Augsburger Allgemeine (Land West)

Po­li­zei‰Streit: Ge­werk­schaft ver­liert vor Ge­richt

Är­ger Sie hat­te die Jus­tiz be­müht, um ei­ne Frau aus dem Per­so­nal­rat des Augs­bur­ger Prä­si­di­ums aus­zu­schlie­ßen. Auch die Staats­an­walt­schaft be­schäf­tig­te sich mit dem un­ge­wöhn­li­chen Fall

- VON JAN KANDZORA Crime · United States Senate · Munich · Dillingen · FC Bayern Munich · Bavaria · Bavaria · Auch

Es ist ein Streit in­ner­halb der Augs­bur­ger Po­li­zei, der seit Jah­ren ei­ne gan­ze Rei­he von Be­hör­den und Ge­rich­ten be­schäf­tigt. Ein mas­si­ver Kon­flikt vor al­lem zwi­schen zwei Mit­glie­dern des Per­so­nal­rats des Po­li­zei­prä­si­di­ums Schwa­ben Nord, wie die of­fi­zi­el­le Be­zeich­nung des Prä­si­di­ums lau­tet. Der baye­ri­sche Lan­des­ver­band der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft (DPolG) woll­te zu­letzt ge­richt­lich den Aus­schluss ei­ner Per­so­nal­rä­tin aus dem Gre­mi­um er­wir­ken, was ein ziem­lich un­ge­wöhn­li­cher Vor­gang ist. Es ging bei dem Kon­flikt um Mob­bing­vor­wür­fe in­ner­halb des Prä­si­di­ums; der Streit zog teils auch staats­an­walt­li­che Er­mitt­lun­gen nach sich. Nun en­det er mit ei­ner ju­ris­ti­schen Nie­der­la­ge für die Ge­werk­schaft.

Der 17. Se­nat des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­ho­fes in München hat ent­schie­den, dass das An­sin­nen des Lan­des­ver­ban­des ab­ge­lehnt wird, ei­ne Frau aus dem Per­so­nal­rat zu ent­fer­nen. Das Prä­si­di­um ist zu­stän­dig für die Re­gi­on Augs­burg so­wie die Land­krei­se Dil­lin­gen und Do­nau-Ries. Et­wa 1700 Po­li­zei­be­am­te ar­bei­ten für das Prä­si­di­um, da­zu et­wa 210 Ta­rif­be­schäf­tig­te. Der Per­so­nal­rat der Po­li­zei soll, ähn­lich wie ein Be­triebs­rat in ei­nem Wirt­schafts­un­ter­neh­men, die In­ter­es­sen der Be­schäf­tig­ten ver­tre­ten. Im Augs­bur­ger Po­li­zei­prä­si­di­um ge­hö­ren ihm 13 Mit­glie­der an, dar­un­ter Ver­tre­ter der DPolG, der in Bay­ern größ­ten Po­li­zei­ge­werk­schaft, so­wie der Ge­werk­schaft der Po­li­zei, kurz GdP, die deutsch­land­weit mit Ab­stand größ­te Ge­werk­schaft der Po­li­zei­be­schäf­tig­ten.

Ins­be­son­de­re zwei Mit­glie­der des Per­so­nal­rats kön­nen sich of­fen­bar nicht be­son­ders gut lei­den: ein Mann, der Mit­glied der DpolG ist, so­wie ei­ne Frau, die Mit­glied in der GdP ist. 2017 hat die Frau Vor­wür­fe er­ho­ben, sie be­haup­te­te, sie wer­de von dem Mann ge­mobbt. Auch die Staats­an­walt­schaft über­prüf­te die Vor­wür­fe, sah aber schnell von der Ein­lei­tung ei­nes Er­mitt­lungs­ver­fah­rens ab, straf­ba­re Hand­lun­gen er­kann­te die Be­hör­de nicht. Ei­ne in­ter­ne Über­prü­fung im Po­li­zei­prä­si­di­um er­gab of­fen­bar eben­falls kei­ne Be­le­ge für ein kon­kre­tes Mob­bing­ver­hal­ten.

