Man­cher Hüh­ner­stall steht im­mer noch leer

We­gen des Fi­pro­nil-Skan­dals wer­den Eier teu­rer

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Blick In Die Welt - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter El­mar Ste­phan

Han­no­ver/Ber­lin. Schon vor Wo­chen sind Eier teu­rer ge­wor­den. Das liegt aber nicht an den be­vor­ste­hen­den Os­ter­ta­gen, son­dern am Mo­na­te zu­rück­lie­gen­den Fi­pro­nil-Skan­dal. Im Som­mer wa­ren Eier mit dem gif­ti­gen In­sek­ten­schutz­mit­tel im Han­del ent­deckt wor­den, erst in den Nie­der­lan­den, dann auch in Deutsch­land und wei­te­ren Län­dern. Das hät­te ei­gent­lich nie pas­sie­ren dür­fen: Die Ver­wen­dung von Fi­pro­nil bei Tie­ren, die Le­bens­mit­tel lie­fern, ist in der EU ver­bo­ten.

Die ge­fun­de­nen Men­gen wa­ren zwar ge­ring und Ge­sund­heits­ge­fah­ren bei üb­li­chen Ver­zehr­men­gen wohl kaum zu be­fürch­ten. Ver­brau­cher spü­ren aber bis heute die Aus­wir­kun­gen, denn Eier sind seit­dem knap­per ge­wor­den – und seit Jah­res­be­ginn auch ein we­nig teu­rer. „Das Fi­pro­nil hat man noch nicht aus al­len Stäl­len her­aus­be­kom­men“, er­klärt Ali­ne Ve­aut­hier, Ge­schäfts­füh­re­rin des Wis­sen­schafts­zen­trums Nach­hal­ti­ge Ge­flü­gel­wirt­schaft an der Uni Vech­ta. Des­halb fal­len ei­ni­ge Pro­du­zen­ten im­mer noch aus, vor al­lem in den Nie­der­lan­den. Von dort kommt et­wa je­des vier­te in Deutsch­land ver­kauf­te Ei.

Hüh­ner­hal­ter hat­ten ei­nem Pa­ra­si­ten den Gar­aus ma­chen wol­len, der den Tie­ren schwer zu schaf­fen ma­chen kann und der schwer zu be­kämp­fen ist: der Ro­ten Vo­gel­mil­be. Ein An­bie­ter hat­te den Be­trie­ben ein Mit­tel zur Rei­ni­gung der Stäl­le ver­kauft, das die Mil­be wun­der­bar in Schach hielt. Was die Käu­fer nicht wuss­ten: Dem Mit­tel „De­ga 16“war il­le­ga­ler­wei­se Fi­pro­nil bei­ge­mischt.

Zum Skan­dal wur­de das Pro­blem auch des­halb, weil die zu­stän­di­gen Be­hör­den zu­min­dest an­fangs ver­zö­gert und un­zu­rei­chend in­for­mier­ten. Laut Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um wa­ren al­lein in Deutsch­land letzt­lich 192 Be­trie­be be­trof­fen.

Die EU-Agrar­mi­nis­ter und die EUKom­mis­si­on ei­nig­ten sich dar­auf, das Schnell­warn­sys­tem für Le­bens­mit­tel und Fut­ter­mit­tel wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Au­ßer­dem soll die Amts­hil­fe zwi­schen den Län­dern für sol­che Fäl­le ver­bes­sert wer­den. Ver­brau­cher­schüt­zer for­dern auch in­ner­halb Deutsch­lands Ver­bes­se­run­gen. Bun­des­be­hör­den und Län­der müss­ten sich für die Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on bes­ser ver­zah­nen, sagt die Re­fe­ren­tin für Le­bens­mit­tel­po­li­tik beim Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band, Jut­ta Jak­sche. An­ge­kün­digt sind auch Ver­bes­se­run­gen der In­fo-Sei­te „Le­bens­mit­tel­war­nung.de“. Die­se sei bis­lang nicht ver­brau­cher­ge­recht, sagt Jak­sche. Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag sei nun aber fest­ge­legt, dass nach­ge­bes­sert wer­den sol­le.

UNAPPETITLICH: Ge­wal­ti­ge Men­gen Eier wur­den im Som­mer ver­nich­tet. Fo­to: dpa

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