Das A und O für je­den Ver­trag

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Die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB) kön­nen ei­nen Un­ter­neh­mer vor dem To­tal­ver­lust ei­ge­ner For­de­run­gen be­wah­ren. Sie soll­ten des­halb zur Grund­la­ge al­ler Ver­trags­ab­schlüs­se ge­macht wer­den. Was da­bei be­ach­tet wer­den soll­te, er­klärt Bernd Dru­mann, Ge­schäfts­füh­rer Bre­mer In­kas­so.

In sei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen trifft ein Un­ter­neh­mer zum Bei­spiel Re­ge­lun­gen be­züg­lich der Zah­lungs­mo­da­li­tä­ten, des Ei­gen­tums­vor­be­hal­tes, zu Lie­fer­zei­ten, dem ge­nau­en Leis­tungs­um­fang so­wie für an­de­re, für die Ge­schäfts­ab­wick­lung wich­ti­ge Be­rei­che. Schließt er dann Ver­trä­ge mit Kun­den auf der Grund­la­ge die­ser Ge­schäfts­be­din­gun­gen, so sind sie (für bei­de Sei­ten) bin­dend.

Da kein Un­ter­neh­men dem an­de­ren gleicht, ist es so wich­tig, die ei­ge­nen All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen sorg­fäl­tig zu for­mu­lie­ren, bes­ser, sie sich for­mu­lie­ren zu las­sen. In der heu­ti­gen Zeit gibt es für al­le Bran­chen di­ver­se AGB-Vor­la­gen zum Down­load im In­ter­net. Aber die­se Vor­la­gen soll­te man nie­mals oh­ne ge­naue Über­prü­fung ein­fach über­neh­men. Be­ra­tung und Un­ter­stüt­zung zu die­sem The­ma bie­ten auch Kam­mern und Be­rufs­ver­bän­de, zu­meist al­ler­dings nur den Mit­glieds­un­ter­neh­men. Wer ganz auf Num­mer si­cher ge­hen möch­te, soll­te sich sei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen in­di­vi­du­ell von ei­nem An­walt for­mu­lie­ren las­sen.

Nach mei­ner lang­jäh­ri­gen Er­fah­rung ist die Ver­ein­ba­rung über den nor­ma­len und den ver­län­ger­ten Ei­gen­tums­vor­be­halt wohl die wich­tigs­te Re­ge­lung, die die ei­ge­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen ent­hal­ten soll­ten.

Der nor­ma­le Ei­gen­tums­vor­be­halt si­chert ei­nem Un­ter­neh­mer so lan­ge das Ei­gen­tum an ei­ner Sa­che, bis die­se voll­stän­dig be­zahlt wur­de. Das gilt auch dann, wenn sich die Sa­che schon im Be­sitz des Käu­fers be­fin­det. Bei ei­ner Kun­den­in­sol­venz kommt das dann fol­gen­der­ma­ßen zum Tra­gen: Wenn der In­sol­venz­ver­wal­ter nicht be­reit ist, den (un­ge­kürz­ten) rest­li­chen Kauf­preis zu zah­len, kann der Un­ter­neh­mer vom Ver­trag zu­rück­tre­ten und ein so ge­nann­tes Aus­son­de­rungs­recht gel­tend ma­chen. Er kann dann als Ei­gen­tü­mer der Sa­che vom In­sol­venz­ver­wal­ter die Her­aus­ga­be ver­lan­gen, oh­ne als Gläu­bi­ger am In­sol­venz­ver­fah­ren teil­neh­men zu müs­sen.

Der ver­län­ger­te Ei­gen­tums­vor­be­halt stellt ei­ne Er­wei­te­rung des nor­ma­len Ei­gen­tums­vor­be­hal­tes dar. Das heißt, der Kun­de kann die Wa­re schon ver­ar­bei­ten oder wei­ter ver­äu­ßern, was ja ein durch­aus üb­li­ches Ge­ba­ren im Ge­schäfts­le­ben dar­stellt, und zwar auch dann, wenn sie noch gar nicht voll­stän­dig be­zahlt ist. Bis das aber der Fall ist, er­wirbt der Lie­fe­rant durch oben ge­nann­te Re­ge­lung (un­ter Um­stän­den an­tei­lig) das Ei­gen­tum an der neu her­ge­stell­ten Sa­che. Bei ei­nem Wei­ter­ver­kauf der ge­lie­fer­ten Wa­re oder der aus die­ser Wa­re her­ge­stell­ten Sa­che, gibt er zwar das Ei­gen­tum dar­an auf, er­wirbt da­für aber im Ge­gen­zug (un­ter Um­stän­den an­tei­lig) die For­de­rung des Kun­den ge­gen den Käu­fer. Der Un­ter­neh­mer bleibt so (mehr oder we­ni­ger) den­noch ab­ge­si­chert.

Hat man das Pech, dass es bei ei­nem Kun­den zur In­sol­venz kommt, steht man als Gläu­bi­ger, der sich den ver­län­ger­ten Ei­gen­tums­vor­be­halt ge­si­chert hat, noch ganz gut dar. Der In­sol­venz­ver­wal­ter ist zwar da­zu be­rech­tigt, das ‚Si­che­rungs­gut‘ (al­so die ver­ar­bei­te­te Wa­re oder die For­de­rung aus dem Wei­ter­ver­kauf) durch Ve­r­äu­ße­rung oder durch Ein­zie­hung zu ver­wer­ten, aber man ist als Gläu­bi­ger mit ver­län­ger­tem Ei­gen­tums­vor­be­halt vor den an­de­ren Gläu­bi­gern aus dem Er­lös zu be­frie­di­gen. Der In­sol­venz­ver­wal­ter darf je­doch zu­vor noch ei­ne Pau­scha­le von vier Pro­zent vom Er­lös als Fest­stel­lungs­kos­ten so­wie cir­ca fünf Pro­zent für Kos­ten der Ver­wer­tung gel­tend ma­chen.

Sind die Ge­schäfts­be­din­gun­gen nicht kla­rer Be­stand­teil der ab­ge­schlos­se­nen Ver­trä­ge, nüt­zen al­le noch so sorg­fäl­tig aus­ge­ar­bei­te­ten For­mu­lie­run­gen nichts. Und hier­bei ist nun ganz wich­tig, dass be­reits vor Ver­trags­ab­schluss – wie zum Bei­spiel im An­ge­bot – der Hin­weis an den Kun­den er­geht, dass die Lie­fe­rung oder Leis­tung auf der Ba­sis der Ge­schäfts­be­din­gun­gen (die den nor­ma­len und ver­län­ger­ten Ei­gen­tums­vor­be­halt ent­hal­ten soll­ten) er­bracht wird. Die AGB erst­ma­lig in der Auf­trags­be­stä­ti­gung zu er­wäh­nen, kann schon pro­ble­ma­tisch sein, wenn der Kun­de dem nicht zu­ge­stimmt hat. Und al­lei­ne der Hin­weis in Rech­nun­gen ist in der Re­gel schon gar nicht aus­rei­chend. Nur wenn die AGB auch bei Ver­trags­ab­schluss ein­be­zo­gen wur­den, hat man bei der Kun­den­in­sol­venz gu­te Kar­ten.

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