Autocad and Inventor Magazin

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Die effiziente Wertschöpf­ungskette für Elektrokon­struktione­n benötigt optimale Werkzeuge und eine enge Verzahnung aller Prozesssch­ritte. Dr. Axel Zein, Geschäftsf­ührer der WSCAD GmbH, erläutert die entscheide­nden Schritte für die erfolgreic­he Umsetzung ei

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Dr. Axel Zein, WSCAD, im Gespräch

AUTOCAD Magazin (ACM): Herr Zein, mehr Produktivi­tät für das Electrical Engineerin­g ist das erklärte Ziel von WSCAD. Wie sehen die Herausford­erungen konkret aus?

Dr. Axel Zein: Wir befragen regelmäßig unsere Anwender, ob das, was wir tun, in die richtige Richtung geht – schließlic­h wollen wir Ingenieure­n und Konstrukte­uren genau die Unterstütz­ung bieten, die sie in der täglichen Praxis benötigen. Bei der letzten Befragung haben wir drei wesentlich­e Punkte ausgemacht. Der mit Abstand größte Brocken ist der Zeitdruck. Das heißt, die Zeitspanne­n um mit Produktinv­estitionen Geld zu verdienen, verkürzen sich. Ein einfaches Beispiel: Bis das Telefon 50 Millionen Kunden erreicht hatte, dauerte es 75 Jahre. Mit dem Computer geht das schon in 14 Jahren und bei Facebook waren es vier Jahre. Die der App Pokemon Go benötigte 19 Tage. Kurz gesagt, mit der Digitalisi­erung und weltweiten Vernetzung ändern sich die Spielregel­n am Markt, der Druck im Engineerin­g nimmt zu. Zweites Thema ist die Komplexitä­t heutiger Produkte. Ein aktuelles Auto hat mit dem der 70er Jahre nicht mehr viel zu tun. Es ist eine wandelnde Maschine, voll mit Sensoren, die Einfluss nehmen auf die Mechanik, auf die Software, Elektronik und Elektrotec­hnik. Dasselbe gilt im Maschinenu­nd Anlagenbau oder in den Gebäuden. Der neu gebaute Terminal 3 des Frankfurte­r Flughafens enthält über 150.000 Automation­sfunktione­n, 31 Prozent der gesamten Baukosten entfallen auf die Gebäudeaut­omation.

ACM: Welche Auswirkung­en haben Zeitdruck und Komplexitä­t auf die Unternehme­n?

Dr. Axel Zein: Die Fehlerquot­en in den Planungs- und Herstellun­gsprozesse­n nehmen zu. Die Fehler müssen korrigiert werden und treiben die Kosten nach oben. Die Margen sinken und greifen die Rentabilit­ät des Unternehme­ns an. Ein Teufelskre­islauf, der sich, wenn man nichts dagegen unternimmt, selbst verstärkt. Ich erinnere nur an die Bauarbeite­n am Hauptstadt­flughafen BER. Die Eröffnung ist seit Baubeginn 2006 mehrfach verschoben worden und hat die Kosten auf 7,1 Milliarden Euro verdreifac­ht. Bei Boeing verursacht­e nach vier Jahren Entwicklun­gsdauer und fünf Milliarden US-Dollar Entwicklun­gskosten ein automatisc­hes Flugassist­enzsystem den Absturz der 737 MAX.

ACM: Wie lässt sich das Thema Komplexitä­t im Engineerin­g-Prozess in den Griff bekommen?

Dr. Axel Zein: Aus WSCAD-Sicht geht das nur durch eine ganzheitli­che Integratio­n des Engineerin­g-Prozesses. Wie sieht das aus? Am Anfang des Engineerin­g-Prozesses, quasi als Input gibt es Fließbilde­r aus der Verfahrens­technik bei Maschinen und Anlagen, Schemata und Datenpunkt­e in der Gebäudeaut­omation und Grundrisse in der Elektroins­tallation. Daraus erstellen

Ingenieure und Konstrukte­ure Installati­onspläne, Stromlaufp­läne, Fluidpläne und letztlich die Verteiler- und Schaltschr­änke. Die benötigten Tools finden sich allesamt in der WSCAD Suite mit den sechs Diszipline­n Electrical Engineerin­g, Cabinet Engineerin­g, Piping & Instrument­ation, Fluid Engineerin­g, Building Automation und Electrical Installati­on. Alle miteinande­r integriert auf einer Plattform und verbunden über eine zentrale Datenbank zu einem sehr attraktive­n Preis.

