Prä­zi­ser Start als Wett­be­werbs­vor­teil

Autocad and Inventor Magazin - - Inhalt - Von Diethart Struck

Con­fi­gu­re Pri­ce Quo­te in der Mon­ta­ge­tech­nik

Die VAF aus Bopfingen hat ih­re Pro­jek­tie­rungs­pro­zes­se und An­ge­bots­er­stel­lung deut­lich be­schleu­nigt und op­ti­miert. Da­für hat der mit­tel­stän­di­sche Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau­er ei­ne Stan­dard­an­ge­bots­soft­ware ein­ge­führt, die auch die an­spruchs­vol­len An­for­de­run­gen ab­deckt. Vor­her ver­wen­de­te zen­tra­le Of­fice-Pro­gram­me sind heu­te über­flüs­sig.

Die VAF Gm­bH ist spe­zia­li­siert auf die Ent­wick­lung und Her­stel­lung von Mon­ta­ge­li­ni­en für sämt­li­che Kom­po­nen­ten des Fahr­zeug­an­triebs wie Mo­tor, Ge­trie­be und Fahr­werks­kom­po­nen­ten so­wie für den Be­reich der E-Mo­bi­li­tät. Ge­mein­sam mit gro­ßen Au­to­mo­bil­her­stel­lern ent­wi­ckelt VAF schlüs­sel­fer­ti­ge Au­to­ma­ti­sie­rungs­lö­sun­gen. Um die Bran­chen­an­for­de­run­gen in den An­fra­ge­pha­sen der Pro­jek­te be­die­nen zu kön­nen, ha­ben schnel­le Re­ak­ti­ons­zei­ten und de­tail­lier­te tech­ni­sche Kon­zep­te enor­me Be­deu­tung. Hier­bei gilt es ins­be­son­de­re in der Her­stel­lung von Son­der­lö­sun­gen, den Spa­gat zwi­schen kos­ten­güns­ti­gem Stan­dard und den in­di­vi­du­el­len Werks­an­for­de­run­gen des Kun­den zu schaf­fen.

Pro­jek­tie­rung in der Mon­ta­ge­tech­nik

Im Be­reich Mon­ta­ge­tech­nik stel­len sich bei der Pro­jek­tie­rung und An­ge­bots­er­stel­lung von maß­ge­schnei­der­ten Lö­sun­gen sehr ho­he An­for­de­run­gen im ge­sam­ten An­ge­bots­pro­zess, nicht nur bei der Kon­zep­ti­on ei­ner Lö­sung. Die­se An­for­de­run­gen ge­hen über das Nor­ma­le im Be­reich der so­ge­nann­ten CPQ-Lö­sun­gen (Con­fi­gu­re Pri­ce Quo­te) weit hin­aus. Zum ei­nen er­folgt die An­la­gen­pro­jek­tie­rung par­al­lel zur Ent­wick­lung des zu mon­tie­ren­den Pro­dukts, zum an­de­ren er­streckt sich der Weg vom Erst­ge­spräch bis zu ei­nem fi­na­len An­ge­bot bzw. zum ver­han­del­ten Auf­trag oft über vie­le Mo­na­te mit ei­ni­gen Über­ar­bei­tungs­schlei­fen bei En­gi­nee­ring und Kal­ku­la­ti­on. In vie­len Fäl­len rich­ten sich die­se An­ge­bo­te an Au­to­mo­bil­her­stel­ler oder de­ren Zu­lie­fe­rer. Um in die­sem Wett­be­werb zu be­ste­hen, ist Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al ste­tig zu he­ben. Das be­trifft ge­ra­de die Ab­läu­fe in der Pro­jek­tie­rung und Kal­ku­la­ti­on.

Schnell und fle­xi­bel ve­rän­dern

Zeit­druck ist im Son­der­ma­schi­nen- und An­la­gen­bau nor­mal. Die An­for­de­run­gen wech­seln stän­dig, weil der In­ter­es­sent sei­ne

Mon­ta­ge­an­la­ge par­al­lel zum Pro­dukt ent­wi­ckelt, zum Bei­spiel ei­nen Mo­tor. Si­cher ist vor al­lem, dass es Än­de­run­gen ge­ben wird, teils über meh­re­re Jah­re hin­weg. Für die Pro­jek­teu­re und Kal­ku­la­to­ren be­deu­tet dies, dass sie Un­ter­stüt­zung bei der Re­vi­sio­nie­rung der tech­ni­schen Lö­sun­gen, der Kal­ku­la­ti­ons­da­ten und der zu­ge­hö­ri­gen Text­do­ku­men­te im An­ge­bots­sys­tem be­nö­ti­gen. Da­zu muss das CPQ-Sys­tem zu­ver­läs­sig ab­bil­den, wer et­was zu wel­chem Zeit­punkt ver­än­dert hat.

