ZSUZSA BÁNK

Schla­fen wer­den wir spä­ter

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Deut­sche Ori­gi­nal­aus­ga­be

„Ich dach­te, ich sei im Schrei­ben bes­ser als im Le­ben, aber ge­ra­de weiß ich gar nicht, was ich da­mit noch soll – es klingt lä­cher­lich, Wor­te auf lee­re Blät­ter schrei­ben, die Welt nach Bil­dern ab­tas­ten, (…), um Sät­ze zu knüp­fen und Men­schen hin­ein­zu­we­ben, die man in der Wirk­lich­keit ver­geb­lich sucht“, schreibt Már­ta an Jo. Zwei Frau­en in der Mit­te ih­res Le­bens, räum­lich ge­trennt – in Ge­dan­ken im­mer bei­ei­nan­der. Bánks mo­der­ner Brief­ro­man er­zählt ihr Le­ben über gut drei Jah­re in Form ih­rer Mail­kor­re­spon­denz. Die Schrift­stel­le­rin Már­ta lebt mit Si­mon und den drei klei­nen Kin­dern in Frank­furt, Jo­han­na hat es als Leh­re­rin in den Schwarz­wald ver­schla­gen. Wäh­rend Már­ta ver­sucht, ih­ren Er­zähl­band im all­täg­li­chen Fa­mi­li­en­cha­os zu voll­enden, hat Jo­han­na zwar den Brust­krebs be­siegt, aber ih­re gro­ße Lie­be ver­lo­ren und flüch­tet sich in ih­re Dok­tor­ar­beit über An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff. Bánks ge­lingt es, die Frau­en al­lein durch ih­re Ge­dan­ken­gän­ge, die im Dia­log im­mer wei­ter fort­schrei­ten, zum Le­ben zu er­we­cken. Das ist be­ein­dru­ckend, doch manch­mal ist es ein­fach zu viel der Wort­gir­lan­den und li­te­ra­ri­schen Ver­satz­stü­cke, die die Mails kur­siv ge­druckt durch­zie­hen. Und doch ist da die­ser Sog der schlaf­los-ver­wo­be­nen Sät­ze, die von Freund­schaft er­zäh­len, die dem wort­ge­wand­ten Le­ben Halt gibt. (ts)

S. FI­SCHER, 688 Sei­ten, 24 Eu­ro

Zwei wort­ge­wand­te Freun­din­nen schrei­ben sich die See­le aus dem Leib – ein mo­der­ner, sprach­ver­lieb­ter Brief­ro­man.

Als Hörbuch bei Au­dio­buch er­hält­lich

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