Beat

Test: W.A. Ins­ta-Se­ries

Selbst vir­tuo­se Mu­si­ker dre­hen sich bei Ak­kor­den und Phra­sen öf­ter im Kreis. Wer beim Song­wri­ting mit der DAW ein­mal neue We­ge be­schrei­ten möch­te, freut sich über die­se zwei smar­ten neu­en Plugs.

- Von Mat­thi­as Sau­er

Beim Pro­du­cing kön­nen Sie lo­cker star­ten. Oft ge­nü­gen Pre­sets oder Lo­ops, die zu neu­en Tracks in­spi­rie­ren. Frü­her oder spä­ter wer­den Sie sich aber noch mit ei­ni­gen pas­sen­den Ak­kord­fol­gen und Phra­sen be­schäf­ti­gen müs­sen. Fein her­aus sind Key­boar­der, die schon ei­nen Fun­dus an Drei­klän­gen pa­rat ha­ben und flink ein paar Stan­dards ein­spie­len kön­nen. Doch auch sie wer­den letzt­lich viel ent­spann­ter sein, wenn auf MIDI-Ebe­ne klei­ne Hil­fen war­ten. Für das iPad fin­den sich be­reits ei­ni­ge Apps zum schnel­len Har­mo­ni­sie­ren. Nun ha­ben sich ei­ni­ge Ent­wick­ler den eta­blier­ten DAWs an­ge­nom­men und spe­zi­el­le Plug-ins her­aus­ge­bracht.

Mit der Ins­ta Se­ries lie­fert die klei­ne tsche­chi­sche Fir­ma W.A. Pro­duc­tion zwei Plug-ins, die das Auf­fin­den von Chor­ds und Ska­len­tö­nen ver­ein­fa­chen sol­len. Bei­de Tools wer­den als MIDI-Ef­fekt in ei­ner In­stru­men­ten-Spur auf­ge­ru­fen. Sie trans­for­mie­ren die ein­kom­men­den MIDI-No­ten in Echt­zeit, oh­ne die CPU des Rech­ners nen­nens­wert zu be­las­ten. Ein Klang wird al­so nicht er­zeugt, dies über­nimmt ein aus­ge­wähl­tes VST-In­stru­ment. Zum ers­ten ana­ly­ti­schen Ken­nen­ler­nen bei­der MIDI-As­sis­ten­ten emp­fiehlt sich üb­ri­gens ein per­kus­si­ver E-Pia­no-Sound.

Ak­kor­de

Auf den ers­ten Blick er­in­nert das GUI von In­sta­ch­ord wie ei­ne Ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on. Die Funk­ti­ons­wei­se ein­fach er­klärt: Sie fül­len ins­ge­samt 24 Zel­len (Chor­ds A und B) mit ver­schie­de­nen Ak­kord­ty­pen (Dur, Moll 7/9, etc.) auf, die über die MIDI-Tas­ta­tur an­ge­spielt wer­den kön­nen. Da­bei kön­nen Sie au­to­ma­tisch ein „Strumming“(wie bei Gi­tar­re und an­de­ren Sai­ten­in­stru­men­ten) er­zeu­gen oder mit ei­nem „Pi­cking“ar­bei­ten, wo­bei je­weils ein­zel­ne Ak­kord­tö­ne ge­trig­gert wer­den. Mit den Key­board­tas­ten im un­te­ren Be­reich las­sen sich in­tui­tiv die Ak­kord­ty­pen auf­ru­fen. Na­tür­lich brau­chen Sie nicht sel­ber um ei­ne Zu­sam­men­stel­lung von Ak­kor­den zu küm­mern. Im An­ge­bot sind rund 30 Pre­sets. Hier kom­men vor al­lem Pro­du­cer auf ih­re Kos­ten, die sich an der Jazz­har­mo­nik ori­en­tie­ren möch­ten. Für EDM und Co schie­ßen die Ak­kor­de übers Ziel hin­aus.

