Auf der Su­che nach dem Glück

Bücher Magazin - - Inhalt - VON TI­NA SCHRAML

Meik Wi­king im In­ter­view

Wir tra­fen den Grün­der des Ko­pen­ha­ge­ner In­sti­tuts für Glücks­for­schung

Meik Wi­king in Ham­burg, um mit ihm über sei­nen be­reits in 35 Spra­chen über­setz­ten Best­sel­ler „Hyg­ge“zu spre­chen. In sei­nem neu­en Buch geht es um die Er­for­schung der Grund­la­gen ei­nes glück­li­chen Le­bens und was wir von den glück­li­chen Men­schen welt­weit ler­nen kön­nen.

Der Sie­ges­zug von „Hyg­ge“star­te­te von Groß­bri­tan­ni­en aus. Brauch­te es den An­stoß von au­ßen, um die dä­ni­sche Le­bens­phi­lo­so­phie ins welt­wei­te Blick­feld zu rü­cken?

Im Grun­de schon, denn für Dä­nen ist es ein­fach nur die Art, wie wir le­ben. Ein wich­ti­ger Grund, wes­halb „Hyg­ge“zu solch ei­nem Zeit­geist­phä­no­men wer­den konn­te, ist si­cher­lich, weil es et­was be­schreibt, das die Men­schen be­reits ma­chen. Wir ga­ben ih­nen ein­fach ein Wort und ei­ne Be­deu­tung, um es auf neue Art zu se­hen und wert­zu­schät­zen. Ein wei­te­rer Grund ist, dass im­mer mehr Men­schen die Art und Wei­se, wie wir Er­folg und Fort­schritt mes­sen, in­fra­ge stel­len. Das ame­ri­ka­ni­sche wett­be­werbs­ori­en­tier­te Leit­bild für Ge­sell­schaf­ten ist ein Aus­lauf­mo­dell. Ich den­ke, dass es welt­weit die Er­kennt­nis gibt, dass die nor­di­schen Län­der et­was rich­tig ma­chen – es herr­schen bei uns re­la­tiv gu­te Rah­men­be­din­gun­gen für ei­ne gu­te Le­bens­qua­li­tät. „Hyg­ge“pass­te in die­sen Kon­text. Groß­ar­tig fin­de ich, dass die Ge­sprä­che über „Hyg­ge“oft mit den ein­fa­chen, ku­sche­li­gen Din­gen wie Ker­zen und wei­chen Kis­sen an­fan­gen und dann aber ganz schnell auf The­men kom­men, wie wir un­se­re Ge­sell­schaf­ten gestal­ten, wie wir le­ben wol­len.

Wur­de der welt­wei­te Er­folg Ih­res Bu­ches auch zu ei­nem Mo­tor, um Auf­merk­sam­keit für Ih­re For­schungs­ar­beit zu ge­ne­rie­ren?

Als wir das Glücks­for­schungs­in­sti­tut er­öff­ne­ten, such­ten wir in den po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen nach Er­klä­run­gen für die ho­hen Glücks­ra­tings in Dä­ne­mark. Das war aber nicht aus­rei­chend, denn es er­klär­te nicht, war­um Dä­ne­mark in vie­len Be­rei­chen et­was bes­ser ab­schnitt als die an­de­ren nor­di­schen Län­der, ob­wohl wir ganz ähn­li­che Wohl­fahrts­sys­te­me ha­ben. Al­so fin­gen wir im Herbst 2012 an, uns die Kul­tur an­zu­schau­en. Wir un­ter­such­ten „Hyg­ge“und woll­ten her­aus­fin­den, was das Be­son­de­re in der dä­ni­schen Kul­tur ist, das er­klä­ren könn­te, war­um Dä­nen glück­li­cher sind als an­de­re Na­tio­na­li­tä­ten. Dar­auf­hin wur­den durch ein In­ter­view die Ver­lags­leu­te von Pen­gu­in auf uns auf­merk­sam und frag­ten mich, ob ich Lust hät­te, ein Buch dar­über zu schrei­ben. Und da­zu hat­te ich na­tür­lich gro­ße Lust!

