Die Büh­ne war ihr Le­ben

Ers­te Grand Prix-Ge­win­ne­rin Lys As­sia ge­stor­ben

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Blick In Die Welt -

Ge­fähr­li­che Mes­ser­at­ta­cken

Burg­we­del/Bochum (dpa). Mes­ser­at­ta­cken von Ju­gend­li­chen ha­ben in jüngs­ter Zeit mehr­fach Ent­set­zen aus­ge­löst, am Wo­che­n­en­de gab es neue blu­ti­ge Vor­fäl­le. In Burg­we­del in Nie­der­sach­sen wur­de ei­ne 24-Jäh­ri­ge auf of­fe­ner Stra­ße nie­der­ge­sto­chen, tat­ver­däch­tig sind laut Po­li­zei ein 14 und ein 17 Jah­re al­ter Jun­ge. Der Zu­stand der Frau ist kri­tisch. In Bochum soll ein 16-Jäh­ri­ger ei­nen 15-Jäh­ri­gen mit ei­nem Mes­ser schwer ver­letzt ha­ben. Tat­ver­däch­ti­ge in bei­den Fäl­len sind Sy­rer.

Der Atta­cke in Burg­we­del bei Han­no­ver war ein Streit der Frau und ih­res 25-jäh­ri­gen Be­glei­ters mit zwei 13 und 14 Jah­re al­ten Jun­gen vor­aus­ge­gan­gen, der zu­nächst fried­lich ver­lief. Spä­ter tra­fen die Kon­tra­hen­ten aber er­neut auf­ein­an­der, in­zwi­schen hat­te sich ein 17-Jäh­ri­ger zu den bei­den Jun­gen ge­sellt. Er soll nach An­ga­ben der Staats­an­walt­schaft auf die Frau ein­ge­sto­chen ha­ben. Die An­grei­fer wur­den kur­ze Zeit spä­ter ge­fasst, die Po­li­zei er­mit­telt we­gen ver­such­ter Tö­tung. Zu­vor hat­ten in Han­no­ver drei Mas­kier­te ei­nen 17-Jäh­ri­gen in Han­no­ver über­fal­len und ihm ein Mes­ser ins Bein ge­rammt. Der Jun­ge hat­te sich ge­wei­gert, sein Han­dy raus­zu­rü­cken, wie die Po­li­zei mit­teil­te. Er wur­de schwer ver­letzt ins Kran­ken­haus ge­bracht. Das Trio, das nach Zeu­gen­aus­sa­gen ak­zent­frei Hoch­deutsch sprach, kön­ne auch für ei­nen wei­te­ren Über­fall ver­ant­wort­lich sein, hieß es.

Mit fast 90 woll­te es Schla­ger­di­va Lys As­sia noch ein­mal wis­sen: Die Schwei­ze­rin, die den ers­ten Eu­ro­vi­si­on Song Con­test 1956 ge­won­nen hat­te, be­warb sich vor ein paar Jah­ren wie­der um die Teil­nah­me, un­ter an­de­rem mit ei­ner Rap­per-BoyGroup, de­ren Mit­glie­der ih­re Uren­kel hät­ten sein kön­nen. Mit Sprü­chen wie „Hel­lo, how is the flow?“– et­wa: na, was läuft so? – gab sie im ge­mein­sa­men Mu­sik­vi­deo die coo­le Oma – aber schei­ter­te gleich in der Vor­aus­wahl. „Mir ge­nügt es schon, wie­der ein we­nig da­bei zu sein und Eu­ro­vi­si­ons-Luft zu spü­ren, das ist wun­der­schön“, sag­te sie da­mals. Jetzt ist sie im Al­ter von 94 Jah­ren in Zü­rich ge­stor­ben.

„Lys hat sich bis zu­letzt wie ein Welt­star ge­ge­ben“, sag­te tief­trau­rig ihr lang­jäh­ri­ger Weg­ge­fähr­te, Je­an Ei­chen­ber­ger. Er ha­be ver­gan­ge­ne Wo­che noch mit As­sia te­le­fo­niert und ih­ren Da­ckel Cin­dy in Ob­hut ge­nom­men. „Ich füh­le, dass ich ge­hen muss“, ha­be sie zu­letzt öf­ter ge­sagt.

Mit dem Ope­ret­ten­hit „O mein Pa­pa“lan­de­te As­sia, mit bür­ger­li­chem Na­men Ro­sa Mi­na Schä­rer, 1950 ih­ren ers­ten Hit. Den Sieg beim ers­ten Song Con­test, der da­mals noch Grand Prix Eu­ro­vi­si­on de la Chan­son hieß, schaff­te sie 1956 mit dem Lied „Re­frain“. Da­bei setz­te sich die char­man­te Schwei­ze­rin in Lu­ga­no un­ter an­de­rem ge­gen Fred­dy Quinn („Heim­weh“) durch.

Nach ih­rer ers­ten Ehe – der Mann starb nach neun Mo­na­ten – war sie 1958 auf ei­nem Hö­he­punkt ih­rer Kar­rie­re an­ge­langt. Bis 1964 brach­te As­sia aber noch meh­re­re Plat­ten her­aus, die es teils in die Hit­pa­ra­den schaff­ten.

Die letz­te deut­sche Plat­zie­rung er­reich­te sie 1962 mit „Ster­ne von Sy­ra­kus“. Ei­ne lan­ge Kar­rie­re­pau­se folg­te auf die Hoch­zeit mit dem dä­ni­schen Mul­ti­mil­lio­när Os­car Pe­der­sen. „Sie rief mich da­mals an und sag­te, ich ha­be drei Män­ner, die mich hei­ra­ten wol­len, wel­chen soll ich neh­men?“, er­zähl­te Ei­chen­ber­ger. „Ich ha­be ihr ge­sagt: Nimm den reichs­ten.“As­sia zog in die Hei­mat ih­res Ehe­manns. Bis er 1995 bei ei­nem Un­fall starb, be­trieb sie mit ihm Ho­tels in Eu­ro­pa, Ja­pan und Süd­ame­ri­ka.

Zum zwei­ten Mal Wit­we, ließ sich die Mu­si­ke­rin zu­nächst in Süd­frank­reich nie­der. Aber das Show­ge­schäft reiz­te sie so sehr, dass sie auf die Büh­ne zu­rück­kehr­te. Bei Kon­zer­ten – un­ter an­de­rem 2002 in Ham­burg und Bre­men – wur­de sie ge­fei­ert. Bis 2008 folg­ten noch drei Al­ben mit neu­en Lie­der, ih­ren Ol­dies so­wie Co­ver­ver­sio­nen – dar­un­ter La­le An­der­sens „Ein Schiff wird kom­men“. As­sia hat­te ei­ne Toch­ter aus ers­ter Ehe, wie Ei­chen­ber­ger sagt. Die bei­den hät­ten aber we­nig Kon­takt ge­habt.

Noch vor we­ni­gen Mo­na­ten gab sie der Schwei­zer Bou­le­vard­zei­tung „Blick“ein letz­tes In­ter­view: „Das Le­ben ist zu kurz, um es mit un­wich­ti­gen Din­gen zu ver­brin­gen“, gab sie als Le­bens­weis­heit zum Bes­ten. „Lei­der merkt man das aber meist erst im Nach­hin­ein.“

Chris­tia­ne Oel­rich/Tho­mas Bur­meis­ter

GERN IM RAMPENLICHT: Lys As­sia bei ei­nem ih­rer letz­ten Auftritte 2012. Fo­to: dpa

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