VIRGINIE DESPENTES

Das Le­ben des Ver­non Su­butex

Bücher Magazin - - Romane - DER AU­DIO VER­LAG, un­ge­kürz­te Le­sung, 657 Mi­nu­ten/1 MP3-CD, 22 Eu­ro

Su­butex ist ein Er­satz­stoff für He­ro­in, sanf­ter als Metha­don, heißt es, ein Stoff, der kei­nen Rausch ge­währt, son­dern ge­ra­de das Nach­las­sen der Schmer­zen. Viel­leicht hat Virginie Despentes den Na­men ge­wählt, weil ihr Prot­ago­nist sei­ne gro­ßen Zei­ten hin­ter sich hat. Die Rock­band, in der er spiel­te, trenn­te sich im Streit, sein Plat­ten­la­den fiel der Di­gi­ta­li­sie­rung zum Op­fer. Sei­ne Mie­te be­zahl­te Alex Bleach, der Sän­ger der Band, der ein Star ge­wor­den ist. Nach des­sen Tod ver­liert Ver­non sei­ne Woh­nung. Er kriecht bei al­ten Be­kann­ten un­ter, bei Frau­en, die er ver­führt. Despentes zeigt den Qu­er­schnitt ei­ner Ge­ne­ra­ti­on, die Träu­me auf­ge­ge­ben und Si­cher­hei­ten ver­lo­ren hat. Sie por­trä­tiert ei­ne Pun­kBas­sis­tin, die jetzt Ver­wal­tungs­fach­an­ge­stell­te ist, ei­nen Fa­mi­li­en­va­ter, der sei­ne Frau schlägt, ei­ne ehe­ma­li­ge Dea­le­rin, die ihr Geld da­mit ver­dient, Pro­mi­nen­te in den so­zia­len Me­di­en nie­der­zu­ma­chen … und mit­ten­drin Su­butex, des­sen Charme sich lang­sam ab­nutzt. Je­des die­ser Por­träts ist kom­plex und stark, Despentes’ Spra­che hart und schön. Egal, in wes­sen Kopf wir uns ge­ra­de be­fin­den, Jo­hann von Bü­low trifft ge­nau den rich­ti­gen Ton. Und ver­mei­det oben­drein den Feh­ler, Frau­en mit ver­stell­ter Stim­me zu le­sen. (ed)

Ge­le­sen von Jo­hann von Bü­low

Ei­ne klu­ge Ge­schich­te, von ih­rem Spre­cher per­fekt in­ter­pre­tiert. In je­der Hin­sicht groß­ar­tig.

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