Wie ist die Idee ent­stan­den, Ihr In­sti­tut zu grün­den und gibt es noch an­de­re Glücks­for­schungs­in­sti­tu­te die­ser Art? Wir ha­ben es im Fe­bru­ar 2013 er­öff­net. Mo­men­tan ha­be ich zehn Mit­ar­bei­ter, fünf ar­bei­ten in un­se­rem Bü­ro in Ko­pen­ha­gen, aber wir ha­ben auch Kol­le­gen an Uni­ver­si­tä­ten in Dä­ne­mark, Ka­na­da und Li­tau­en. Wir sind das ein­zi­ge In­sti­tut die­ser Art welt­weit, so weit ich weiß. Es gibt al­ler­dings sehr vie­le Stu­di­en zum The­ma Glück und Wohl­be­fin­den. Un­se­re Ar­beit als Think Tank be­steht haupt­säch­lich dar­in, ei­ne Brü­cke zu schla­gen von der aka­de­mi­schen Welt in die Öf­fent­lich­keit. Das The­ma „Hyg­ge“er­öff­ne­te uns die Mög­lich­keit, un­se­re Ar­beit am Glücks­for­schungs­in­sti­tut ei­ner grö­ße­ren Öf­fent­lich­keit nä­her­zu­brin­gen.

Ein schö­ner Job, der Über­brin­ger für gu­te Nach­rich­ten, wie wir glück­li­cher wer­den kön­nen, zu sein. Ist es ge­ra­de in Zei­ten wie die­sen, in de­nen so viel Ge­walt und Un­si­cher­heit herr­schen, wich­tig, den Men­schen auch das Gu­te vor Au­gen zu hal­ten? (Lacht) Ich den­ke, es ist heut­zu­ta­ge ei­ne der wich­tigs­ten Auf­ga­ben zu er­for­schen, wie wir gu­te Vor­aus­set­zun­gen für ein glück­li­ches Le­ben schaf­fen kön­nen. Es soll­te da­für ei­nen ei­gen­stän­di­gen Wis­sen­schafts­zweig ge­ben. Als ich vor fünf Jah­ren die Idee für das In­sti­tut hat­te, konn­te ich nicht fas­sen, war­um das nie­mand vor mir ge­macht hat. Ich ar­bei­te­te da­mals seit sie­ben Jah­ren für ei­nen Think Tank zum The­ma Nach­hal­tig­keit. 2012 er­kann­te ich, wie viel zum The­ma Glücks­for­schung welt­weit bei in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen und Re­gie­run­gen pas­sier­te, wie man an­fing, Fort­schritt mit neu­en Maß­stä­ben zu mes­sen. Die UN ver­ab­schie­de­te ei­ne „Re­so­lu­ti­on of Hap­pi­ness“, die OECD be­gann, die Le­bens­zu­frie­den­heit zu mes­sen. Dä­ne­mark ist in die­sen Un­ter­su­chun­gen zwar im­mer ei­ner der Spit­zen­rei­ter, hat­te aber aus die­sem Po­ten­zi­al bis da­to nichts ge­macht. Um das zu än­dern, ha­be ich das In­sti­tut ge­grün­det.

Wie kann man sich Ih­re For­schungs­ar­beit kon­kret vor­stel­len?

Wir sind für Stif­tun­gen, Re­gie­run­gen, Städ­te, Un­ter­neh­men welt­weit tä­tig. Ei­ne Stu­die, an der wir mo­men­tan ar­bei­ten, ist für ei­ne Stif­tung, für die wir 500 jun­ge Men­schen über zwei Jah­re be­glei­tet ha­ben, um zu se­hen, wie Ve­rän­de­run­gen in ih­ren Le­bens­um­fel­dern sich auf ihr Wohl­be­fin­den aus­wir­ken. In ei­ner an­de­ren Stu­die for­schen wir zu ei­ner Haut­krank­heit an 130 000 Men­schen aus über 100 Län­dern. Wir ver­su­chen, die Zu­sam­men­hän­ge und Aus­wir­kun-

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gen die­ser Krank­heit zu ver­ste­hen, um die Le­bens­qua­li­tät der Pa­ti­en­ten zu stei­gern. Man sieht, es ist ein wei­tes Feld – aber ich den­ke, man kann un­se­re Ar­beit in drei Fra­gen zu­sam­men­fas­sen, die wir ver­su­chen zu be­ant­wor­ten: Wie mes­sen wir Glück? War­um sind man­che Men­schen glück­li­cher als an­de­re? Und wie kön­nen wir die Le­bens­qua­li­tät ver­bes­sern?

Wenn Re­gie­run­gen bei Ih­nen am In­sti­tut Rat su­chen, wol­len sie dann meist vom dä­ni­schen Glücks­mo­dell ler­nen?

