CA­RO­LIN EMCKE

Ge­gen den Hass

Bücher Magazin - - Romane - Ge­le­sen von Ni­na Kun­zen­dorf

„Dem Hass be­geg­nen lässt sich nur, in­dem man sei­ne Ein­la­dung, sich ihm an­zu­ver­wan­deln, aus­schlägt. Es gilt zu mo­bi­li­sie­ren, was den Has­sen­den ab­geht: ge­nau­es Be­ob­ach­ten, nicht nach­las­sen­des Dif­fe­ren­zie­ren und Selbst­zwei­fel.“Das Zitat aus dem Es­say von Ca­ro­lin Emcke, die 15 Jah­re lang Kri­sen­re­gio­nen welt­weit be­reis­te, ist die Quint­es­senz. Sie will Denk­an­stö­ße lie­fern, da­mit wir De­mo­kra­tie, Hu­ma­nis­mus und ei­ne of­fe­ne Ge­sell­schaft ver­tei­di­gen kön­nen. Dank Ni­na Kun­zen­dorf, die manch­mal et­was un­ge­nau und leicht brü­chig, so aber um­so ein­dring­li­cher und au­then­ti­scher liest, er­weist sich die Hör­fas­sung bes­ser als die Le­se­fas­sung. Fünf St­un­den lang lie­fert die Au­to­rin vie­le wich­ti­ge An­sät­ze, um et­wa den­je­ni­gen zu be­geg­nen, die Mei­nungs­frei­heit nur für sich selbst ein­for­dern. Mir per­sön­lich schaut sie nicht weit ge­nug hin­ter die Fas­sa­de des Has­ses, for­dert je­doch Dif­fe­ren­zie­rung und Ge­nau­ig­keit ge­gen Rechts­den­ken­de und Fa­na­ti­ker. Er­reicht da­mit aber doch nur, dass sich die Ver­tei­di­ger von To­le­ranz und Of­fen­heit be­stä­tigt se­hen. Wer has­sen will, hört die­ses Hör­buch nicht. Wenn aber nur ein Zweif­ler über­zeugt wer­den kann, ist schon viel ge­won­nen. (rw)

Ein wich­ti­ges Hör­buch für al­le, die je­den Men­schen als In­di­vi­du­um se­hen und sei­nen Fein­den Pa­ro­li bie­ten wol­len.

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