UL­LA HAHN

Wir wer­den er­war­tet

Bücher Magazin - - Romane - Deut­sche Ori­gi­nal­aus­ga­be

Noch ein­mal er­greift Hil­la Palm das Wort, „Ar­bei­ter­kind aus Don­dorf am Rhein, ka­tho­lisch ge­tauft und er­zo­gen“. Doch jetzt, im vier­ten Band des Ro­man­epos, hat sich die Glau­bens­be­reit­schaft der Ro­man­hel­din ver­la­gert. Nach dem Un­fall­tod des ge­lieb­ten Hu­gos, mit gro­ßer er­zäh­le­ri­scher Meis­ter­schaft dar­ge­stellt, fällt es Hil­la schwer, an das Gu­te zu glau­ben, das bis­her „Der­dao­ben“re­prä­sen­tier­te. Heil und Ret­tung für sich und die Welt glaubt Hil­la, die nun­mehr in Ham­burg stu­diert und in ei­ner Wohn­ge­mein­schaft lebt, in den Ver­spre­chun­gen so­zia­lis­ti­scher Ide­en zu er­ken­nen. Sie tritt in die DKP ein, kämpft für Sand­kis­ten und ge­gen Miet­wu­cher und fühlt sich ganz auf der rich­ti­gen Sei­te – bis die Zwei­fel be­gin­nen, die Un­ge­reimt­hei­ten nicht mehr zu leug­nen sind. Nicht zu­letzt ei­ne Rei­se zu den wah­ren Ge­nos­sen in der DDR und die Be­ob­ach­tun­gen dort brin­gen Ent­täu­schung und Er­nüch­te­rung. Um die Fra­ge sich selbst be­ant­wor­ten zu kön­nen, wes­halb sie, Ul­la Hahn, sich auf die­sen Irr­pfad be­ge­ben konn­te, hat sie die­ses Mam­mut­pro­jekt be­gon­nen. „Al­ler­dings“, so äu­ßer­te sie kürz­lich, „hät­te ich ge­wusst, dass es 20 Jah­re in An­spruch neh­men wür­de, hät­te ich die Fin­ger da­von ge­las­sen.“In die­sem Fall: ein Se­gen für die Le­ser, dass nicht al­les vor­her­seh­bar ist. So ent­stand ein höchst an­schau­li­ches Panorama je­ner Jah­re. (sti)

Ein gro­ßer Bil­dungs­ro­man und zu­gleich ein de­tail­ge­nau­er Blick auf die Po­lit­sze­ne der Sieb­zi­ger­jah­re.

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