Na­he­zu je­de Wo­che er­hal­ten wir An­fra­gen die­ser Art. Ge­ra­de heu­te Mor­gen beim Früh­stück ha­be ich mit mei­nen Kol­le­gen te­le­fo­niert, die heu­te ei­ne süd­ko­rea­ni­sche De­le­ga­ti­on emp­fan­gen. Süd­ko­rea ist in un­se­rem In­sti­tut das Land, für das wir am meis­ten ar­bei­ten. Die sind wirk­lich auf der Su­che nach Al­ter­na­ti­ven, wie sie ih­re Ge­sell­schaft und ih­re Po­li­tik gestal­ten kön­nen. In nur zwei Ge­ne­ra­tio­nen hat Süd­ko­rea ein un­glaub­li­ches Wachs­tum an Wohl­stand er­wirt­schaf­tet, aber sie ha­ben gro­ße Pro­ble­me, die­sen Wohl­stand in gu­te Le­bens­qua­li­tät zu über­set­zen. Die Work-Life-Ba­lan­ce ist dort sehr pro­ble­ma­tisch, es gibt ei­ne ex­trem ho­he Selbst­mord­ra­te. Was in Dä­ne­mark gut funk­tio­niert, ist die Ab­si­che­rung der un­te­ren Ge­sell­schafts­schich­ten, es gibt ei­nen gro­ßen Grad an Au­to­no­mie und Fle­xi­bi­li­tät im Ar­beits­le­ben, men­ta­le Ge­sund­heit und die Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen Män­nern und Frau­en wer­den ge­för­dert. Dä­ne­mark und die an­de­ren nor­di­schen Län­der ha­ben al­so gu­te Rah­men­be­din­gun­gen, um ein re­la­tiv glück­li­ches Le­ben zu füh­ren, auch wenn man nicht viel Geld ver­dient. Das führt zu we­ni­ger Druck, we­ni­ger Stress. In Süd­ko­rea gibt es da­ge­gen ei­nen gro­ßen Kon­kur­renz­kampf im Bil­dungs­sys­tem und auf dem Ar­beits­markt und da­zu viel so­zia­les Stig­ma, was psy­chi­sche Krank­hei­ten an­geht. Die­se Kom­bi­na­ti­on ist wirk­lich tra­gisch, weil auf die Men­schen Druck aus­ge­übt wird und es gleich­zei­tig aber kein Si­cher­heits­netz gibt, das sie auf­fängt. Des­halb gibt es die­se ho­hen Selbst­mord­ra­ten. So ist un­ser ers­ter An­satz, die Stig­ma­ti­sie­rung von psy­chi­schen Krank­hei­ten zu ver­rin­gern – aber das ist ein lan­ger und schwie­ri­ger Pro­zess.

Nach­dem Sie das Phä­no­men „Hyg­ge“der Welt er­klärt ha­ben, sind Sie für Ihr zwei­tes Buch „Lykke“welt­weit auf Glücks­su­che ge­gan­gen – war es Zeit auf­zu­zei­gen, dass über­all auf der Welt Glück zu fin­den ist und un­ter­schied­lich kul­ti­viert wird? Ganz ge­nau. „Hyg­ge“hat die Wert­schät­zung für ein­fa­che Din­ge und Ge­sel­lig­keit in Dä­ne­mark er­klärt. Doch ich woll­te mit dem neu­en Buch auch auf­zei­gen, dass es kein Glücks­mo­no­pol gibt. Wir soll­ten auf der gan­zen Welt nach In­spi­ra­ti­on su­chen – „Lykke“ist ei­ne Ide­en-Samm­lung, so­dass die Le­ser wäh­len kön­nen, was ih­nen ge­fällt. Es ist kei­ne To-do-Lis­te. Der Er­folg von dem „Hyg­ge“-Buch ist auch ein Be­leg für ei­nen Punkt, auf den ich mit mei­nem neu­en Buch auf­merk­sam ma­chen woll­te. Wir mö­gen zwar Dä­nen, Deut­sche oder Ame­ri­ka­ner sein, aber in ers­ter Li­nie sind wir doch al­le Men­schen. Wir sind oft so auf die Un­ter­schie­de fi­xiert, aber wenn es ums Wohl­be­fin­den geht, sind es welt­weit die glei­chen Ein­flüs­se, die das Glücks­emp­fin­den be­för­dern.

Von den sechs Grund­ele­men­ten, die in „Lykke“als die Ba­sis zum Glück­lich­sein be­schrie­ben wer­den, sind Ver­trau­en und Ge­mein­schaft die­je­ni­gen, an de­nen es heu­te oft am meis­ten man­gelt. Wie kön­nen wir das än­dern?

