Augsburger Allgemeine (Land West)

Hel­ga Götz brach­te 50 Jah­re lang die neu­es­ten Nach­rich­ten

Treue Sie stell­te in Ober­hau­sen die Augs­bur­ger All­ge­mei­ne zu. Im Ru­he­stand ge­nießt die 82-Jäh­ri­ge nun vor al­lem ei­nes

- VON KA­TRIN LÖ­WEN

Hel­ga Götz hat ein hal­bes Jahr­hun­dert lang zu­ver­läs­sig „ih­re“Augs­bur­ger All­ge­mei­ne, wie sie sagt, in Brief­käs­ten ver­teilt. Wie sie da­zu ge­kom­men ist? „Wie man halt an so et­was kommt“, sagt die in­zwi­schen 82-jäh­ri­ge Rent­ne­rin la­pi­dar. Durch Ge­sprä­che mit an­de­ren Leu­ten ha­be sie von der Stel­le er­fah­ren und sich dar­auf be­wor­ben. Et­was an­de­res zu ma­chen, sei ihr nie in den Sinn ge­kom­men. „Es war ei­ne ein­wand­freie Ar­beit.“

Ur­sprüng­lich kommt Hel­ga Götz aus Do­nau­wörth, doch es zog sie ir­gend­wann zu ih­rer ein­zi­gen Schwes­ter nach Augs­burg. Nach de­ren Tod sei sie ge­blie­ben, denn sie ha­be in der Fug­ger­stadt nun mehr Kon­tak­te ge­habt als in der al­ten Hei­mat. Auf die Fra­ge, was ihr an Augs­burg be­son­ders ge­fal­le, zuckt sie nur mit den Schul­tern.

Die re­so­lut wir­ken­de Frau hat vier Kin­der. Nach dem Tod ih­rer

Schwes­ter nahm sie noch de­ren Kind zu sich. „Ei­gent­lich ha­be ich al­so fünf Kin­der.“An Ar­beit man­gel­te es Hel­ga Götz da­mit nicht.

Und trotz­dem stand sie je­de Nacht ge­gen halb zwei Uhr auf, um recht­zei­tig an der Ab­hol­sta­ti­on bei der Kir­che St. Pe­ter und Paul in Ober­hau­sen zu sein und die Zei­tun­gen zu ho­len. In Ober­hau­sen ver­teil­te sie täg­lich die Zei­tung. Ei­ne Zeit lang sei­en das an die 800 Haus­hal­te ge­we­sen, da sie zu­sätz­lich noch Wer­be­zei­tun­gen ver­teil­te. „Das hat sich zum Glück dann we­sent­lich ver­klei­nert“, be­rich­tet Hel­ga Götz. Wenn sie mit dem Aus­tra­gen fer­tig war, küm­mer­te sie sich um die Kin­der und den Haus­halt. „Mein Mann stand ja um die Zeit auf, da konn­te ich dann nicht ins Bett ge­hen“, er­klärt die Rent­ne­rin. Zu Be­ginn sei ihr das frü­he Auf­ste­hen schon et­was schwer­ge­fal­len, er­in­nert sie sich. „Doch ich ge­wöhn­te mich schnell dar­an.“

In den ers­ten Jah­ren trug Hel­ga

Götz die Zei­tun­gen zu Fuß aus, spä­ter nahm sie das Fahr­rad. Die in­zwi­schen zwei­fa­che Groß­mut­ter ge­noss es, bei Nacht un­ter­wegs zu sein. „Es war an­ge­nehm, al­lei­ne auf den Stra­ßen Augs­burgs zu sein. Angst hat­te ich nicht. Die Men­schen sind doch al­le freund­lich“, sagt sie. Sie schätz­te die Be­we­gung und die Rou­ti­ne. In all den Jah­ren sei nichts Au­ßer­ge­wöhn­li­ches pas­siert, aber ge­nau das ha­be sie ge­mocht. „Erst als es kör­per­lich nicht mehr ging, fuhr ich mit dem Au­to“, be­tont sie.

Sie wer­de die Ar­beit als Zu­stel­le­rin ver­mis­sen, sagt sie. Auf dem Wohn­zim­mer­tisch liegt an die­sem Tag die ak­tu­el­le Aus­ga­be der Augs­bur­ger All­ge­mei­nen. Oh­ne die wür­de nichts ge­hen, sagt die Se­nio­rin. Jetzt ge­nießt Götz es, dass ihr die Zei­tung täg­lich ge­bracht wird – und dass sie die Ru­he hat, sie zu le­sen.

 ?? Fo­to: Tan­ja Fer­ra­ri ?? Ein hal­bes Jahr­hun­dert hat Hel­ga Götz Zei­tun­gen aus­ge­tra­gen. Nun ver­ab­schie­det sie sich in den Ru­he­stand. Die Ar­beit wird sie ver­mis­sen.
Fo­to: Tan­ja Fer­ra­ri Ein hal­bes Jahr­hun­dert hat Hel­ga Götz Zei­tun­gen aus­ge­tra­gen. Nun ver­ab­schie­det sie sich in den Ru­he­stand. Die Ar­beit wird sie ver­mis­sen.

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