Tra­pez­pro­fi­le tra­gen ho­he Las­ten oh­ne sich zu ver­for­men

baustoffpraxis - - AUS- UND WEITERBILDUNG -

Vor al­lem im In­dus­trie- und Hal­len­bau kom­men für Dach­ein­de­ckun­gen und Fas­sa­den­ver­klei­dun­gen häu­fig Me­tall-Bau­tei­le zum Ein­satz. Klas­si­ker sind so ge­nann­te Tra­pez­pro­fi­le aus Stahl- oder Alu­mi­ni­um­blech. Tra­pez­pro­fi­le hei­ßen so we­gen ih­rer Form. Im Qu­er­schnitt be­trach­tet, er­in­nert die Fal­tung der Ble­che an die geo­me­tri­sche Fi­gur ei­nes Tra­pe­zes (sie­he Gra­fik). Ein Trapez ist be­kannt­lich ein Vier­eck, bei dem zwei der ge­gen­über­lie­gen­den Sei­ten par­al­lel zu­ein­an­der ver­lau­fen. Bei den Tra­pez­pro­fi­len im Bau­we­sen muss man sich die ei­ne par­al­le­le Sei­te des Vie­r­ecks frei­lich hin­zu­den­ken, denn die Ble­che sind auf ih­rer Un­ter­sei­te ja ei­gent­lich „of­fen“.

Trag­fä­hi­ge Form

Na­tür­lich stellt sich die Fra­ge, war­um man bei der Her­stel­lung über­haupt den Auf­wand be­treibt, Stahl- oder Alu­mi­ni­um­ble­che so zu ver­for­men, dass die Trapez-Op­tik ent­steht. Wä­re es nicht viel ein­fa­cher, Dä­cher und Fas­sa­den mit fla­chen Ble­chen zu be­klei­den? Oh­ne die Ver­for­mung wür­de man schließ­lich so­gar Ma­te­ri­al spa­ren! Die kan­ti­gen Tra­pe­ze mö­gen ja viel­leicht im­po­san­ter aus­se­hen und in­ter­es­san­te­re Licht-Schat­ten-Ef­fek­te her­vor­ru­fen. Aber ist das ei­ne aus­rei­chen­de Be­grün­dung? Na­tür­lich nicht. Der wah­re Grund für die Ver­for­mung ist ein an­de­rer: Die Pro­fi­le er­hal­ten da­durch ver­bes­ser­te phy­si­ka­li­sche Ei­gen­schaf­ten – vor al­lem sind sie deut­lich trag­fä­hi­ger als fla­che Ble­che. Wenn man flä­chi­ge Ma­te­ria­li­en so ver­formt, dass sich hö­her und tie­fer ge­le­ge­ne Ab­schnit­te ab­wech­seln, kön­nen sie grö­ße­re Las­ten tra­gen, oh­ne sich zu ver­for­men. Das­sel­be Prin­zip fin­den wir üb­ri­gens auch bei den ge­run­de­ten Well­ble­chen. Gera­de auf Flach­dä­chern, wo man un­ter an­de­rem mit ho­hen Schnee­las­ten rech­nen muss, ist ei­ne ho­he Trag­fä­hig­keit na­tür­lich wich­tig. Das er­mög­licht deut­lich grö­ße­re Spann­wei­ten bei der Un­ter­kon­struk­ti­on der Tra­pez­pro­fi­le. Der Ab­stand zwi­schen den Auf­la­gern kann grö­ßer ge­wählt wer­den, wo­durch sich Zeit und Ma­te­ri­al­kos­ten spa­ren las­sen. Die er­höh­ten Stel­len des Tra­pez­pro­fils be­zeich­net man als Ste­ge, die tie­fen Be­rei­che da­ge­gen als Si­cken. Auch für Mit­ar­bei­ter im Bau­stof­fFach­han­del ist es hilf­reich, die­se Be­grif­fe zu ken­nen, da sie bei der Pro­dukt­be­zeich­nung ei­ne Rol­le spie­len. Die Ble­che wer­den näm­lich mit spe­zi­el­len Zif­fer-Kom­bi­na­tio­nen ge­kenn­zeich­net – bei­spiels­wei­se 100/275. Da­bei steht die ers­te Zif­fer für die Pro­fil­hö­he (100 mm) und die zwei­te für den Si­cken­ab­stand (275 mm). Manch­mal wird auch noch zu­sätz­lich die Blech­di­cke an­ge­ge­ben. Die­se va­ri­iert bei Tra­pez­pro­fi­len in der Re­gel zwi­schen 0,3 und 1,5 mm.