Die Grund­la­ge für Ver­trau­en ist der Punkt, der sich am schwie­rigs­ten ver­än­dern lässt, denn hier gibt es star­ke kul­tu­rel­le Prä­gun­gen und Kul­tur lässt sich nicht so ein­fach um­pro­gram­mie­ren. Ein An­satz ist es, in ei­ner Ge­sell­schaft und ih­rem Bil­dungs­sys­tem Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, in de­nen der Wert von Ko­ope­ra­ti­on ver­mit­telt wird. Mo­men­tan gibt es noch viel zu vie­le Bil­dungs­sys­te­me, in de­nen Wis­sens­er­werb an Kon­kur­renz ge­kop­pelt ist. So ist es in Süd­ko­rea, aber auch in Frank­reich. Die nor­di­schen Län­der sind bes­ser dar­in, Zu­sam­men­ar­beit zu för­dern. Ein an­de­rer wich­ti­ger Aspekt, um Ver­trau­en aus­zu­bau­en, ist gu­te Re­gie­rungs­füh­rung. In den nor­di­schen Län­dern wer­den Steu­ern als ei­ne In­ves­ti­ti­on in Le­bens­qua­li­tät an­ge­se­hen. Wir ha­ben die Er­fah­rung ge­macht, dass wir viel zu­rück­be­kom­men für das Geld, das wir in un­ser Land ein­zah­len.

Gra­de was den Ge­mein­sinn an­geht, gibt es in Deutsch­land im­mer we­ni­ger Gu­tes zu be­rich­ten, das Ver­trau­en in die Po­li­tik schwin­det. Auch die Sche­re zwi­schen Arm und Reich wird im­mer grö­ßer.

Da ist ein all­ge­mei­nes Pro­blem welt­weit, das wir auch in Dä­ne­mark ha­ben. Ein in­ter­es­san­ter Aspekt in die­sem Zu­sam­men­hang ist die Tat­sa­che, dass wir Glück oft dar­an mes­sen, wie glück­lich wir uns ak­tu­ell füh­len. Un­längst ha­ben wir Da­ten aus­ge­wer­tet, wo Men­schen ge­fragt wur­den, wie glück­lich sie vor fünf Jah­ren wa­ren und wie glück­lich sie in fünf Jah­ren sein wer­den. Das ist sehr in­ter­es­sant, wenn man sich bei­spiels­wei­se die Trump-Wäh­ler an­schaut, denn die Mehr­heit ver­dient zwi­schen 50 000 und 200 000 Dol­lar im Jahr. Sie sind al­so nicht arm im ei­gent­li­chen Sin­ne, aber 75 Pro­zent von ih­nen sa­gen, dass das Le­ben vor fünf Jah­ren bes­ser war. Es geht al­so beim Glück­lich­sein nicht nur um den Mo­ment, son­dern auch um un­se­re Er­war­tun­gen an die Zu­kunft und die Grund­la­ge, von wel­cher Ver­gan­gen­heit aus wir die Ge­gen­wart be­wer­ten. Es ist die wach­sen­de Un­gleich­heit und die Miss­gunst, die mir am meis­ten Sor­ge macht. Un­glück­li­cher­wei­se gibt es hier kei­ne Hin­wen­dung zu pro­gres­si­ven Steu­er­sys­te­men, die die Su­per­rei­chen ge­recht be­steu­ern, son­dern es kommt zu Span­nun­gen zwi­schen den Men­schen, die ei­gent­lich ver­eint sein soll­ten.

Wie passt die Grund­idee von „Hyg­ge“in ei­ne di­gi­ta­li­sier­te Welt? In vie­len Aspek­ten ist sie das kom­plet­te Ge­gen­teil.

Im Grun­de ist „Hyg­ge“na­tür­lich so et­was wie ein di­gi­ta­les De­tox. Aber es gibt gu­te und schlech­te Aspek­te an den neu­en Tech­no­lo­gi­en. Ein ne­ga­ti­ver Aspekt ist, dass der Ein­druck von Ver­bun­den­heit ver­mit­telt wird, oh­ne die wirk­li­che In­ti­mi­tät von ech­ter Freund­schaft. Aber die Di­gi­ta­li­sie­rung hilft auch Groß­el­tern, mit ih­ren weit ent­fernt le­ben­den En­keln en­ger in Kon­takt zu blei­ben. Sie schenkt uns die Mög­lich­keit, fle­xi­bler und orts­un­ge­bun­den zu ar­bei­ten. Die di­gi­ta­len Tech­no­lo­gi­en sind ein neu­es Spiel­zeug und wir müs- sen noch ler­nen, sie auf ei­ne bes­se­re Art zu be­nut­zen. Die Schu­len in Dä­ne­mark bei­spiels­wei­se er­lau­ben den Kin­dern, ih­re Smart­pho­nes ei­ne St­un­de am Tag zu be­nut­zen. Das ist auch ein Bei­spiel aus dem Buch – nach sechs Mo­na­ten soll­ten die Schü­ler selbst ab­stim­men und 80 Pro­zent vo­tier­ten da­für, die­se neue Re­gel bei­zu­be­hal­ten. Ich den­ke, es sind Übun­gen und Ex­pe­ri­men­te wie die­ses, die das Be­wusst­sein für den Um­gang mit der Di­gi­ta­li­sie­rung schon früh we­cken und schu­len kön­nen.