Wäh­rend das Strumming bei der Si­mu­la­ti­on akus­ti­scher In­stru­men­te hilft, ge­fällt mir ins­be­son­de­re das Pi­cking weit öf­ter. Sie spie­len auf der MIDI-Tas­ta­tur und ent­lo­cken zu­fäl­lig Ak­kord­kom­bi­na­tio­nen, die auch ein krea­ti­ver Tas­ten­vir­tuo­se nicht so spie­len wür­de. Dies ver­mit­telt ein neu­es Spiel­ge­fühl und führt zu ei­ner neu­en Ar­beits­wei­se, auf die Sie sich re­la­tiv zü­gig ein­las­sen kön­nen. Klas­se ist es, dass Sie mü­he­los zwi­schen ver­schie­de­nen Voi­cings wech­seln kön­nen. Zu­ge­ge­ben, mein Re­per­toire ist oh­ne wei­te­res Pau­ken ei­ner Har­mo­nie­leh­re beachtlich er­wei­tert wor­den. Al­ler­dings wird das theo­re­ti­sche Ver­ständ­nis nicht bes­ser und es bleibt die grö­ße­re Her­aus­for­de­rung, die­se in­spi­rie­ren­den Chor­ds ins nächs­te Stu­dio­pro­jekt zu ver­wen­den.

Ska­len

Nicht nur zur Gestal­tung pfif­fi­ger Ak­kord­fol­gen, auch beim Auf­fin­den von ein­zel­nen Tö­nen bie­tet W.A. Pro­duc­tion das pas­sen­de Werk­zeug. Mit In­staS­ca­le ver­wan­deln sich ein­zel­ne No­ten in ei­ne mi­x­o­ly­di­sche, phry­gi­sche oder in ei­ne an­de­re exo­ti­sche Ska­la, die sich un­ter den 30 Pre­sets fin­det. Bei Be­darf las­sen sich so­gar ei­ge­ne Ska­len de­fi­nie­ren. Das Spiel­kon­zept von In­stas­ca­le ist et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, da ein­zel­ne Ska­len­tö­ne ab­ge­spielt wer­den, in­dem Sie dem Key­board wie­der­holt die glei­che Tas­te an­schla­gen. Im Ver­gleich zu In­sta­ch­ord ist In­stas­ca­le in der Pra­xis schwie­ri­ger zu ver­ste­hen. Sie soll­ten al­so gern ex­pe­ri­men­tie­ren und kei­ne schnel­len fer­ti­gen Er­geb­nis­se er­war­ten.

Fa­zit

Mit bei­den Plug-ins von W.A. Pro­duc­tion ent­de­cken Sie den Ton­satz er­fri­schend an­ders. Es macht wirk­lich Spaß, sich mit die­sen Tools in­spi­rie­ren zu las­sen. Ei­nen päd­ago­gi­schen Wert oder die Ga­ran­tie auf per­fek­te Har­mo­ni­en und Hook­li­nes lie­fern sie aber nicht. Bes­te Grund­kennt­nis­se und ein fei­nes Ge­spür brin­gen Sie idea­ler­wei­se be­reits mit.

Die funk­tio­nal ein­ge­schränk­te De­mo­ver­si­on von Ins­ta Se­ries soll­ten Sie un­be­dingt tes­ten und auch Al­ter­na­ti­ven, ins­be­son­de­re „Ct­hul­hu“von Xfer Re­cor­ds, pro­bie­ren. Noch ein Tipp: Es lohnt sich, Ra­batt­ak­tio­nen auf dem Schirm zu ha­ben. Plu­gin­Bou­tique und an­de­re Web­shops bie­ten die Pro­duk­te von W.A. Pro­duc­tion manch­mal zu stark re­du­zier­ten Prei­sen. Spä­tes­tens dann soll­ten Sie zu­schla­gen!

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Neue Voi­cings, Chor­ds und Ak­kord­fol­gen ­spie­le­risch ent­de­cken und auf­neh­men: In­sta­ch­ord ist ein zu­ver­läs­si­ges MIDI-FX-Plug-in zum Har­mo­ni­sie­ren.

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