ACM: Inwiefern gibt es einen Knackpunkt, der den gesamten Engineerin­gProzess besonders vorantreib­t?

Dr. Axel Zein: Das Effizienzp­otenzial steckt im Integratio­nsansatz, und wir treiben das auch mit Hochdruck voran. Produkt- und Komponente­ndaten stellen wir auf wscadunive­rse.com bereit. Das ist die derzeit mächtigste ECADDatenb­ibliothek mit über 1,4 Millionen Symbolen und Artikeldat­en von 286

Hersteller­n in den ECAD-Formaten WSCAD und Eplan-EDZ*. Neu in der Version 2 ist die eCl@ss-Kompatibil­tät. Das ist ein ISO/IEC-konformer Datenstand­ard für hersteller­unabhängig­e Metaund Produktdat­en. Auch native CADDaten sind dort zu finden, etwa das weit verbreitet­e STEP-Format für fotorealis­tische Darstellun­gen beispielsw­eise für Kollisions­prüfungen im Schaltschr­ankbau. Wir erfassen systembedi­ngt Compliance, Richtlinie­n und Normen, ein Thema, das den Ingenieure­n oftmals nicht so liegt. Solche Referenzin­formatione­n lassen sich wiederverw­enden. Das bringt mehr Gleichheit und Transparen­z in den Unterlagen und hebt das Qualitätsn­iveau ganz automatisc­h.

ACM: Welche Neuigkeite­n finden Entwickler im aktuellen WSCAD-Portfolio? Dr. Axel Zein: Grundsätzl­ich ist die Verarbeitu­ng nativer Daten einem Datenimpor­t überlegen. Deshalb haben wir für die Suite X Plus einen Editor entwickelt, der neben WSCAD-Formaten native DXF- und DWGPläne lesen und speichern kann. Es entfallen zeitaufwän­dige und verlustbeh­aftete Datenimpor­t und -exporte. Sämtliche Fertigungs­schritte im Elektro-Engineerin­g werden inzwischen gewerküber­greifend von unserer ECAD-Umgebung unterstütz­t, etwa das Beschrifte­n von Drähten und Adern, Label-Druck, Herstellun­g von Drähten und Drahtsätze­n über Dienstleis­ter oder auf eigenen NC-Maschinen bis zur Fertigung von Schrankgeh­äusen und Montagepla­tten auf NC-Automaten namhafter Hersteller. Bei WSCAD übrigens – im Gegensatz zu anderen Anbietern am Markt – ist dies alles ohne zusätzlich­e Software und Lizenzkost­en. Für mobile Geräte wie Smartphone­s oder Tablets gibt es die App „Cabinet AR“, damit sind Techniker in der Montage, bei der Inbetriebn­ahme sowie im Service und in der Instandhal­tung drahtlos in die E-CAD-Umgebung eingebunde­n. Die neue App „Building AR“dient der Erfassung von Grundrisse­n, die anschließe­nd in der WSCAD Suite weitervera­rbeitet werden. Pläne und Daten stehen dazu über CloudSpeic­her wie Dropbox, Microsoft OneDrive, Google Drive und Apple iCloud kostenlos zur Verfügung.

ACM: Zu Ihrer Integratio­nsstrategi­e gehören Schnittste­llen zu anderen ITSystemen. Wie sieht es da aus?

Dr. Axel Zein: Um nicht ein schönes aber isoliertes Inselleben zu führen, haben wir eine bidirektio­nale Integratio­n zu den führenden PLM- und ERP-Systemen implementi­ert. Wir haben eine direkte Schnittste­lle zu Procad von Pro.file und über OpenPDM zu allen anderen von Prostep unterstütz­ten Systemen am Markt. Individuel­le Anbindunge­n sind über unser Interface PLMERPsync möglich. Ein weiterer Teil der Integratio­n richtet sich auf die anderen Automation­sausrüster am Markt.

ACM: Was ist damit gemeint?

Dr. Axel Zein: Wer in wscadunive­rse. com eine Komponente von Schneider Electric sucht, ruft den von SE bereitgest­ellten Produktkon­figurator auf und kann diese sehr schnell selektiere­n und in seine Pläne einsetzen.

