Hal­lo, was le­sen Sie ge­ra­de?

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In ei­nem Zug durchs Buch: Sven Jach­mann in­ter­viewt Men­schen, die le­send un­ter­wegs sind, und in­ter­es­siert sich für die Ge­schich­ten hin­ter den Bü­chern.

FERIT ÖGÜT liest „1984“von Ge­or­ge Or­well

Sie ge­hen be­stimmt nicht mehr zur Schu­le, war­um le­sen Sie die­sen Klas­si­ker? Ich kom­me aus der Tür­kei und viel­leicht kann ich mit dem Buch et­was ler­nen. Denn die Si­tua­ti­on dort ist sehr pro­ble­ma­tisch. Und ich fin­de, un­ser Prä­si­dent ist dem in dem Buch ziem­lich ähn­lich.

Dem­nach ist Er­do­gan An­lass, dass Sie „1984“le­sen? Auch, ja. Ich dach­te auch, es gä­be nicht so vie­le Par­al­le­len, aber jetzt, wo ich die Ge­schich­te le­se, fin­de ich da so ei­ni­ges. Was ist Ih­nen be­son­ders auf­ge­fal­len? In dem Buch wird die Spra­che der Men­schen im­mer wei­ter re­du­ziert. Die Po­li­ti­ker wol­len, dass die Men­schen sich sprach­lich nur auf das Nö­tigs­te be­schrän­ken. Wer we­nig Sprach­kennt­nis­se hat, denkt we­ni­ger. Das ist ei­ne Haupt­bot­schaft in die­sem Buch.

Und Sie fin­den, das ist in der Tür­kei ähn­lich? Nicht un­be­dingt ähn­lich, denn das Buch ist schon ex­trem. Die­se Ge­schich­te – 1984 – ist un­mög­lich. Aber: Wenn Po­li­ti­ker ta­ge­lang nur über zwei, drei Din­ge im Fern­se­hen spre­chen, dann fan­gen die Men­schen an, das zu glau­ben und zu ak­zep­tie­ren.

KAL­LE POLITZ liest „Die Schwal­be, die Kat­ze, die Rose und der Tod“von Hå­kan Nes­ser

Das Buch sieht so ge­braucht aus.

Ich ha­be es aus dem Schrank mei­ner El­tern ge­kramt. Mei­ne Mut­ter hat die Rei­he ge­le­sen. Ich hö­re gern Hörbü­cher und ha­be da auch schon ein paar da­von ge­hört und jetzt woll­te ich ihn auch mal le­sen.

Der lebt sehr von der At­mo­sphä­re, oder? Ab­so­lut. Der baut im­mer ei­ne Ge­schich­te um den Fall her­um auf. Und dann geht es auch viel um die Cha­rak­te­re. Ich fin­de es su­per ge­schrie­ben, sehr span­nend. Al­ler­dings auch mit Durst­stre­cken zwi­schen­drin, wo er denn auch ab­schweift.

Be­die­nen Sie sich re­gel­mä­ßig am Re­gal der El­tern? Im­mer mal wie­der. Wenn ich et­was Gu­tes su­che, fra­ge ich meis­tens mei­ne Mut­ter, weil sie ei­ne be­geis­ter­te Le­se­rin ist.

Leiht sich Ih­re Mut­ter auch mal von Ih­nen et­was?

Sel­ten, weil sie sehr viel mehr liest als ich und sich viel bes­ser aus­kennt. Wenn ich mal was Gu­tes ge­le­sen ha­be, emp­feh­le ich es ihr auch. Was dann aber nicht im­mer ih­ren Ge­schmack trifft.

ME­LA­NIE WINK­LER liest „Rausch­zei­chen – Can­na­bis: Al­les, was man wis­sen muss“von Stef­fen Gey­er War­um le­sen Sie ein Buch über Can­na­bis? Weil ich mit mei­nem 16 Jah­re al­ten Sohn ei­ne Dis­kus­si­on hat­te: Ist Can­na­bis schäd­lich, ja oder nein? Ich sa­ge, es ist schäd­lich und es ist die Ein­stiegs­dro­ge Num­mer eins. Mein Sohn sagt, es ist nicht schäd­lich. Er möch­te es pro­bie­ren und hat es auch schon ver­sucht.

