#03 Nai­ro­bi – "Chan­ge mo­ney, good ra­te“

Auszeit - - INHALT -

Die In­nen­stadt von Nai­ro­bi er­kun­de­te ich meist nach Bü­ro­schluss oder an den Wo­che­n­en­den. Bei ei­nem mei­ner Streif­zü­ge be­kam ich schon bald die ers­te Lek­ti­on ke­nia­ni­schen Stra­ßen­all­tags er­teilt. Ei­nes Sams­tag­mit­tags, die Ban­ken hat­ten ge­schlos­sen, brauch­te ich drin­gend ke­nia­ni­sches Geld. Schein­bar zu of­fen­sicht­lich, denn ich wur­de schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten von ei­nem un­be­kann­ten Frem­den an­ge­bag­gert: "Chan­ge mo­ney, good ra­te. How much?“Ehe ich ant­wor­ten konn­te, wur­de mir mein Hun­der­ter samt Ku­vert aus der Hand ge­ris­sen. Ich rann­te dem Dieb im Af­fen­tem­po hin­ter­her, bis er in ei­ner Bä­cke­rei ver­schwand. Am Tre­sen ver­lang­te ich laut­hals mein Geld. Der Dieb kam hin­ter der The­ke her­vor, gab mir mein Ku­vert zu­rück und rann­te aus der Tür. Kurz Zu­ver­sicht schöp­fend, öff­ne­te ich den Um­schlag. Dar­in steck­te die Ti­tel­sei­te der Ta­ges­zei­tung "The Na­ti­on“. Das her­um­ste­hen­de Bä­cke­rei­per­so­nal zuck­te ah­nungs­los mit den Schul­tern. Der Boss war "out of town“. Ein teu­rer, aber er­folg­rei­cher Warn­schuss vor jeg­li­cher Art von Leicht­sinn.

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