SÁNDOR LÉNÁRD

Am En­de der Via Con­dot­ti

Bücher Magazin - - Erste Seite -

Über­setzt von Ernö Zelt­ner

Als Sándor Lénárd 1938 im Bahn­hof von Rom an­kommt, hat er ei­nen un­frei­wil­li­gen, aber gra­vie­ren­den Ent­schluss ge­fasst: Er ist vor den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ge­flo­hen und hofft auf ein neu­es Le­ben in der Ewi­gen Stadt. Zu­nächst sucht er be­kann­te Or­te auf, mie­tet et­wa ein Zim­mer, in dem er schon ein­mal als Tou­rist zu Be­such war. Es dau­ert je­doch nicht lan­ge, bis das Geld aus­geht und er sich ei­ne güns­ti­ge­re Un­ter­kunft su­chen muss. Auch als er in die Ob­dach­lo­sig­keit ge­rät, bleibt Lénárd Stamm­gast im Caf­fè Gre­co, um sich mit wei­te­ren Ge­flo­he­nen über das Welt­ge­sche­hen aus­zu­tau­schen. Bald lernt Lénárd, die in der Stadt pos­tier­ten Spit­zel auf den ers­ten Blick zu er­ken­nen und sucht den Fi­ga­ro sei­nes Ver­trau­ens auf. Der se­zie­ren­de Blick ei­nes Me­di­zi­ners auf das Rom des Du­ce und das War­ten auf die Al­li­ier­ten als Re­frain bil­den die Grund­la­ge für Lénárds rö­mi­sche Ge­schich­ten. Es gibt kei­nen gro­ßen Span­nungs­bo­gen, doch die Weit­sicht des Er­zäh­lers und sein Blick fürs De­tail tra­gen über die we­ni­gen Län­gen die­ses Bu­ches. Lénárd wird zum am­bu­lan­ten Blut­druck­mes­ser, er­hält Ein­bli­cke hin­ter die Fas­sa­den der rö­mi­schen Häu­ser und lebt im War­ten auf bes­se­re Zei­ten. Der Le­ser harrt ge­mein­sam mit dem Prot­ago­nis­ten aus, be­ob­ach­tet die po­li­ti­sche La­ge und kann Ge­dan­ken und Ge­sprä­che am Kü­chen­tisch mit­ver­fol­gen. (mel)

DTV, 352 Sei­ten, 22 Eu­ro

Der ge­flo­he­ne Lénárd schlägt sich mit Ge­le­gen­heits­ar­bei­ten durch und se­ziert ne­ben­bei den Kult um den Du­ce.

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