Won­der­wo­men

Bücher Magazin - - Inhalt - VON SON­JA HARTL

Su­per­hel­din­nen im Kino

An­läss­lich un­se­res Dos­siers hat un­se­re Film­spe­zia­lis­tin sich in die­ser Kino-Ko­lum­ne das Ge­schlech­ter­ver­hält­nis im Su­per­hel­den-Kino ein­mal ge­nau­er an­ge­schaut.

76 Jah­re hat es ge­dau­ert, bis Won­der Wo­man in ih­rem ei­ge­nen Film auf der Ki­n­o­lein­wand zu se­hen war, die ers­te Su­per­hel­din und ei­ne der äl­tes­ten Fi­gu­ren des DC-Co­mic-Ver­lags. Das Jahr 2017 ist es al­so, in dem nicht nur das zwei­te Re­boot von „Spi­der­man“und be­reits der drit­te Film mit Thor star­tet, son­dern auch Hoff­nung auf­kommt, dass sich die Su­per­hel­den­co­mi­c­ver­fil­mun­gen end­lich ih­res „Frau­en­pro­blems“an­neh­men. Zur bes­se­ren Ei­n­ord­nung: Su­per­man trat im Kino erst­mals be­reits 1948 auf, Bat­man 1989 und vo­ri­ges Jahr star­te­te das drit­te Mal ei­ne Ki­no­film­rei­he mit dem Fle­der­maus­mann.

Si­cher­lich liest sich die Ge­schich­te von Su­per­hel­din­nen auf der Ki­n­o­lein­wand nicht ge­ra­de op­ti­mis­tisch: Nach­dem „Su­per­man III“1983 an den Ki­no­kas­sen ent­täusch­te, soll­te mit „Su­per­girl“(1984) das Fran­chise fort­ge­setzt wer­den, aber der Film spiel­te zu we­nig Geld ein und setz­te da­mit vor­erst jeg­li­chen Ver­su­chen von Su­per­hel­din­nen­fil­men ein En­de. Da ist es fast mü­ßig zu er­wäh­nen, dass es von Su­per­man na­tür­lich trotz Ki­no­kas­sen­flop noch ei­nen vier­ten Film gab. Die Su­per­hel­din­nen blie­ben in­des erst ein­mal Bei­werk, dar­an konn­te 1992 auch Mi­chel­le Pfeif­fers wun­der­ba­re Cat­wo­man in Tim Bur­tons „Bat­man“nichts än­dern. Erst 2004 gab es mit Hal­le Ber­ry ei­nen we­nig ge­lun­ge­nen Ver­such, die­se Fi­gur ei­gen­stän­dig zu eta­blie­ren. Bei Mar­vel sieht es auch nicht bes­ser aus: die fa­mo­se Je­an Grey aus dem X-Men-Uni­ver­sum wur­de 2006 in „Der letz­te Wi­der­stand“ver­pul­vert, wäh­rend Wol­veri­ne 2017 be­reits sei­nen drit­ten Stan­da­lo­ne-Film be­kom­men hat.

Aber nun gibt es ja „Won­der Wo­man“. Der Film spiel­te – Stand Ok­to­ber 2017 – welt­weit rund 821 Mil­lio­nen Dol­lar ein und ist ge­mes­sen an den US-Ein­spiel­ergeb­nis­sen der fünfter­folg­reichs­te Su­per­hel­den­film al­ler Zei­ten. Da­mit wur­de al­so end­lich be­wie­sen, dass ei­ne Co­mi­c­ver­fil­mung mit ei­ner weib­li­chen Haupt­fi­gur an den Ki­no­kas­sen funk­tio­nie­ren kann. Und das ist wich­tig. Man mag das Feh­len ei­ner Su­per­hel­din in die­sem Fran­chise für ei­ne Klei­nig­keit hal­ten, aber sie do­mi­nie­ren im­mer noch an den Ki­no­kas­sen und Re­prä­sen­ta­ti­on ist wich­tig. Des­halb muss es nicht-wei­ße, nicht-männ­li­che Su­per­hel­den ge­ben, die auch mal die Welt ret­ten dür­fen. In „Won­der Wo­man“gibt es da zu­dem die­se wun­der­ba­re, wohl­tu­en­de Sze­ne, in der sich zeigt, dass ih­re Stär­ke nicht nur in ih­rer Phy­sis, ih­rer Kamp­f­er­fah­rung oder ih­rem Aus­se­hen liegt, nein: Weil sie in ei­ner Ge­sell­schaft auf­ge­wach­sen ist, die nur aus Frau­en be­steht, ver­steht sie nicht, war­um sie sich an ei­ner Dis­kus­si­on un­ter Män­nern nicht be­tei­li­gen soll­te, wenn sie doch et­was zu sa­gen hat. Sie lässt sich nicht in die zwei­te Rei­he ver­wei­sen, sie lässt sich nicht den Mund ver­bie­ten.

Si­cher­lich ist „Won­der Wo­man“nicht per­fekt – ge­ra­de im Hin­blick auf Di­ver­si­tät. Aber sie hat nun Mäd­chen und Frau­en über­all auf der Welt ge­zeigt, dass auch sie Hel­din­nen sein und in der ers­ten Rei­he ste­hen kön­nen. Am 16. No­vem­ber wird sie in „Justi­ce Le­ague“wie­der im Kino sein – und im Jahr 2018 be­kommt end­lich auch Je­an Grey mit „X-Men: Dark Pho­enix“ih­ren ei­ge­nen Film.

WON­DER WO­MAN War­ner Ho­me Vi­deo, 136 Min./1 DVD, ca. 14,99 Eu­ro, ab 12

Der­zeit im Kino: In „Justi­ce Le­ague“kämpft Won­der Wo­man zu­sam­men mit ih­ren männ­li­chen Kol­le­gen im Su­per­hel­den­team

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