Re­zen­sio­nen Ro­ma­ne

Nach Mit­ter­nacht

Bücher Magazin - - Inhalt - Mit Li­sa Wa­gner, Tho­mas Wo­di, Han­sPe­ter Hall­wachs u. a.

Na­zi­deutsch­land 1936. San­na, ei­ne jun­ge Frau, be­ob­ach­tet die wach­sen­de Hit­le­reu­pho­rie dis­tan­ziert. Bis ih­re miss­güns­ti­ge Tan­te ei­nen nai­ven Kom­men­tar zu dem all­ge­mei­nen Füh­rer-Ge­tö­se als Spott aus­legt und sie an­zeigt. Von nun an ver­engt sich ih­re Le­bens­si­tua­ti­on. Auch ihr Freund Franz wird Op­fer von Ver­leum­dun­gen. Keun schrieb die­sen Ro­man, in dem sie die Hin­ter­grün­de der ei­ge­nen Flucht ver­ar­bei­tet, 1937, kurz nach ih­rem Gang ins Exil. Prä­zi­se pro­to­kol­liert sie dar­in, wie die bür­ger­li­che Mit­te schon früh vom Po­li­zei­staat in­fil­triert ist, wie In­tri­gen quer durch die Fa­mi­li­en ge­hen und die NS-Herr­schaft von ganz al­lein fes­ti­gen. Die­se In­tri­gen prä­gen auch das Hör­spiel, in dem die Prot­ago­nis­tin häu­fig wie ei­ne Re­por­te­rin die Sze­nen kom­men­tiert, die sich hin­ter ihr er­eig­nen. Li­sa Wa­gner ver­leiht San­na da­bei al­ler­dings ei­ne et­was zu wei­ner­li­che Stim­me. Die akus­ti­sche Ins­ze­nie­rung ist je­doch ge­konnt spar­sam, so reicht das Ti­cken ei­ner Wand­uhr, um ei­ne At­mo­sphä­re der Be­klom­men­heit zu schaf­fen. Die­ses schlan­ke Ar­ran­ge­ment trägt viel zur Span­nung so­wie zu Keuns fei­nem Zy­nis­mus bei und ver­leiht der Ge­schich­te ei­ne fri­sche Wir­kung. (mms)

Span­nen­des, schlank in­sze­nier­tes Hör­spiel nach Irm­gard Keuns Exil­ro­man. Über­zeugt durch sei­ne prä­zi­se Ana­ly­se.

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