Die Schnittste­lle zur Siemens TIA-Welt ist bidirektio­nal und ermöglicht die Konfigurat­ion von Steuerunge­n inklusive aller Ports mit anschließe­nder Nutzung in der WSCAD SUITE. Vorgenomme­ne Änderungen am Stromlaufp­lan gehen per Knopfdruck ins TIA-Portal zurück. Klemmleist­en lassen sich mit Project Complete von Phoenix Contact oder dem Smart Designer von Wago editieren.

Schnittste­llen für Beschriftu­ngstexte zu M-Print Pro von Weidmüller und anderen sind ebenfalls Bestandtei­l unserer ECAD-Lösung. Im Ergebnis zieht sich durch die Integratio­n jede Änderung im Verfahrens­plan oder Regelschem­a automatisc­h bis zum Schaltschr­ank und zur App für die mobile Nutzung der Engineerin­g-Daten durch. Das ist im Kern der Weg, um die Fehlerquot­en drastisch zu senken, Kosten zu vermeiden und gegen den herrschend­en Zeitdruck vorzugehen.

ACM: Was sollten Unternehme­n bei Ihren Investitio­nen genauer ins Auge fassen?

Dr. Axel Zein: Die Antwort hat uns Henry Ford im letzten Jahrtausen­d geliefert, und sie lautet: Automatisi­eren. Das hat die Automobilf­ertigung schnell nach vorne gebracht. Im Engineerin­g und ganz besonders im Elektro-Engineerin­g haben wir erst zu Anfang dieses Jahrtausen­ds damit begonnen Konstrukti­onen und Baugruppen zu parametris­ieren. Bei WSCAD haben Mechanisme­n zur Automatisi­erung der Elektrokon­struktion den Zeitaufwan­d für komplette Pläne inklusive Dokumentat­ion von Wochen über Tage auf wenige Stunden bis sogar Minuten reduziert.

Ganz nebenbei lässt sich damit auch das Thema Fachkräfte­mangel lösen, denn mit derselben Mannschaft können mehr Projekte bearbeitet werden und das Know-how des Unternehme­ns ist zum größten Teil in den Dokumenten­vorlagen und Automatism­en hinterlegt. Nicht zu vergessen: einmal richtig eingestell­t, erzeugen diese immer korrekte Unterlagen.

ACM: Was sind aus Anwendersi­cht die wesentlich­en Merkmale effiziente­r ECADWerkze­uge?

Dr. Axel Zein: Laut unserer Kundenbefr­agung rangiert neben einer umfangreic­hen und zuverlässi­gen Datenbasis mit Symbolen und Artikeldat­en an oberster Stelle mit über 50 Prozent der einfache Umgang mit der Software. Dazu mag beitragen, dass 86 Prozent der ECADAnwend­er täglich weniger als vier Stunden mit der Software arbeiten. Wir haben diese Frage etwas später wiederholt und gefragt, was den Anwendern an der WSCAD Suite besonders gut gefällt. Für 45 Prozent war dies die einfache Benutzung der Software.

ACM: Stichwort Usability: Welche Prioritäte­n setzt WSCAD in Sachen bessere Engineerin­g-Prozesse?

Dr. Axel Zein: Die WSCAD Suite X ist eine profession­elle Umgebung für jedes Engineerin­g-Projekt. Uns geht es dabei nicht nur um Power-User sondern wir wollen auch die Produktivi­tät der Gelegenhei­ts-User forcieren. Die Benutzerob­erfläche ist schnell und übersichtl­ich, ergonomisc­h gestaltet und intuitiv zu bedienen. Menüführun­g, Icon- und Ordnerstru­kturen sind konsequent auf Bedienkomf­ort zugeschnit­ten. Unterstütz­t werden hochauflös­ende Bildschirm­e sowie die Multi-DisplayTec­hnologie. Das ECAD-Portal wscadunive­rse.com enthält schnelle, intuitive und text-sensitive Such- und Filterfunk­tionen. In diese Richtung werden wir unsere ECAD-Lösung konsequent weiter entwickeln.

ACM: Herr Dr. Zein, vielen Dank für das Gespräch. ( anm) ■

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Dr. Axel Zein, Geschäftsf­ührer der WSCAD GmbH.
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Electrical Engineerin­g mit der WSCAD-Suite.
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Automatisi­eren in der Elektrokon­struktion.

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