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Test: AKAI Force

Force ver­bin­det die Tech­no­lo­gie ak­tu­el­ler MPC-Mo­del­le mit ei­ner an Able­ton Push an­ge­lehn­ten Pad-Ma­trix zu ei­nem Stand-alo­ne-Sys­tem für Mehr­spur­auf­nah­me, Mu­sik­pro­duk­ti­on und Li­ve-Per­for­mance.

- Von Jan Wil­king United Kingdom · Alsterpiraten Club · Ableton Live · Ableton · Son Ga-in · Nashville Sounds · Stiftung Datenschutz · The Presets

All-in-one-Stu­dio – ein Must-ha­ve?

Nach dem Er­schei­nen ers­ter Fo­tos des neu­en AKAI Force kurz vor der Win­ter-NAMM 2019 bro­del­te die Ge­rüch­te­kü­che. Han­delt es sich um ei­ne Neu­auf­la­ge der be­lieb­ten APC-Con­trol­ler von AKAI, ei­ne neue MPC oder et­wa ei­ne Art Push3 mit in­te­grier­tem Able­ton Li­ve für den Stand-alo­ne-Be­trieb oh­ne Com­pu­ter? Die Wahr­heit liegt ir­gend­wo da­zwi­schen, denn das Ge­rät ver­eint ei­ne Viel­zahl von Funk­tio­nen im ro­bus­ten Ge­häu­se.

Wie Push als Stand-alo­ne-Ge­rät

Force ver­bin­det ei­ne Ma­trix mit 64 phy­si­ka­li­schen Pads im Sti­le der Push-Con­trol­ler mit dem gro­ßen Touch­screen der neu­en MPCs und er­gänzt dies um ei­nen ein­ge­bau­ten Rech­ner zum Auf­neh­men und Ab­spie­len von Lo­ops, Sam­ples und Plug­ins, ein um­fang­reich aus­ge­stat­te­tes Au­dio­in­ter­face und USB-, MIDI- so­wie CV-An­schlüs­se. Zu­sätz­lich kann Force im Stu­dio auch als Able­ton-Con­trol­ler mit tief ge­hen­der In­te­gra­ti­on ge­nutzt wer­den. Da­mit emp­fiehlt sich das Ge­rät für Sin­ger, Song­wri­ter und Pro­du­zen­ten, die oh­ne Com­pu­ter und DAW kom­plet­te Songs auf­neh­men und be­ar­bei­ten wol­len. Eben­so in­ter­es­sant ist Force für DJs und Pro­du­zen­ten, die auch im Club und auf der Büh­ne ih­re Tracks und Stems fle­xi­bel wie­der­ge­ben wol­len und da­bei ger­ne auf Lap­top, In­ter­face und Ver­ka­be­lung ver­zich­ten wol­len.

8x8-Pad-Ma­trix

Force sitzt in ei­nem ro­bus­ten Me­tall­ge­häu­se und ist re­la­tiv groß und schwer aus­ge­fal­len, passt al­so nicht un­be­dingt in je­de Gig­bag. Im Ver­gleich zu Push 2 ist Force zwar et­was schma­ler, nimmt aber deut­lich mehr Tie­fe und Hö­he in An­spruch. Dies liegt vor al­lem am er­höh­ten hin­te­ren Auf­bau, der den far­bi­gen 7-Zoll-Touch­screen so­wie die An­schlüs­se und die Rech­ner­tech­nik ent­hält. Im un­te­ren Teil be­fin­det sich die 8x8-Pad-Ma­trix nebst zu­sätz­li­cher Funk­ti­ons­tas­ten links, rechts und un­ter­halb der Pads. Die Pads sind ei­ni­ge Mil­li­me­ter brei­ter als bei Push 2, be­sit­zen da­für aber et­was we­ni­ger Hö­he. Sie sind an­schlag- und druck­dy­na­misch spiel­bar und mehr­far­big hin­ter­grund­be­leuch­tet. Mit den bei­den Tas­ter­rei­hen dar­un­ter wäh­len Sie Spu­ren aus, schal­ten die­se stumm oder zur Auf­nah­me scharf und stop­pen al­le Clips der Spur. Links sind die Tas­ter zum Um­schal­ten der ver­schie­de­nen Funk­tio­nen der Ma­trix wie Clip-Launch, No­ten- und Step-Se­quen­zer so­wie Ko­pie­ren und Lö­schen. Rechts sit­zen die Launch-Tas­ter, mit de­nen sich ei­ne ho­ri­zon­ta­le Rei­he von Clips (=Sce­ne) star­ten lässt. Ober­halb der Ma­trix be­fin­den sich 8 End­los­reg­ler, mit de­nen Sie ver­schie­de­ne Pa­ra­me­ter wie die Laut­stär­ke der dar­un­ter lie­gen­den Spur, Equa­li­zer oder Plug-in-Pa­ra­me­ter wie Fil­ter­fre­quenz und Re­so­nanz steu­ern. Der je­wei­li­ge Pa­ra­me­ter­na­me und -wert wird über 8 klei­ne OLED-Dis­plays an­ge­zeigt, die sich gut ab­les­bar an­ge­schrägt im Über­gang zum er­ho­be­nen obe­ren Be­dien­teil des Force be­fin­den. Die Be­le­gung der Reg­ler ist fle­xi­bel ge­löst, sie kön­nen ent­we­der fest ei­ner be­stimm­ten Sek­ti­on (z.B. Mi­xer) zu­ge­wie­sen wer­den oder der Aus­wahl im Touch­screen fol­gen. Die Reg­ler bie­ten ei­ne her­vor­ra­gen­de Hap­tik. Sie sind sehr grif­fig, be­sit­zen ei­nen an­ge­neh­men und gleich­mä­ßi­gen Dreh­wi­der­stand und aus­rei­chend Ab­stand zu­ein­an­der.