Weil die Frau auch da­nach nicht von Vor­wür­fen ab­ge­las­sen ha­ben soll, zog der Lan­des­ver­band der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft im Jahr 2019 vor Ge­richt, um den Aus­schluss der Frau aus dem Per­so­nal­rat zu er­wir­ken. Das Ver­wal­tungs­ge­richt München folg­te die­sem An­lie­gen. Die Frau, so heißt es in dem Be­schluss, der un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, ha­be un­ter an­de­rem ge­for­dert, dass der an­de­re Per­so­nal­rat ein „Haus­ver­bot für al­le Di­enst­stel­len er­hal­ten sol­le“, und auch nach der Ent­schei­dung der Staats­an­walt­schaft an der For­mu­lie­rung fest­ge­hal­ten, dass sie ge­mobbt wer­de. Sie hät­te sich aber, so das Ge­richt, spä­tes­tens nach der Ent­schei­dung der Staats­an­walt­schaft ei­ner „ge­mä­ßig­te­ren Wort­wahl“be­die­nen müs­sen. Das Ge­richt er­kann­te ei­ne „gro­be Pflicht­ver­let­zung“.

Nach­dem die Frau über ih­ren An­walt Alex­an­der Ner­lin­ger

Rechts­mit­tel ge­gen die­sen Be­schluss des Ver­wal­tungs­ge­richts ein­ge­legt hat­te, be­schäf­tig­te sich nun die hö­he­re In­stanz mit dem Fall, der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in München. Er kam zu ei­nem gänz­lich an­de­ren Schluss: Den An­trag auf Aus­schluss der Per­so­nal­rä­tin hat der Se­nat ab­ge­lehnt, wie das Ge­richt auf An­fra­ge mit­teilt. Der Se­nat ha­be kei­nen Aus­schluss­grund ge­se­hen, kei­ne gro­be Pflicht­ver­let­zung. Zum ei­nen sei­en die Aus­sa­gen der Frau von der Mei­nungs­frei­heit ge­deckt, zum an­de­ren ha­be sie den Di­enst­weg ein­ge­hal­ten. Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig, wei­te­re Rechts­mit­tel gibt es nicht.

Das Augs­bur­ger Amts­ge­richt kam zu­letzt zu ei­nem ähn­li­chen Schluss. Die Staats­an­walt­schaft Augs­burg hat­te beim Ge­richt den Er­lass ei­nes Straf­be­fehls ge­gen die Per­so­nal­rä­tin be­an­tragt, of­fen­bar we­gen Ver­leum­dungs­vor­wür­fen. Doch das Ge­richt sah kei­ne Ver­leum­dung, es lehn­te den Er­lass ab.

Von der Po­li­zei hat­te es zu­letzt ge­hei­ßen, es ge­he beim Kon­flikt „um ge­gen­sei­ti­ge Vor­wür­fe über au­ßer­dienst­li­ches und dienst­li­ches Ver­hal­ten“. Der Kon­flikt ha­be sich aber in kei­ner Wei­se auf die gu­te und ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Prä­si­di­um und Per­so­nal­rat aus­ge­wirkt.

 ?? Fo­to: Ralf Lie­nert (Sym­bol) ?? In­ner­halb des Per­so­nal­rats des Augs­bur­ger Po­li­zei­prä­si­di­ums gärt es. Die Deut­sche Po­li­zei­ge­werk­schaft woll­te er­wir­ken, dass ei­ne Frau aus dem Gre­mi­um aus­ge­schlos­sen wird. Und schei­ter­te da­mit nun.
Fo­to: Ralf Lie­nert (Sym­bol) In­ner­halb des Per­so­nal­rats des Augs­bur­ger Po­li­zei­prä­si­di­ums gärt es. Die Deut­sche Po­li­zei­ge­werk­schaft woll­te er­wir­ken, dass ei­ne Frau aus dem Gre­mi­um aus­ge­schlos­sen wird. Und schei­ter­te da­mit nun.

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