MA­RE KANDRE

Bü­bins Kind

Bücher Magazin - - Erste Seite -

Über­setzt von Char­lot­te Karls­son-Ha­ger

In ei­nem na­men­lo­sen Gar­ten an der Pe­ri­phe­rie ei­nes na­men­lo­sen Dor­fes lebt Kind­chen mit Bü­bin und On­kel. Wir er­fah­ren we­nig über die Fi­gu­ren. On­kel ist blind und lehrt Kind­chen le­sen. Bü­bins lan­ger Zopf hängt „schwer und glän­zend wie ei­ne blank ge­putz­te Ei­sen­ket­te“über ih­ren Rü­cken. Auch die Land­schaft er­scheint durch Kind­chens Au­gen be­seelt, ei­ne wei­te­re Fi­gur. Kind­chen wird er­wach­sen. „Mein Kör­per ist ab­sto­ßend und schwer, ich spü­re, wie sich das Blut in der wei­ßen Kno­chen­wie­ge des Be­ckens sam­melt.“Ei­nes Tages taucht die Klei­ne auf, ein schwäch­li­ches Kind mit tro­cke­nem Haar, um das Bü­bin sich lie­be­voll küm­mert. Kind­chen fin­det das Ge­schöpf von An­fang an ab­sto­ßend. Als Bü­bin und On­kel ei­nes Tages ein­fach ver­schwin­den, bleibt Kind­chen mit der Klei­nen al­lein zu­rück. Ma­re Kandre, ge­bo­ren 1962 im schwe­di­schen Sö­de­ra­la, ver­öf­fent­lich­te bis zu ih­rem Tod 2005 elf Bü­cher und meh­re­re Thea­ter­stü­cke. In Schwe­den gilt sie als ei­ne der wich­tigs­ten Stim­men ih­rer Ge­ne­ra­ti­on. In „Bü­bins Kind“er­zählt sie von Ein­sam­keit und Ent­frem­dung, von Selbst­e­kel und vom Hor­ror der Pu­ber­tät. Ma­re Kand­res Spra­che ist bra­chi­al und me­lo­disch, die Welt die­ser Er­zäh­lung düs­ter, schwer zu­gäng­lich und schwer zu ver­ges­sen. Als Kind­chen end­lich auf die Stra­ße hin­aus­tritt, at­men wir auf. (ed)

SEP­TI­ME, 144 Sei­ten, 18 Eu­ro

Ein be­drü­cken­des, fas­zi­nie­ren­des, grau­sa­mes Buch. Trost­los und hoff­nungs­voll. Un­be­dingt le­sens­wert.

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