En­gen Spiel­raum aus­nut­zen

Viel Fle­xi­bi­li­tät ist in der Pro­jek­tie­rungs­pha­se er­for­der­lich, denn die Markt­macht des po­ten­zi­el­len Auf­trag­ge­bers ist ge­gen­über den Son­der­ma­schi­nen- und An­la­gen­bau­ern groß.

Ein Au­to­mo­bil­her­stel­ler will sei­ne Werks­nor­men und Stan­dards um­ge­setzt se­hen. Da­her sind die fach­li­chen Mög­lich­kei­ten, Mon­ta­ge­lö­sun­gen mit de­ren An­la­gen­be­rei­chen und Teil­sys­te­men per Pro­dukt­kon­fi­gu­ra­tor­lo­gik zu er­zeu­gen, be­grenz­ter als in an­de­ren Be­rei­chen des Ma­schi­nen-baus. Den­noch kön­nen Pro­dukt­kon­fi­gu­ra­to­ren für be­stimm­te Teil­sys­te­me zum Ein­satz kom­men, et­wa für ei­nen Hand­lings­ro­bo­ter als Be­stand­teil ei­ner Mon­ta­ge­stra­ße.

Prä­zi­se An­for­de­run­gen

Die Soft­ware zur An­ge­bots­er­stel­lung lie­fer­te der Soft­ware­her­stel­ler EAS En­gi­nee­ring Au­to­ma­ti­on Sys­tems Gm­bH. Im Erst­ge­spräch zwi­schen den Pro­jekt­teams wur­den die An­for­de­run­gen de­fi­niert. Vie­le da­von wa­ren be­reits in der CPQ-Soft­ware Lee­goo Buil­der en­gi­nee­ring edi­ti­on G3 rea­li­siert. An­de­re

flos­sen als Er­wei­te­run­gen in die Stan­dard­soft­ware ein.

Ähn­lich­keits­tech­nik

Die nach­fol­gend auf­ge­zeig­ten Prin­zi­pi­en be­schrei­ben mög­li­che Ar­beits­wei­sen, die sich je nach An­wen­dungs­fall kom­bi­nie­ren las­sen. So macht es die Ähn­lich­keits­tech­nik mög­lich, mit Co­py & Pas­te auf be­reits pro­jek­tier­te Lö­sun­gen zu­rück­zu­grei­fen. Bei An­wen­dung von Of­fice-Pro­gram­men ist das die gän­gi­ge Ar­beits­wei­se. Die­se Tech­nik ist wei­ter wich­tig, soll­te aber mög­lichst we­nig ver­wen­det wer­den. Die An­for­de­rung an ein un­ter­stüt­zen­des Pro­jek­tie­rungs- und An­ge­bots­sys­tem ist es, um­fas­sen­de Op­tio­nen zum Fin­den, Be­ur­tei­len und Wie­der­ver­wen­den von be­ste­hen­den Lö­sun­gen zu er­mög­li­chen. Aber: Wer­den vor­han­de­ne, al­te Lö­sun­gen ver­wen­det, über­nimmt man schnell In­di­vi­dua­lis­men und Feh­ler der Vor­gän­ger­lö­sung. Auch kon­struk­ti­ve Ver­bes­se­run­gen sind in der Aus­gangs­lö­sung oft noch nicht er­hal­ten. Es gibt gu­te Grün­de Co­py & Pas­te nur an­zu­wen­den, wenn es kei­ne an­de­ren Mög­lich­kei­ten gibt. Der meist bes­se­re Weg ist der Auf­bau von Mus­ter- oder Ma­xi­mal­lö­sun­gen.

Vor­de­fi­nier­te Muster­lö­sun­gen

Ei­ne ef­fi­zi­en­te­re Pro­jek­tie­rung ver­spricht der Ein­satz von Tem­pla­tes als vor­kon­fi­gu­rier­te Muster­lö­sun­gen, die als Ko­pier­vor­la­gen für ein Pro­jekt aus­ge­wählt und ver­wen­det wer­den. Der­ar­ti­ge Lö­sun­gen kön­nen kon­kre­te Equip­ment-Ty­pen be­tref­fen, et­wa ei­ne Mon­ta­ge­sta­ti­on mit Pick & Place-Ro­bo­ter. Sie kön­nen aber auch als Ma­xi­mal­lö­sung mit al­ter­na­ti­ven Kom­po­nen­ten auf­ge­baut wer­den, in der nicht be­nö­tig­te Kom­po­nen­ten nach der Über­nah­me ge­stri­chen wer­den. Das re­du­ziert die Ge­fahr, et­was zu ver­ges­sen. Zu den Kom­po­nen­ten die­ser Muster­lö­sun­gen wer­den Men­gen­ge­rüst­da­ten wie Ge­wich­te, Kos­ten, St­un­den usw. hin­ter­legt. Das ist stamm­sei­tig aber für ei­ne Funk­ti­ons­bau­grup­pe fach­lich nicht mög­lich, weil die Funk­ti­on kei­ne kon­kre­te Au­s­prä­gung de­fi­niert. Das heißt: Wel­che Auf­wen­dun­gen ein be­stimm­ter Grei­fer im Pro­jekt­fall hat, kann nicht vor­ab stamm­sei­tig hin­ter­legt wer­den.