Gro­ßes Touch­dis­play

Im obe­ren Be­reich sitzt zen­tral das sie­ben Zoll gro­ße far­bi­ge und gra­fik­fä­hi­ge Touch­dis­play. Hier­über ha­ben Sie Zu­griff auf al­le Pa­ra­me­ter, die Sie per Fin­ger­druck an­wäh­len und dann ent­we­der durch Fin­ger­be­we­gung oder das gro­ße ge­ras­ter­te End­los­rad mit Druck­funk­ti­on oder die Plus-Mi­nus-Tas­ter rechts oben än­dern kön­nen. Das Dis­play un­ter­stützt auch be­kann­te Mul­ti­touch-Ges­ten wie Pinch­to-Zoom, um bei­spiels­wei­se ei­ne Wel­len­form für die de­tail­lier­te Be­ar­bei­tung groß zu zie­hen. Dop­pel­klick auf ein Be­dien­ele­ment ver­grö­ßert die­ses für die er­leich­ter­te Ein­stel­lung mit den Fin­gern, ei­ne vir­tu­el­le Tas­ta­tur er­laubt die Ein­ga­be von Na­men und kon­kre­ten Wer­ten. Das Dis­play zeigt auch die 8x8-Clip­ma­trix an, in­klu­si­ve der Na­men al­ler Clips und un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Spur- und Clip­far­ben. Hier­von kön­nen Nut­zer von Able­ton Push bis­her nur träu­men. Clips las­sen sich dann so­gar per Fin­ger­druck ak­ti­vie­ren und stop­pen. Das Dis­play ar­bei­tet grund­sätz­lich un­ab­hän­gig vom ge­wähl­ten Mo­dus der Pad-Ma­trix, Sie kön­nen al­so mit den Pads No­ten spie­len und Step-Se­quen­zer pro­gram­mie­ren und gleich­zei­tig über das Dis­play Clips star­ten, stop­pen und scharf

schal­ten oder die Laut­stär­ken mit den vir­tu­el­len Fa­dern an­pas­sen – das er­zeugt er­neut nei­di­sche Bli­cke sei­tens der Push-Be­sit­zer. Im Test war ab und an et­was stär­ke­rer Druck er­for­der­lich, im Gan­zen ar­bei­te­te das Dis­play aber zu­ver­läs­sig wie ge­wünscht und die Be­die­nung ist in­tui­tiv ge­löst.

Gu­te Hap­tik

Links ne­ben dem Dis­play sind di­ver­se Tas­ter für Trans­port, Na­vi­ga­ti­on und Brow­sing plat­ziert. Al­le Tas­ter ste­hen ein gan­zes Stück hö­her hin­aus als bei Push2, sind da­für aber we­ni­ger schwam­mig und ver­fü­gen über ei­nen et­was deut­li­cher spür­ba­ren Druck­punkt, der aber auch mit ei­nem lau­te­ren Kli­cken quit­tiert wird. Die Hap­tik er­in­nert da­her eher an den Push der ers­ten Ge­ne­ra­ti­on, was we­nig über­rascht – schließ­lich wur­de Push1 noch im Auf­trag von Able­ton von AKAI her­ge­stellt. Uns per­sön­lich ge­fällt Force in Sa­chen Hap­tik bes­ser als Push 2, vor al­lem die Dreh­reg­ler über­zeu­gen, aber das ist letzt­end­lich auch ei­ne Fra­ge des per­sön­li­chen Ge­schmacks. Le­dig­lich der Cross­fa­der ist et­was leicht­gän­gig ge­ra­ten, da­für ist des­sen Be­le­gung vor­bild­lich ge­löst. Es las­sen sich mit­tels zwei­er Tas­ter un­kom­pli­ziert ein­zel­ne Spu­ren dem lin­ken oder rech­ten Ex­trem zu­ord­nen und dann mit dem Fa­der zwi­schen ih­nen über­blen­den, was vor al­lem für die Li­ve-Per­for­mance in­ter­es­sant ist.