Sind Sie be­un­ru­higt? Ja. Ich weiß nicht, ob sich die Zei­ten än­dern. Frü­her war es ganz nor­mal, dass man am Wo­che­n­en­de weg­ge­gan­gen ist und auch Al­ko­hol ge­trun­ken hat. Al­ler­dings ka­men wir auf dem Land mit Dro­gen nicht in Kon­takt und ich hät­te auch nicht ge­wusst, wo­her ich das be­kom­men soll. Aber heut­zu­ta­ge ist es ei­ne ganz an­de­re Zeit.

Sie könn­ten ja auch mit Ih­rem Sohn ge­mein­sam ei­nen Jo­int rau­chen.

Ich ha­be das ein­mal pro­biert und bin da­nach ein­ge­schla­fen. Ich hat­te auch ei­nen Kum­pel, der das re­gel­mä­ßig ge­nom­men hat. Er war da­mals 25. Es ist auch ei­ne Fra­ge des Al­ters und der Rei­fe im Kopf. Sind Kin­der mit 16 so reif im Kopf, dass sie an­de­re Sa­chen ver­wei­gern und nur Gras rau­chen? Des­we­gen woll­te ich mich mal in­for­mie­ren.

SA­RAH KASPAREK liest „Die To­re der Welt“von Ken Fol­let

Vie­le lie­ben Ken Fol­let für die­se Rei­he, wie se­hen Sie das?

Es ist span­nend, es ist ein Schmö­ker. Man kann den Kopf aus­schal­ten. Ich le­se es jetzt auch zum zwei­ten Mal. Beim ers­ten Mal war ich noch jün­ger. Das war vor dem Abi. Und ich neh­me das jetzt noch an­ders wahr. Das Ver­hält­nis zwi­schen dem klei­nen Mann und der Ob­rig­keit. Das ist für mich das Span­nen­de an dem Buch. Au­ßer­dem lie­be ich di­cke Bü­cher.

War­um müs­sen die Bü­cher dick sein? Ich kann das gar nicht so ge­nau sa­gen. Als Kind muss­ten es auch im­mer di­cke Bü­cher sein, dün­ne le­ge ich so­fort weg.

Sie le­sen haupt­säch­lich in der Bahn? Nicht nur, auch gern zu Hau­se. Ich ha­be kei­nen Fern­se­her und auch kein In­ter­net. Wir sind frisch um­ge­zo­gen und ha­ben uns noch kei­nen WLAN-An­schluss zu­ge­legt. Des­we­gen sind wir ge­ra­de ein biss­chen aus­ge­grenzt.

Wol­len Sie das nicht än­dern? Ei­gent­lich ist das ganz schön so. Man wird so ab­ge­lenkt von den gan­zen Me­di­en. Ich se­he mir die Nach­rich­ten auf dem Han­dy an, kau­fe mir mal ei­ne Zei­tung und auf der Ar­beit be­kom­me ich auch fast al­les mit. War­um soll ich mich dann noch zu Hau­se da­mit be­fas­sen? Da kann man doch schön ab­schal­ten mit so ei­nem Schmö­ker.

LARISSA VÄTH liest „Sungs La­den“von Ka­rin Ka­li­sa

Der Ti­tel klingt rät­sel­haft. Es geht um viet­na­me­si­sche Ein­wan­de­rer, die in Ber­lin le­ben. Der Sohn hat ei­ne in­ter­kul­tu­rel­le Wo­che an der Schu­le. Je­der soll sein Land vor­stel­len. Sei­ne Oma geht jetzt mit ihm in die Schu­le und sie hat in den Raum ge­schrien: „Good morning, Viet­nam.“

Wie im Film. Es ist sehr schön ge­schrie­ben. Es geht um ei­nen La­den und man merkt, dass die Ak­ti­on in der Schu­le in dem Vier­tel et­was be­wirkt. Ich mag Bü­cher, die et­was mit Glück zu tun ha­ben, oder mit Freund­schaft.

