Bea­toskop: Halsey – Strangers »Ich wuss­te nicht, was mein Sound ist!«

Beat - - Work Beat - Von Tho­mas Rau­kamp & Ma­rio Schu­ma­cher

Ihr De­büt­al­bum „Bad­lands“führ­te sie bis in den aus­ver­kauf­ten New Yor­ker Ma­di­son Squa­re Gar­den. Mit ih­rem zwei­ten Al­bum will Halsey gan­ze Sta­di­en fül­len. Die­ser Plan soll­te ge­lin­gen.

Das schwe­re zwei­te Al­bum. Es hängt wie ein Da­mokles­schwert über ei­nem Künst­ler, des­sen Erst­lings­werk die Charts ge­stürmt hat und von dem Kri­ti­ker wie Fans ei­ne noch­ma­li­ge krea­ti­ve Stei­ge­rung und Plat­ten­fir­men wei­te­re Mil­lio­nen­ein­nah­men er­war­ten. Denn nicht um­sonst sagt die al­te Mu­si­ker-Weis­heit: „Für dein ers­tes Al­bum hast du dein gan­zes Le­ben, für dein zwei­tes höchs­tens ein paar Mo­na­te.“

Doch bei Ash­ley Ni­colet­te Fran­gi­pa­ne, bes­ser be­kannt un­ter dem Na­men Halsey, kam zum Er­war­tungs­druck ein pi­kan­tes De­tail hin­zu: die Tren­nung von Ih­rem Freund und Pro­du­zen­ten, dem nor­we­gi­schen Rap­per Li­do. „Die Zu­sam­men­ar­beit mit ihm trug letzt­lich nur zu mei­ner Ab­hän­gig­keit von ihm bei“, er­zähl­te Halsey der New Yor­ker En­ter­tain­ment-Web­sei­te „Vul­tu­re“. „Es ging so weit, dass ich mich frag­te, ob ich über­haupt je­mals ein Al­bum oh­ne Li­do zu­stan­de be­kom­men wür­de. Ich wuss­te ein­fach nicht, was mein Sound ist und was es letzt­lich heißt, Halsey zu sein.“

In­ter­net Kil­led the Ra­dio-Star

Halsey zu sein, be­deu­te­te vor ge­ra­de ein­mal drei Jah­ren im­men­sen Er­folg zu ha­ben – und das in sehr kur­zer Zeit. Auf ih­rem Tum­blr-Blog ver­öf­fent­lich­te sie zu­nächst Parodien auf Songs von Me­gastar Tay­lor Swift, be­vor sie 2014 mit „Ghost“ihr ers­tes ei­ge­nes Stück auf der Mu­sik­platt­form Sound­cloud hoch­lud. In­ner­halb von 24 St­un­den mel­de­ten sich meh­re­re Ma­jor-La­bels mit dem In­ter­es­se, die heu­te 23-Jäh­ri­ge un­ter Ver­trag zu neh­men. Das re­sul­tie­ren­de „Bad­lands“ent­wi­ckel­te sich zu ei­nem Pla­tin-Al­bum – und das, oh­ne ei­nen wirk­li­chen Ra­dio­hit zu ent­hal­ten. Trotz­dem schaff­te sie es, den be­rühm­ten „Ma­di­son Squa­re Gar­den“in New York kom­plett aus­zu­ver­kau­fen.

Ent­stamm­te das De­büt­al­bum schein­bar den Tag­träu­men je­des Te­enagers, ver­lang­te das nun er­schie­ne­ne „Ho­pe­l­ess Foun­tain King­dom“ei­nen weit­aus ana­ly­ti­sche­ren An­satz – der dem Sta­tus ei­nes neu­ge­bo­re­nen Stars be­wusst ein­be­zieht. „Bad­lands war eher ein ,Do-it-Yours­elf ’-Al­bum“, blickt Halsey zu­rück. Nicht oh­ne über ih­re neue Le­bens­rea­li­tät mit zu re­flek­tie­ren: „Mitt­ler­wei­le bin ich ein­mal rund um die Welt ge­tourt und möch­te mei­ne Fans glück­lich ma­chen. Ich muss mit mei­nem Sound al­so nicht mehr nur das ei­ge­ne Schlaf­zim­mer, son­dern gan­ze Are­nen be­schal­len.“

Die Her­aus­for­de­rung, mas­sen­taug­lich zu sein und trotz­dem ei­ne neue mu­si­ka­li­sche Iden­ti­tät zu fin­den, re­sul­tier­te in der Aus­wahl aus der al­ler­ers­ten ak­tu­el­len Pro­du­zent-Rie­ge. Für „Ho­pe­l­ess Foun­tain King­dom“ar­bei­te­te die 1994 in New Jer- sey ge­bo­re­ne Sän­ge­rin et­wa mit Grö­ßen wie Greg Kurs­tin (Ade­le, P!nk), Ben­ny Blan­co (Ka­ty Per­ry, Jus­tin Bie­ber) und Ri­cky Reed (Fifth Har­mo­ny, Kesha) zu­sam­men. Für die ers­te Sing­le-Aus­kopp­lung zeich­net Ri­han­nas Ko­au­tor Star­rah ver­ant­wort­lich. Und für „Eyes Clo­sed“ar­bei­te­te Halsey mit The Wee­knd zu­sam­men.

Trotz­dem wehrt sie sich ge­gen den sich auf­drän­gen­den Ein­druck, den mu­si­ka­li­schen und da­mit fi­nan­zi­el­len Er­folg des Erst­lings ein­fach nur kal­ku­liert über­bie­ten zu wol­len. „Als wir zu­sam­men ins Stu­dio gin­gen, wa­ren wir nicht dar­aus aus, nur Hits nach­zu­le­gen“, un­ter­streicht Halsey. „Wir ar­bei­te­ten viel­mehr an drei ver­schie­de­nen Sei­ten von mir: Da ist zu­nächst ein­mal die klas­si­sche Sin­ger-Song­schrei­be­rin, dann die ur­ba­ne R&B-Mu­si­ke­rin und schließ­lich gibt es ei­nen sehr elek­tro­ni­schen Aspekt.“

Von al­lem et­was al­so? Das mag be­lie­big klin­gen. Für Halsey hat sich je­den­falls ein Kreis ge­schlos­sen – der der Ab­hän­gig­keit von ih­rem ehe­ma­li­gen Pro­du­zen­ten und Freund. „Die Ar­beit am neu­en Al­bum hat mir ge­hol­fen, mich selbst mehr zu lie­ben“, sagt die Mu­si­ke­rin heu­te. „Wenn es et­was gibt, das ich ge­lernt ha­be, dann dass Glück kein Ziel, son­dern ste­ti­ge har­te Ar­beit ist.“

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