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Bücher Magazin - - Inhalt - VON ELI­SA­BETH DIETZ

Vier Gra­phic No­vels

Es geht hier um die Din­ge, die nie­mand se­hen soll, und die vie­len ver­schie­de­nen Ar­ten, auf die sie ans Licht kom­men. Im Schat­ten kann sich al­les Mög­li­che ver­ber­gen: Lei­chen und ent­führ­te Kin­der, un­be­lich­te­te Fil­me und der letz­te un­durch­leuch­te­te Mensch.

NICHTS ZU GE­WIN­NEN

John Black­sad ist ein Ka­ter. Groß und schwarz, ge­schmei­dig, ver­spielt, ver­dammt gut­aus­se­hend und un­ab­hän­gig. Er ist mü­de, und er hat kei­ne Il­lu­sio­nen mehr. Er ist Pri­vat­de­tek­tiv. Er er­mit­telt im New York der Fünf­zi­ger­jah­re, be­völ­kert von an­thro­po­mor­phi­sier­ten Tie­ren. Oder zoo­mor­phi­sier­ten Men­schen. Fünf Fäl­le ver­sam­melt die Ge­samt­aus­ga­be. In „Ir­gend­wo zwi­schen den Schat­ten“muss Black­sad den Tod ei­ner sei­ner Ge­lieb­ten auf­klä­ren, was ihn in die New Yor­ker Un­ter­welt führt. In „Arc­tic Na­ti­on“ge­rät er auf der Su­che nach ei­nem ver­schwun­de­nen Kind un­ter wei­ße Na­tio­na­lis­ten – Eis­bä­ren, Wöl­fe, Po­lar­füch­se. „Ro­te See­le“spielt ein­deu­tig wäh­rend der McCar­thy-Ära, „Die Stil­le der Höl­le“in der Jazz- und Dro­gen­sze­ne von New Or­leans, „Ama­ril­lo“un­ter Dich­tern und Ar­tis­ten. Da­zu kom­men noch ei­ne kur­ze Ge­schich­te, die 2003 im Ma­ga­zin „Pi­lo­te“er­schien, und ein Reich­tum an fas­zi­nie­ren­den Cha­rak­ter­skiz­zen und Sto­ry­board-Aus­zü­gen. Black­sad be­wegt sich zwi­schen den Wel­ten, wie es nur ei­ne Kat­ze kann, über­all ge­ra­de so ak­zep­tiert, nir­gend­wo zu Hau­se. Die Cha­rak­te­re, die hier agie­ren, und die Ge­schich­ten, die Ca­na­les er­zählt, sind nicht neu oder un­ge­wöhn­lich, aber ver­dammt gut ge­macht. Und wie Guar­n­i­do mit Licht, Per­spek­ti­ve und Be­we­gung ar­bei­tet, ist ein Ge­nuss. Zu­sam­men er­schaf­fen die bei­den ei­ne rei­che, ech­te, schö­ne, schä­bi­ge, schreck­li­che Welt.

NICHTS ZU VER­LIE­REN

In Mag­gys Bett liegt ein Mann. Und auf ih­rem Couch­tisch ei­ne Ta­sche mit 30 000 Pfund Ster­ling. Aber so rich­tig gut fin­det sie das nicht: „Es ist ein biss­chen wie die Plas­tik­fet­zen bei mei­ner Oma im Pud­ding.“Denn Mag­gys neu er­wor­be­ner Reich­tum ist Die­bes­gut, und sie hat es kor­rup­ten Po­li­zis­ten ab­ge­jagt, von de­nen ei­ne ih­re Freun­din ist. Der Mann ist ein Klein­ga­no­ve, aber sonst ganz in Ord­nung. Das Geld wird durch zwei ge­teilt, aber da nie­mand wis­sen darf, dass Mag­gy nicht mehr bet­tel­arm ist, stiehlt sie zu teu­res Es­sen noch im­mer aus frem­den Ein­kaufs­kör­ben. Nach­dem ihr ehe­ma­li­ger Boss sie ent­las­sen hat, ar­bei­tet sie auf ei­ge­ne Rech­nung als Pri­vat­de­tek­ti­vin. Ihr ers­ter Kli­ent in die­sem Band ist ein Er­be, der da­von über­zeugt ist, dass sei­ne Schwes­ter den Schmuck der Mut­ter un­ter­schla­gen hat – und dem sei­ne Schwes­ter das Glei­che vor­wirft. Mag­gy Gar­ris­sons Ein­falls­reich­tum, ihr Scharf­sinn und ih­re Ab­ge­klärt­heit ma­chen sie zu ei­ner hin­rei­ßend glaub­wür­di­gen Fi­gur, ei­ner, die man in der Kn­ei­pe um die Ecke er­war­tet. Im Ver­gleich zum ers­ten Band hat sich Zeich­ner Sté­pha­ne Oi­ry ge­stei­gert: Das Cha­rak­ter­de­sign wirkt fei­ner, die Be­we­gun­gen flüs­si­ger, die Ge­sich­ter aus­drucks­vol­ler. Le­wis Trond­heim und er pro­du­zie­ren hier ei­ne wun­der­ba­re, schä­bi­ge, ver­reg­ne­te Rei­he, die sich Freun­de des Ro­man Noir nicht ent­ge­hen las­sen soll­ten.

LE­WIS TROND­HEIM, STÉ­PHA­NE OI­RY: Mag­gy Gar­ris­son – 2. Der Mann in mei­nem Bett Über­setzt von Re­sel Re­biersch schrei­ber&le­ser, 48 Sei­ten, 14,95 Eu­ro

JUAN DÍAZ CA­NA­LES, JUANJO GUAR­N­I­DO: Black­sad – Ge­samt­aus­ga­be Über­setzt von Ha­rald Sach­se Carl­sen, 304 Sei­ten, 49,99 Eu­ro

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