Ge­schich­ten aus dem Le­ben. Ich gu­cke auch ge­zielt nach Bü­chern jun­ger deut­scher Au­to­ren. Dann fo­to­gra­fie­re ich den Ti­tel, da­mit ich es nicht ver­ges­se.

Wie vie­le Bü­cher hast du denn auf dem Han­dy? Jetzt ha­be ich nur noch eins. Das ist von dem Song­wri­ter

Thees Uhl­mann. Da geht es um den Tod. Das soll zwar voll lus­tig sein, aber es war noch nicht die pas­sen­de Jah­res­zeit da­für. Manch­mal schi­cke ich auch mei­ner Mut­ter ein Foto. So tau­schen wir uns dann aus.

KON­RAD KALLENBACH liest „See­len­spal­ter“von Ju Ho­nisch

Sie ha­ben ein be­son­ders di­ckes Buch da­bei. Das ist ein Fan­ta­sy­buch, das ich mir vor­hin ge­kauft ha­be für die Fahrt. Ich ha­be eben erst an­ge­fan­gen. Es geht um ei­nen Stamm der As­sas­si­nen. Ich mag Fan­ta­sy. Der Au­tor denkt sich sei­ne ei­ge­ne Welt aus, das fin­de ich span­nend.

Wie lan­ge dau­ert Ih­re Zug­fahrt?

Ich bin noch fünf St­un­den im Zug. Ich will nach Braun­schweig.

Was wer­den Sie dort ma­chen?

Ich wer­de mir Ar­beit su­chen und mir über­le­gen, was ich ma­chen möch­te. Ich ha­be vor Kur­zem mein Stu­di­um be­en­det.

Es wer­den doch Fach­kräf­te über­all ge­sucht, vor al­lem im Sü­den. Das ist rich­tig, aber in Braun­schweig ha­be ich mei­ne gan­zen Freun­de und des­halb wür­de ich schon gern da blei­ben. Ich ha­be dort sechs Jah­re stu­diert. Da sind vie­le Ver­bin­dun­gen ent­stan­den, von de­nen ich mich nicht so ein­fach tren­nen möch­te.

PI­US GRAMMEL liest „Ca­len­dar Girl – Ver­führt: Ja­nu­ar/Fe­bru­ar/März“von Au­drey Car­lan

Was hat­ten Sie ge­dacht bei dem Ti­tel? Mei­ne Freun­din hat das ge­le­sen und ich ha­be es von ihr ge­lie­hen. Es ist ganz in­ter­es­sant. Ein Mä­del ar­bei­tet ein Jahr als Es­cort Girl, um die Spiel­schul­den ih­res Va­ters ab­zu­be­zah­len.

Was ist dar­an in­ter­es­sant? Sie kommt ih­rer ei­ge­nen Se­xua­li­tät auf die Sch­li­che, was sie mag und was nicht. Das Pro­blem ist, mei­ne Freun­din hat mir schon das En­de ver­ra­ten. Des­halb weiß ich, wie es aus­geht.

Spoi­ler. Das ist das Schlimms­te, was pas­sie­ren kann. Des­halb weiß ich, mit wem sie am En­de zu­sam­men­kommt. Das ist für mich auch das Blö­de, dass sie über­haupt mit je­man­dem zu­sam­men­kommt. Ich hät­te es bes­ser ge­fun­den, sie macht in dem ei­nen Jahr ih­re Er­fah­run­gen und geht ih­ren Weg wei­ter.

Wo müs­sen Sie heu­te noch hin? Nach Stutt­gart. Ich be­su­che mei­ne Freun­din übers Wo­che­n­en­de.

Dann kön­nen Sie ihr mal die Le­vi­ten le­sen. Ge­nau, nie das En­de ver­ra­ten!

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