LI­TE­RA­TUR LOT­SEN

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Un­se­re Lieb­lings­buch­hand­lun­gen ste­hen Re­de und Ant­wort. Dies­mal: Be­ru­ta Adolf In­ha­be­rin der Ge­org Büch­ner Buch­hand­lung im Bre­mer Vier­tel.

Wie wür­den Sie das Pro­fil Ih­rer Buch­hand­lung be­schrei­ben? Gro­ße Aus­wahl an Li­te­ra­tur al­ler Gen­res, mit ei­nem gro­ßen Kri­mi- und Kin­der­buch­be­reich. Neu­er­schei­nun­gen, äl­te­re Lieb­lin­ge und auch Bü­cher mal aus klei­ne­ren Ver­la­gen. Da­ne­ben ha­be ich das Ste­cken­pferd Koch­bü­cher. Wir ha­ben ei­ne gro­ße Aus­wahl an Koch­bü­chern, die ei­ne an­de­re Buch­hand­lung viel­leicht nicht führt. Zum Bei­spiel den „Glan­der“, ein Koch­buch über Koch­blogs. Oder ein Satz mit CDs, die aus ver­schie­de­nen Län­dern ku­li­na­ri­sche Be­son­der­hei­ten vor­stel­len. Wir sind vor an­dert­halb Jah­ren auf ei­ne drei­fach grö­ße­re Flä­che ge­zo­gen, um al­les un­ter­zu­brin­gen. Da­mals dach­ten wir, wir wür­den nie wie­der Platz­pro­ble­me ha­ben, aber nach ei­nem hal­ben Jahr hat­ten wir so vie­le schö­ne neue Bü­cher ge­fun­den, dass wir jetzt wie­der für je­des um Platz in den Re­ga­len kämp­fen müs­sen.

Sie ma­chen re­gel­mä­ßig ei­ne Ver­an­stal­tung, bei der zwei Schau­spie­ler le­sen. Was hat es da­mit auf sich?

Das ist das „In­stant-Rea­ding“. Die Gäs­te su­chen sich aus den Neu­er­schei­nun­gen auf den Ti­schen Bü­cher aus und be­stim­men mit ei­nem Le­se­zei­chen, ab wel­cher Stel­le die Schau­spie­ler vor­le­sen sol­len. Von den Bü­chern, die wir im Lau­fe des Abends nicht mehr schaf­fen, gibt es aber we­nigs­tens noch den ers­ten und den letz­ten Satz. Das ist sehr amü­sant und bei der Ver­an­stal­tung ist es bei uns re­gel­mä­ßig rap­pel­voll.

Sind Sie manch­mal selbst von dem über­rascht, was aus­ge­wählt wur­de?

Ja. Zum Bei­spiel das neue Buch von Si­byl­le Kn­auss „Der Gott der letz­ten Ta­ge“. Es be­ginnt mit ei­nem Ge­spräch mit Gott über sei­ne Exis­tenz. Es war sehr be­rüh­rend und fast schon phi­lo­so­phisch.

Sie ma­chen sehr vie­le Ver­an­stal­tun­gen, wie kam es da­zu? Zum ei­nen ist das ein Dan­ke­schön an die Kun­den, die uns in die­ser neu­en, grö­ße­ren Buch­hand­lung sehr un­ter­stützt ha­ben und zum an­de­ren wur­de es ein­fach ein Selbst­läu­fer. Wir hat­ten im­mer mehr Spaß da­ran und häu­fig sind es in­zwi­schen Kun­den, die mit Ide­en auf uns zu­kom­men. Wir rich­ten nun je­den ers­ten Frei­tag im Mo­nat, ab 20 Uhr, ei­ne Ver­an­stal­tung aus, teils gibt es auch Live-Mu­sik. Zum Welt­tag des Bu­ches auch In­stand-Rea­ding nach­mit­tags für Kin­der. Bei die­sen Ver­an­stal­tun­gen neh­men wir auch, an­ders als bei Au­to­ren­le­sun­gen, die es oben­drein ge­le­gent­lich gibt, kei­nen Ein­tritt.

Sie rich­ten auch Kon­ten für Kun­den ein. Was ist das?

Es gibt je­man­den, der für sei­ne stu­die­ren­de Toch­ter Geld über­weist, da­mit sie sich die Bü­cher kau­fen kann, die ihr ge­fal­len. Zu Weih­nach­ten hat ein Kun­de sei­ner Frau ei­ne Flat­rate bei uns ge­schenkt. Das ist na­tür­lich toll.

Nach dem Um­zug der Buch­hand­lung muss­te sich je­der Ih­rer Mit­ar­bei­ter von ei­nem Ba­ris­ta schu­len las­sen …

Wir ha­ben im hin­te­ren Be­reich ein Ca­fé ein­ge­rich­tet, mit Ses­seln, Bü­chern und Zeit­schrif­ten. Da­für ha­be ich ei­ne wun­der­ba­re Sieb­trä­ger-Kaf­fee­ma­schi­ne ge­kauft, die in Flo­renz her­ge­stellt wur­de. Sie wur­de von ei­nem ein­zi­gen Men­schen von An­fang bis En­de zu­sam­men­ge­baut und ist so­zu­sa­gen der Fer­ra­ri un­ter den Kaf­fee­ma­schi­nen. Wir füh­ren und schen­ken Kaf­fee von Cross-Cof­fee aus, ei­ner klei­nen Bre­mer Rös­te­rei. Der Kaf­fee ist aus die­ser Ma­schi­ne ein­fach un­heim­lich le­cker, wenn man ihn rich­tig macht.

Und wel­che Bü­cher be­geis­tern Sie mo­men­tan be­son­ders? Der neue Ro­man von To­ni Morrison „Gott, hilf dem Kind“, die Ge­schich­te geht so­fort un­ter die Haut. Es han­delt von ei­ner Far­bi­gen, die ein dunk­le­res Kind ge­biert. Der Mann ver­lässt die Fa­mi­lie, weil er die­ses Kind nicht als sei­nes ak­zep­tiert, doch das Mäd­chen ver­sucht, sei­ne Haut­far­be als Vor­teil zu nut­zen, da­bei eckt sie in der ame­ri­ka­ni­schen Ge­sell­schaft an. Au­ßer­dem Se­bas­ti­an Smee, „Kunst und Ri­va­li­tät“. Das ist toll. Es be­schreibt Freund­schaf­ten von Künst­lern, wie zum Bei­spiel Ma­tis­se und Pi­cas­so oder Ma­net und De­gas, die je­weils mit­ein­an­der be­freun­det wa­ren, aber gleich­zei­tig er­bit­tert mit­ein­an­der kämpf­ten. Bei Freud und Ba­con sind das zum Bei­spiel sehr phi­lo­so­phi­sche Ge­sprä­che.

GE­ORG BÜCH­NER BUCH­HAND­LUNG

Be­ru­ta Adolf über­nahm 1998 die Ge­org Büch­ner Buch­hand­lung im so­ge­nann­ten Bre­mer Vier­tel, den Orts­tei­len Os­ter­tor und St­ein­tor. Zwei­mal ist sie mit dem Ge­schäft um­ge­zo­gen und je­weils ge­wach­sen, auf in­zwi­schen rund 120 Qua­drat­me­ter am Zie­gen­markt, Vor dem St­ein­tor 58. Ge­plant ist noch die­sen Som­mer, den On­li­ne-Shop zu er­öff­nen.

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