„Hyg­ge“ist im Grun­de das Ge­gen­teil von Lu­xus und Kom­merz, nichts­des­to­trotz gibt es nun un­zäh­li­ge Un­ter­neh­men, die mit die­sem Li­fe­style-La­bel jetzt ih­re Pro­duk­te ver­kau­fen. Was hal­ten Sie von die­ser Ent­wick­lung?

Es ist ab­surd zu se­hen, was das für For­men an­nimmt. Für uns Dä­nen ist das kein Mo­de­trend, son­dern ein Teil un­se­rer Kul­tur. Es ist et­was, das wir seit 200 Jah­ren le­ben – bei „Hyg­ge“geht es um ei­ne At­mo­sphä­re, nicht dar­um, et­was zu kau­fen. Doch so­bald et­was po­pu­lär wird, wol­len Un­ter­neh­men na­tür­lich bei der Par­ty da­bei sein. Und plötz­lich heißt es, „das ist ein Hyg­ge-Glas“(hält sein Glas hoch und lacht). Dä­nen kann man das na­tür­lich nicht ver­kau­fen, aber in an­de­ren Län­dern ist das ein neu­es Phä­no­men, dem ein­fach gleich ein Eti­kett auf­ge­klebt wird. Mit „Hyg­ge“pas­siert ge­ra­de die glei­che Kom­mer­zia­li­sie­rung wie bei­spiels­wei­se mit Yo­ga. Lei­der wur­de noch kein Schutz­me­cha­nis­mus ge­gen die­se Art von Kom­mer­zia­li­sie­rung von Ide­en ent­wi­ckelt.

Die Glo­ba­li­sie­rung bringt auch gro­ße Mi­gra­ti­ons­wel­len mit sich und stellt uns vor Her­aus­for­de­run­gen, was die Ka­pa­zi­tä­ten der Wohl­fahrts­staa­ten an­geht. Auch Dä­ne­mark hat die Gren­ze ge­schlos­sen letz­ten Som­mer. Hat Ihr In­sti­tut Ant­wor­ten auf die­se Ent­wick­lun­gen?

Si­cher­lich ist das ei­ne der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen un­se­rer Zeit. Ei­ne der gu­ten Nach­rich­ten in Dä­ne­mark ist, dass sich die Zahl der Im­mi­gran­ten, die in den Ar­beits­markt ein­ge­tre­ten sind, in den letz­ten drei Jah­ren ver­dop­pelt hat. Das ist mei­ner Mei­nung nach auch der Schlüs­sel für In­te­gra­ti­on. Das Schlimms­te ist es, Men­schen das Ge­fühl zu ge­ben, dass sie kei­ne Wahl­mög­lich­kei­ten ha­ben.

Ge­ra­de im Kon­text Ih­res neu­en Bu­ches, das die vie­len ver­schie­de­nen We­ge zum Glück­lich­sein vor­stellt, ist es si­cher­lich auch es­sen­zi­ell, dass man den Men­schen, die in un­se­re Län­der kom­men, die Frei­heit lässt, ih­re ei­ge­nen Tra­di­tio­nen aus­zu­le­ben. Oder sol­len wir am En­de al­le auf die glei­che Art glück­lich wer­den?

Auf kei­nen Fall! (lacht) Men­schen soll­ten ih­re Tra­di­tio­nen le­ben, denn das ist ein wich­ti­ges Stück ih­rer Iden­ti­tät. Auch wir Dä­nen wol­len, wenn wir im Aus­land le­ben, Mitt­som­mer fei­ern und es uns „hyg­ge­lig“ma­chen. Was uns glück­lich macht, hat so vie­le un­ter­schied­li­che Fa­cet­ten, auch wenn die­se auf ähn­li­chen Be­dürf­nis­sen ba­sie­ren. Ge­ra­de die­se Viel­falt ist es, die mei­ne Ar­beit so span­nend macht.

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