tel aviv

In Tel Aviv tref­fen ver­schie­de­ne Kul­tu­ren, Re­li­gio­nen und ku­li­na­ri­sche Trends auf­ein­an­der. Ha­ya Mol­cho hat sich mit ih­ren Söh­nen ins Herz ih­rer Hei­mat­stadt be­ge­ben und da­bei in so man­chen Koch­topf ge­späht.

Auszeit - - FUND-SACHEN -

Die Stim­mung ei­ner je­den Stadt ent­steht durch die Er­in­ne­run­gen und Träu­me der Men­schen, die in ihr le­ben, durch ih­re Hoff­nun­gen, Sor­gen, Er­fol­ge und Chan­cen, eben­so wie durch Klän­ge und Düf­te – das gilt ganz be­son­ders für Tel

Aviv. Schon im Na­men fin­det sich viel Poe­sie: „Tel“er­in­nert an al­te Hü­gel, an Über­res­te von Jahr­tau­sen­den, „Aviv“steht für Früh­ling und Neu­an­fang. An kaum ei­nem Ort ist das Mo­sa­ik, aus dem sich das Stadt­bild zu­sam­men­setzt, so viel­fäl­tig und vol­ler Kon­tras­te wie hier. In Tel Aviv trifft sich die Welt, hier ver­ei­nen sich Kul­tu­ren, Tra­di­tio­nen und neue Im­pul­se.

Auf Ent­de­ckungs­tour

Wir ha­ben uns für die­ses Buch ge­mein­sam auf ei­ne Ent­de­ckungs­tour durch Tel Aviv ge­macht; wir lie­ben das Zu­sam­men­spiel von re­gio­na­len ku­li­na­ri­schen Wur­zeln und neu­en Ide­en, die wir hier ganz be­son­ders spü­ren. Auf den Märk­ten Tel Avivs herrscht lau­tes Trei­ben, je­me­ni­ti­sche, tür­ki­sche und ira­ki­sche An­ge­bo­te exis­tie­ren ne­ben­ein­an­der, in den Re­stau­rants wird die Mi­schung der ku­li­na­ri­schen Ein­flüs­se aus der gan­zen Welt auf den Tisch ge­bracht. Street­food ist all­ge­gen­wär­tig und ver­eint Men­schen durch die ein­la­den­de Ges­te, Es­sen in die Hand ge­reicht zu be­kom­men. In die­ser le­ben­di­gen Ge­mein­schaft ha­ben wir Ge­sprächs­part­ner ge­fun­den, die mit uns of­fen über ihr Le­ben ge­spro­chen ha­ben. Zwei Wo­chen lang ha­ben wir im Rhyth­mus der Stadt ge­lebt. Al­le Ge­rich­te wur­den hier ge­kocht, die Zu­ta­ten auf den Märk­ten frisch ein­ge­kauft, un­se­re In­ter­view­part­ner an den Or­ten, an de­nen sie le­ben und ar­bei­ten, ge­trof­fen. Wir durf­ten ei­nen ara­bi­schen Fi­scher der ach­ten Ge­ne­ra­ti­on, der mit sei­nem jun­gen jü­di­schen Kol­le­gen die bes­ten Re­stau­rants der Stadt be­lie­fert, auf sei­nem Traw­ler be­su­chen. Wir wa­ren mit ei­nem blog­gen­den Ta­xi­fah­rer un­ter­wegs. Wir wur­den in ei­ner tra-

di­tio­nel­len Bä­cke­rei von us­be­ki­schen Ein­wan­de­rern ge­nau­so will­kom­men ge­hei­ßen wie in ei­ner stil­vol­len Pa­tis­se­rie, die eben­so auch in Paris zu fin­den sein könn­te. In all dem fan­den wir et­was von der Ei­gen­heit die­ser wun­der­ba­ren Stadt und ha­ben his­to­ri­sche und so­zio­lo­gi­sche Ein­bli­cke in die ku­li­na­ri­schen Tra­di­tio­nen und neu­en Trends er­hal­ten.

Fa­mi­li­en­sa­che

Tel Aviv ist auch die Stadt, in der Ha­ya ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen ist. Aus ih­ren ers­ten Kind­heits­jah­ren er­in­nert sie sich be­son­ders an die far­ben­fro­hen Stra­ßen­stän­de, auf de­nen sich Sa­b­res, Kak­tus­früch­te, auf ei­nem Bett von Eis­blö­cken als sü­ße Er­fri­schung türm­ten. Oder an Ti­ras, Mais­kol­ben, die über of­fe­nem Feu­er am Strand ge­grillt wur­den. Es gibt vie­le Ähn­lich­kei­ten zwi­schen NENI und den Men­schen aus Tel Aviv, die wir be­schrei­ben. Wir sind spon­tan, ri­si­ko­freund­lich, nei­gen zur Im­pro­vi­sa­ti­on und ver­wer­ten stän­dig neue Er­fah­run­gen. Das NENI ist ein Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men: die An­fangs­buch­sta­ben der Vor­na­men al­ler vier Söh­ne Ha­yas – Nu­ri­el, Eli­or, Na­div, Ilan – bil­den das Wort NENI. Mit dem NENI kam ei­ne be­son­de­re und un­ver­wech­sel­ba­re ku­li­na­ri­sche No­te nach Wi­en, ei­ne un­be­küm­mer­te Mi­schung aus me­di­ter­ra­ner und le­van­ti­ni­scher Ess­kul­tur. Wir al­le steu­ern un­se­re Ta­len­te zum Un­ter­neh­men bei und sind im stän­di­gen Aus­tausch mit­ein­an­der.

Mit­ten­drin

Wäh­rend un­se­rer Zeit in Tel Aviv be­such­ten wir Re­stau­rants und die Men­schen da­hin­ter. Da­bei wa­ren Lei­den­schaft und Krea­ti­vi­tät un­se­re Aus­wahl­kri­te­ri­en. Wir por­trai­tie­ren „klas­si­sche“Re­stau­rants, stel­len aber auch ei­nen wei­te­ren, im­mer grö­ßer wer­den­den Trend in die­ser Stadt vor: Re­stau­rants und Ar­beits­plät­ze, die den tra­di­tio­nel­len De­fi­ni­tio­nen trot­zen. Pop-ups, ge­grün­det von jun­gen Men­schen, die kein Geld für die Re­no­vie­rung und Auf­recht­er­hal­tung ei­nes gro­ßen Gast­rau­mes ha­ben, viel­leicht auch nicht be­reit sind, ihr Privat- und Fa­mi­li­en­le­ben den har­ten Ge­set­zen der Gas­tro­no­mie zu op­fern. Statt­des­sen er­öff­nen sie Re­stau­rants auf Zeit, in der ei­ge­nen Woh­nung, als Be­stand- teil ei­ner Kul­tur­ver­an­stal­tung oder als Ge­mein­schafts­pro­jekt mit an­de­ren Kö­chen und Kö­chin­nen. Manch­mal ent­wi­ckelt sich dar­aus mehr und das Re­stau­rant bleibt dau­er­haft an ei­nem Ort, manch­mal zie­hen die Prot­ago­nis­ten wei­ter zum nächs­ten Pro­jekt. Al­len ge­mein­sam ist je­doch die Hin­ga­be und Lei­den­schaft für das, was sie tun. <

„IN TEL AVIV TRIFFT SICH DIE WELT, HIER VER­EI­NEN SICH KUL­TU­REN, TRA­DI­TIO­NEN UND NEUE IM­PUL­SE.“

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