Beat

Test: Wa­ver­a­zor II

- Von Mat­thi­as Sau­er The Presets · Future · Demo · Hard · Overkill

Slicing-Synthese – next le­vel

Et­li­che Klang­er­zeu­ger ko­chen be­währ­te Kon­zep­te auf. Sie bie­ten Klän­ge und Syn­the­se­for­men, von de­nen man ei­gent­lich schon ge­nug hat. Er­scheint ein Syn­the­si­zer mit in­no­va­ti­ver Klang­pa­ra­me­tri­sie­rung, ist man höchst­ge­spannt, ob er sich gut be­die­nen lässt und den per­sön­li­chen Sound­park be­rei­chern kann. Ei­ner die­ser Exo­ten ist Wa­ver­a­zor. In der ak­tu­el­len Ver­si­on 2 er­laubt er nun aus­führ­li­ches Edi­tie­ren von Klän­gen.

Sein Na­me ist Pro­gramm: Wa­ver­a­zor ra­siert Wel­len­for­men und pro­du­ziert auf die­se Wei­se sehr ei­gen­stän­di­ge, har­sche Klang­spek­tren. Das In­no­va­ti­ve fin­det auf der Os­zil­la­tor-Ebe­ne statt. Der Soft­ware-Syn­the­si­zer zer­schnei­det den Wel­len­zy­klus in meh­re­re ein­zel­ne Seg­men­te – ei­ne neue Me­tho­de, die als „Slicing-Synthese“be­zeich­net wird. Die Seg­men­te von Os­zil­la­tor-Wel­len­for­men las­sen sich auch zur Er­zeu­gung kom­ple­xer Se­quen­zen der Am­pli­tu­den­mo­du­la­ti­on – bei Wa­ver­a­zor als „Mu­tant AM“be­ti­telt - nut­zen. Die Wa­ve­ta­ble-Os­zil­la­to­ren er­lau­ben zu­dem ein „Mul­ti-Sync“, bei dem meh­re­re Hard-Sync-Punk­te in­ner­halb ei­nes Bruch­teils ei­nes Wel­len­form­zy­klus er­zeugt wer­den. In Beat 10/2017 spra­chen die Ent­wick­ler von Me­dia Over­kill über ih­re viel­ver­spre­chen­den An­sät­ze und stell­ten ein um­fang­rei­ches Edi­tor-Me­nü für ihr Ba­by in Aus­sicht. Bis­lang konn­te Wa­ver­a­zor nur zum Ab­spie­len von Pre­sets her­hal­ten. Für ei­ge­ne Klang­ver­än­de­run­gen dien­ten im­mer­hin acht Ma­kro-Reg­ler, zwei XY-Pads und ei­nen Ef­fekt-Reg­ler. Auf Dau­er wünscht sich der De­si­gner weit­rei­chen­de Ein­griffs­mög­lich­kei­ten. Nun ist es so­weit.

Of­fe­ner Tauch­kurs im Edit-Mo­dus

Der Edi­tor über­rascht zu­nächst durch ein kaum zu über­schau­en­des Pa­ra­me­ter­ar­se­nal und sei­ner ge­wöh­nungs­be­dürf­ti­gen Ober­flä­che in blau-ro­ter Farb­ge­bung. Ein Nerd fühlt sich wohl, der durch­schnitt­li­che Syn­the­si­zer-An­wen­der wird zu­min­dest die ein­zel­nen Klang­bau­stei­ne des Wa­ver­a­zor 2 er­ken­nen und über die um­fang­rei­che Mo­du­la­ti­ons­op­tio­nen stau­nen. Bis zu 192 Zu­wei­sun­gen sind of­fen­bar mög­lich, na­he­zu je­der Pa­ra­me­ter ist mo­du­lier­bar. Die An­zahl der LFOs und Hüll­kur­ven ist mehr als ge­nug, bei den drei Fil­ter­ty­pen war­ten ganz ver­schie­den­ar­ti­ge Fil­ter­ty­pen (Tief­pass, Sha­per, De­ci­ma­tor, etc.) auf ih­ren Ein­satz. Ins­ge­samt drei se­pa­ra­te Ef­fekt­mo­du­le mit Kom­pres­sor, De­lay und di­ver­sen Mo­du­la­ti­ons­ty­pen ste­hen be­reit. Der Ar­peg­gia­tor ist nicht pro­gram­mier­bar, son­dern be­schränkt sich auf klas­si­sche Auf-und-ab-Mus­ter.

Lohnt sich der Edi­tor für den Pro­du­cer? Ehr­lich ge­sagt, nicht wirk­lich. Mit den Ma­cro-Reg­lern und vor al­lem mit den bei­den XY-Pads auf der Haupt­sei­te ge­langt man schnel­ler und mu­si­ka­li­scher zu brauch­ba­ren neu­en Klän­gen. Sie müs­sen schon viel Ge­duld auf­brin­gen und ein pas­sio­nier­ter Sound-De­si­gner sein, um die­sen kom­ple­xen Edi­tor wirk­lich ge­winn­brin­gend zu ver­wen­den. Es ist aber ein Plus, nun auf das ei­ne oder an­de­re De­tail un­ter der Hau­be ein­grei­fen zu kön­nen.

