Re­zen­sio­nen

Ja­kobs­lei­ter

Bücher Magazin - - Inhalt - Über­setzt von Gan­na-Ma­ria Braun­gardt

Es ist nicht das Le­ben, von dem sie ge­träumt ha­ben. Ma­russ­ja, Ja­kow, ihr Sohn Gen­rich, des­sen Toch­ter No­ra und die an­de­ren ha­ben Träu­me. Je­doch kön­nen sie nur Bruch­tei­le da­von ver­wirk­li­chen; ein her­bei­ge­sehn­tes Fa­mi­li­en­le­ben fin­det kaum statt. Die Er­zäh­lung be­ginnt mit dem Tod von No­ras Groß­mut­ter Ma­russ­ja und en­det an dem Punkt, an dem No­ra Brie­fe ih­rer Groß­el­tern zum ers­ten Mal liest. Ljudmila Ulitzkaja hat ei­nen Brief­wech­sel ih­rer ei­ge­nen Groß­el­tern zu ei­nem Ro­man vor dem Hin­ter­grund rus­si­scher und so­wje­ti­scher Ge­schich­te ver­ar­bei­tet. Sie wech­selt Brie­fe mit Er­zäh­lung ab und geht da­bei nicht chro­no­lo­gisch vor. An­hand der fik­ti­ven Fa­mi­li­en­ge­schich­te ent­steht ei­ne Ja­kobs­lei­ter, die die Au­to­rin selbst als Lei­ter der Er­kennt­nis be­schreibt. Die jü­di­sche, so­wje­ti­sche so­wie rus­si­sche Kul­tur spie­len in der Sinn­su­che der Prot­ago­nis­ten eben­so ei­ne Rol­le wie wech­seln­de Ideo­lo­gi­en und Staats­dok­trin. Ja­kow wird et­wa mehr­fach ver­bannt und für vie­le Jah­re von Frau und Kind ge­trennt. Die an­fangs häu­fi­gen und in­ni­gen Brie­fe wer­den sel­te­ner, nüch­ter­ner. Brief­mar­ken, so Ja­kow, hal­ten kei­ne Ehe zu­sam­men. Ulitz­ka­jas Blick für die klei­nen Din­ge macht die gro­ßen an­ge­spro­che­nen The­men aus der Nä­he er­fahr­bar. Ei­ne Fa­mi­li­en- und Lan­des­ge­schich­te, die un­mit­tel­bar zum Nach­den­ken an­regt. (mel)

Klug kon­stru­ier­te und ein­drück­li­che Er­zäh­lung über Ent­frem­dung, Zu­ver­sicht und Ver­gäng­lich­keit.

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