Die In­dus­trie bie­tet Tra­pez­pro­fil­b­le­che in un­ter­schied­lichs­ten Grö­ßen. Üb­lich sind Brei­ten bis zu über ei­nem Me­ter und Län­gen bis zu zwölf Me­ter – auf An­fra­ge auch mehr. Ty­pi­sche Ma­ße für die Pro­fil­hö­he lie­gen zwi­schen 10 und 165 mm. Je hö­her das Tra­pez­pro­fil ge­formt ist und je di­cker das ge­wähl­te Me­tall­blech, um­so trag­fä­hi­ger wird das Bau­teil. Je nach Trag­fä­hig­keit las­sen sich mit Tra­pez­pro­fi­len Spann­brei­ten bis zu neun Me­tern zwi­schen den Auf­la­gern der Un­ter­kon­struk­ti­on rea­li­sie­ren.

Wor­aus be­ste­hen Tra­pez­pro­fi­le?

In der Re­gel wer­den Tra­pez­pro­fi­le aus Stahlo­der Alu­mi­ni­um­bän­dern ge­fer­tigt. Zum Schutz vor Kor­ro­si­on und ag­gres­si­ven Um­welt­stof­fen er­hal­ten die Ble­che be­reits werk­sei­tig ei­ne Ober­flä­chen­be­hand­lung. Bei Stahl­pro­fi­len wird – wie im Au­ßen­be­reich all­ge­mein üb­lich – auf je­den Fall ei­ne Zin­kle­gie­rung vor­ge­nom­men. Wei­te­re Schutz­maß­nah­men sind nor­ma­ler­wei­se Lack­schich­ten in un­ter­schied­lichs­ten Far­ben oder auch Be­schich­tun­gen mit spe­zi­el­len Kunst­stoff­fo­li­en. Auch Tra­pez­pro­fi­le aus Alu­mi­ni­um wer­den oft farb­be­schich­tet und er­hal­ten da­mit ei­ne zu­sätz­li­che Schutz­schicht. Häu­fig wird aber auch elo­xier­tes Alu­mi­ni­um ver­wen­det, das dank ei­ner spe­zi­el­len Be­hand­lung ei­ne be­son­ders har­te Ober­flä­che auf­weist.

Ein­satz­ge­bie­te

Tra­pez­pro­fi­le kom­men im In­dus­trie- und Hal­len­bau häu­fig zum Ein­satz, weil man mit ih­nen re­la­tiv kos­ten­güns­ti­ge und zu­dem sehr leich­te Dach- und Fas­sa­den­kon­struk­tio­nen rea­li­sie­ren kann. Und das bei ra­schem Bau­fort­schritt, vor al­lem wenn groß­vo­lu­mi­ge Ble­che ver­wen­det wer­den. So­fern es sich um ein­fa­che Ge­bäu­de han­delt, bei de­nen kei­ne gro­ßen An­for­de­run­gen an den Wär­me- oder Schall­schutz be­ach­tet wer­den müs­sen, kann man die dün­nen Blech­pro­fi­le auch ein­fach ein­scha­lig ver­bau­en.

Der Vor­teil des ge­rin­gen Ge­wichts ist vor al­lem bei Sa­nie­run­gen oft ent­schei­dend. So las­sen sich zu­sätz­lich Dämm­stof­fe ein­bau­en, oh­ne dass die Trag­fä­hig­keit des Dach­stuhls über­stra­pa­ziert wird. Für sol­che Fäl­le ver­wen­det man dop­pel­scha­li­ge Tra­pez­blechKon­struk­tio­nen: au­ßen ein wet­ter­fes­tes Alu­mi­ni­um­blech, dar­un­ter ein tra­gen­des Stahl­tra­pez­pro­fil und da­zwi­schen Dämm­stoff so­wie Fo­li­en­ab­dich­tung. Ein wei­te­res ty­pi­sches Ein­satz­ge­biet für Tra­pez­pro­fi­le sind äu­ße­re Be­klei­dun­gen für vor­ge­häng­te hin­ter­lüf­te­te Fas­sa­den (VHF) oder für Kas­set­ten­wän­de. bau­stoff­wis­sen.de ver­öf­fent­licht im­mer diens­tags und don­ners­tags auf sei­ner Home­page und auf sei­ner Face­book-Sei­te neue Bei­trä­ge. In der Ru­brik „Bau­stoff Know-how“geht es um Bau­stoff­tech­nik, Ma­te­ria­li­en und in­no­va­ti­ve Pro­duk­te. In der Ru­brik „Pra­xis­Rat­ge­ber“gibt die Re­dak­ti­on Tipps für Aus­zu­bil­den­de im Bau­stoff­han­del, zum Bei­spiel: Was muss im Aus­bil­dungs­ver­trag ste­hen? Wel­che fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung steht Aus­zu­bil­den­den zu?

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