Bau­käs­ten und Kon­fi­gu­ra­to­ren

Auch bei den Rah­men­be­din­gun­gen der Mon­ta­ge­tech­nik las­sen sich Mo­du­le aus de­fi­nier­ten Baustei­nen auf­bau­en. Sol­che Baustei­ne in Bau­käs­ten der Son­der­ma­schi­nen- und An­la­gen­bau­er sind meist mehr als Funk­ti­ons­bau­grup­pen zu ver­ste­hen und we­ni­ger als fi­xier­te Stan­dard­bau­grup­pen. Das zeigt das Bei­spiel Grei­fer: In ei­ner ro­bo­ter­ba­sier­ten Mon­ta­ge­zel­le wer­den Grei­fer be­nö­tigt. In ei­ner frü­her Pha­se der Pro­jek­tie­rung ist da­zu nichts oder we­nig be­kannt, zum Bei­spiel das un­ge­fäh­re Werk­stück­ge­wicht. Die Mo­du­la­ri­sie­rung sol­cher Pro­duk­te muss an­de­ren Rah­men­be­din­gun­gen ge­nü­gen, als et­wa die Mo­du­la­ri­sie­rung ei­ner Fa­mi­lie von Ver­ti­kal­fräs­ma­schi­nen. Dort bie­ten sich Bau­rei­hen mit Bau­grö­ßen an, um zu kon­fi­gu­rier­ba­ren Pro­duk­ten zu kom­men und wo die Viel­falt der Op­tio­nen aus fer­tig kon­stru­ier­ten Sub­sys­te­men oder Kom­po­nen­ten be­steht, et­wa ei­ner Spin­del mit er­höh­ter Dreh­zahl. Den­noch sind Pro­dukt­kon­fi­gu­ra­to­ren in der Mon­ta­ge­tech­nik für be­stimm­te Equip­ments sinn­voll. Da­her un­ter­stützt die An­wen­dung Lee­goo Buil­der en­gi­nee­ring edi­ti­on G3 die Misch­form al­ler Ar­beits­wei­sen.

Ein­füh­rung

An­fangs de­fi­nier­te das Un­ter­neh­men ein ei­ge­nes Pro­jekt­team. Die we­sent­li­chen An­for­de­run­gen der Mon­ta­ge­tech­nik wur­den zu­nächst sorg­fäl­tig und pra­xis­ge­recht auf­ge­lis­tet. Dann stand ei­ne Markt­ana­ly­se an, in der sich die Zahl der mög­li­chen Soft­ware­lie­fe­ran­ten auf we­ni­ge An­bie­ter re­du­zier­te. Mit die­sen An­bie­tern hat das VAF Team Ab­glei­che der An­for­de­run­gen mit den Kon­zep­ten und Funk­ti­ons­um­fän­gen der CPQ-Lö­sun­gen er­ar­bei­tet. „VAF wuss­te im­mer ge­nau, was sie wol­len,“be­rich­tet Diethard Struck von EAS. „Das war nicht im­mer leicht, aber doch um­so ziel­füh­ren­der. In der Mon­ta­ge­tech­nik hilft es nicht, Fo­li­en auf­zu­le­gen. Es muss auf­ge­zeigt wer­den, wie die ein­zel­nen Pro­jek­tie­rungs­schrit­te im Sys­tem um­ge­setzt sind oder um­ge­setzt wer­den. Und dann wird die Ar­beits­wei­se mit dem CPQ-Sys­tem Schritt für Schritt an rea­len Bei­spie­len er­probt.“Wenn da­bei ein neu­er Funk­ti­ons­be­darf deut­lich wird, er­ge­ben sich neue De­tail­auf­ga­ben für die An­pas­sung.

Ers­te An­wen­dungs­er­fah­run­gen

VAF konn­te den Stan­dard des Sys­tems aus­nut­zen und Werks­an­for­de­run­gen durch Cust­o­mi­zing um­zu­set­zen, oh­ne den Stan­dard zu ver­las­sen. In der Soft­ware wird pro­jek­tiert, kal­ku­liert und do­ku­men­tiert. Die Ver­wal­tung der Un­ter­la­gen ist mög­lich. Auf Ba­sis ei­nes Baustein­stam­mes kann die Ab­bil­dung ei­nes Grund­ge­rüs­tes er­stellt wer­den, be­vor Son­der­lö­sun­gen auf Pro­jekt­ebe­ne ein­flie­ßen. So wer­den die Of­fice-Pro­gram­me ab­ge­löst. Am En­de sol­len die Ab­läu­fe in der An­ge­bots­pha­se ei­nes Pro­jekts in der Soft­ware ab­ge­bil­det und do­ku­men­tiert wer­den. ( anm) ■

Kal­ku­la­ti­on.

Bild: VAF Gm­bH

Hand­ling­s­ys­tem.

Pro­jekt­start.

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