­kos­tet. Flo­ri­an Ank­ner war so be­geis­tert von den Man­del­kek­sen, dass sei­ne Frau und er sie zu Hau­se nach­ge­ba­cken ha­ben. „Die Kek­se sind aus der Pas­tic­ce­ria Nan­ni­ni, die der Fa­mi­lie von Sän­ge­rin Gi­an­na Nan­ni­ni ge­hört und die von ih­rem Bru­der, dem eins­ti­gen Renn­fah­rer Ales­san­dro, ge­führt wird. „Wir sind stets im Zei­chen der Ku­li­na­rik un­ter­wegs“, sa­gen sie la­chend. Wenn sie zu­hau­se ko­chen, le­gen die bei­den aber gro­ßen Wert auf re­gio­na­le Zu­ta­ten. Und sie ver­su­chen, auch ih­re Fans da­von zu über­zeu­gen: durch Er­klä­run­gen, Re­zep­te und den ste­ten Aus­tausch mit ih­ren Nut­zern.

Ma­de­lei­ne Ank­ner lern­te das Ba­cken üb­ri­gens von ih­rer Oma. Von de­ren Re­zep­ten lässt sie sich bis heu­te im­mer wie­der in­spi­rie­ren. „Un­se­ren Food-Blog gibt es seit 2013, und wir hät­ten uns da­mals nie vor­stel­len kön­nen, da­von le­ben zu kön­nen“, freu­en sie sich heu­te. Ide­en für die Zu­kunft ha­ben sie noch vie­le. „Das Back­stüb­chen ist die Spiel­wie­se, auf der wir uns krea­tiv aus­to­ben kön­nen.“

In­fo Das Buch „Ap­fel­kü­che“von Ma­de­lei­ne und Flo­ri­an Ank­ner ist im Dor­ling Kin­ders­ley Ver­lag er­schie­nen. Es hat 192 Sei­ten und kos­tet 22 Eu­ro.

 ?? Fo­to: Dia­na Zapf‰De­niz ?? Ap­fel­kü­che heißt das Buch von Flo­ri­an und Ma­de­lei­ne Ank­ner, das jetzt neu er­schie­nen ist. Die bei­den be­trei­ben ei­nen er­folg­rei‰ chen Food‰ und Back­blog.
Fo­to: Dia­na Zapf‰De­niz Ap­fel­kü­che heißt das Buch von Flo­ri­an und Ma­de­lei­ne Ank­ner, das jetzt neu er­schie­nen ist. Die bei­den be­trei­ben ei­nen er­folg­rei‰ chen Food‰ und Back­blog.

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