Be­son­de­re Klang­syn­the­tik

Nicht die Be­die­nung, son­dern der Klang zeich­net ihn aus. Das An­spie­len der Pre­sets führt schnell zum Ge­samt­ein­druck, dass Wa­ver­a­zor ag­gres­siv, gif­tig, bis­sig, grell, mo­du­la­tiv und im po­si­ti­ven Sinn künst­lich klingt. Lei­der sind nicht so vie­le Klän­ge mit rhyth­mi­schen Struk­tu­ren vor­han­den, wie es mit dem Slicing mög­lich wä­re. Per­sön­lich ge­fal­len uns rau­he­re Wa­ve­ta­ble-ar­ti­ge Klan­g­ab­läu­fe. Für Sound­ef­fek­te ist der Syn­the­si­zer auch klas­se. Al­ler­dings ma­chen die Ef­fek­te bei Wa­ver­a­zor kei­nen gu­ten Job. Ein wich­ti­ger Tipp ist es wohl, die in­ter­nen Ef­fek­te ab­zu­schal­ten und zu­min­dest ein hoch­wer­ti­ges Re­verb-Plu­gin zu be­mü­hen. Vie­le der Pre­sets wer­den so klang­lich deut­lich auf­ge­wer­tet.

Elec­tro­ni­ca, Glitch, Fu­ture Pop sind ei­ni­ge Gen­res, für die Wa­ver­a­zor pas­sen­des Ma­te­ri­al lie­fert. Es ist ei­ne gu­te Idee ge­we­sen, Richard De­vi­ne für ei­ne Sound­bank mit rund 50 Pre­sets zu en­ga­gie­ren. Mit sei­nem of­fen­si­ven und ex­pe­ri­men­tel­len Pro­gramm­stil be­tont er die ty­pi­schen Klang­fa­cet­ten des Wa­ver­a­zor 2.

Sehr prak­tisch und ein wich­ti­ger Be­stand­teil des Pre­set-An­ge­bots sind ei­ne gro­ße Zahl an Tem­pla­tes. Mit die­sen Vor­la­gen (ver­schie­de­ne Os­zil­la­tor- und Fil­ter­mo­del­le, auch Drum­sounds sind ver­tre­ten) und den Ma­cro-Reg­lern wer­den Sie ziel­stre­big auf ei­ge­ne Klang­ide­en kom­men.

Fa­zit

Der Wa­ver­a­zor ist ein Syn­the­si­zer, der mit sei­ner spe­zi­el­len Klan­gäs­the­tik po­la­ri­siert. Lieb­ha­ber von Re­tro-In­stru­men­ten wer­den ihn gern links lie­gen las­sen, ex­pe­ri­men­tier­freu­di­ge Mu­si­ker auf der Su­che nach dras­ti­schen Klän­gen dürf­ten ihn wie­der­um mö­gen. Mit sei­nem Os­zil­la­tor-Kon­zept ragt er aus der Mas­se an Syn­the­si­zern her­aus und trifft auf we­ni­ge di­rek­te Mit­be­wer­ber. Klang­li­che Ähn­lich­kei­ten fin­den sich bei Ton­er­zeu­gern mit Wa­ves­ha­pin­go­der Pha­se-Dis­tor­ti­on-Synthese.

Als bes­te Emp­feh­lung bleibt das Pro­bie­ren der 30-tä­gi­gen De­mo-Ver­si­on. Erst so wer­den Sie sel­ber her­aus­fin­den, ob ih­nen die for­schen Klän­ge lie­gen und wie­weit Sie mit dem Edi­tor warm wer­den. Wa­ver­a­zor 2 lässt je­den­falls Platz für Op­ti­mie­run­gen. Für ein kom­men­des Ma­jor-Up­date ist vor al­lem ei­ne über­sicht­li­che­re Be­nut­zer­ober­flä­che wün­schens­wert, auch ein gu­tes Re­verb und ei­ne Ran­dom-Funk­ti­on wä­ren sinn­voll. Schließ­lich könn­te auch der et­was zu stol­ze Preis kor­ri­giert wer­den.

 ??  ?? Fu­tu­ris­ti­scher Look und eben­sol­che Klän­ge: Wa­ver­a­zor 2.0 ist ei­ne Aus­nah­me-Syn­the­si­zer, der mit sei­ner Slicing-Synthese zu ex­tra­va­gan­ten Klang­spek­tren her­an­führt und ei­ne bun­te Ab­wechs­lung zu den vie­len Re­tro-Syn­the­si­zern bie­tet.
Fu­tu­ris­ti­scher Look und eben­sol­che Klän­ge: Wa­ver­a­zor 2.0 ist ei­ne Aus­nah­me-Syn­the­si­zer, der mit sei­ner Slicing-Synthese zu ex­tra­va­gan­ten Klang­spek­tren her­an­führt und ei­ne bun­te Ab­wechs­lung zu den vie­len Re­tro-Syn­the­si­zern bie­tet.

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