Au­dio-, MIDI- und CV-In­ter­face

Die Rück­sei­te zeigt sich um­fang­reich be­stückt. Vier Klin­ken­aus­gän­ge bie­ten ei­nen Ste­reo-Mas­ter­aus­gang so­wie zwei Ein­zel­aus­gän­ge, über die der Sound der Force an die Au­ßen­welt ge­langt. Ein­zel­aus­gän­ge für je­de Au­dio­spur wä­ren zwar schön ge­we­sen, in der Pra­xis dürf­te man dank fle­xi­bler Rou­ting­mög­lich­kei­ten aber auch mit vier Spu­ren hin­kom­men. Zwei Au­dio­ein­gän­ge sind aus un­se­rer Sicht aber ei­ner zu we­nig, denn ein Song­wri­ter nimmt auch ger­ne mal ein Ste­reo-In­stru­ment ge­mein­sam mit Ge­sang auf – das geht mit Force nicht gleich­zei­tig. Die bei­den vor­han­de­nen Ein­gän­ge zei­gen sich aber zu­min­dest fle­xi­bel hin­sicht­lich der Auf­nah­me­quel­len. Über die XLR/Klin­ke-Kom­bi­buch­sen kön­nen Sie Mi­kro­fo­ne, In­stru­men­te oder Li­ne-Si­gna­le auf­neh­men, je­de Spur ver­fügt über ei­nen ei­ge­nen Gain-Reg­ler so­wie ei­nen Li­ne/In­stru­ment-Wahl­schal­ter. Für Kon­den­sa­tor­mi­kro­fo­ne ist ei­ne 48V-Phan­tom­spei­sung zu­schalt­bar. MIDI-IN/ OUT/THRU ist in Form drei­er Mi­ni­k­lin­ken­buch­sen vor­han­den. Ad­ap­ter wer­den zwar mit­ge­lie­fert, hier hät­ten wir uns ge­ra­de für den Li­ve-Be­trieb aber den di­rek­ten Ein­bau der Stan­dard-DIN-Buch­sen ge­wünscht. Ad­ap­ter ge­hen schnell mal auf Tour ver­lo­ren, zu­dem sind sol­che Kon­struk­tio­nen deut­lich feh­ler­an­fäl­li­ger im rau­en Büh­nen­all­tag. Die da­ne­ben lie­gen­den vier CV/Ga­te-Buch­sen ma­chen als Mi­ni­k­lin­ke na­tür­lich mehr Sinn, ent­spricht dies doch dem weit ver­brei­te­ten Eu­rorack-Stan­dard. Force kann da­mit Ana­log­syn­the­si­zer und Mo­du­lar­sys­te­me di­rekt an­steu­ern, ein di­cker Plus­punkt!

USB-An­schlüs­se

Eben­falls po­si­tiv zu er­wäh­nen sind die bei­den USB-Host-An­schlüs­se. Hier­über kön­nen Sie nicht nur Spei­cher­me­di­en in Form von USB-Sticks oder Fest­plat­ten zwecks Im­port und Ex­port von Da­tei­en oder als Spei­cher­er­wei­te­rung an­schlie­ßen, son­dern auch USB-Con­trol­ler wie bei­spiels­wei­se ein USB-Key­board ein­bin­den, um Sounds über ei­ne rich­ti­ge Tas­ta­tur ein­zu­spie­len. Die drit­te USB-Buch­se dient zur Ver­bin­dung mit dem Com­pu­ter, um Force als Con­trol­ler und In­ter­face für dort lau­fen­de Soft­ware wie Able­ton zu nut­zen und um Da­ten aus­zu­tau­schen. Ei­ne Netz­werk­buch­se kann zum zu­ver­läs­si­gen Syn­chro­ni­sie­ren mit an­de­rer Soft­ware via Able­ton Link ge­nutzt wer­den. Da­ne­ben be­fin­det sich der Po­wer-Schal­ter, die Strom­ver­sor­gung er­folgt über ein ex­ter­nes Netz­teil.

Prak­ti­scher­wei­se auf der Vor­der­sei­te plat­ziert ist der Kopf­hö­rer­aus­gang nebst Pe­gel­reg­ler so­wie der Cue-Reg­ler, mit dem Sie zwecks Mo­ni­to­ring das Laut­stär­ke­ver­hält­nis zwi­schen Mas­ter­aus­gang und den Aus­gän­gen 3/4 an­pas­sen. Eben­falls vor­ne im di­rek­ten Zu­griff ist der Slot für ei­ne SD-Kar­te. Zu er­wäh­nen ist noch die Mög­lich­keit der Fest­plat­ten­er­wei­te­rung dank des in­ter­nen An­schlus­ses für ein 2.5” SATA-Lauf­werk (SSD oder HDD). Von Werk aus hat Force 16 GB Spei­cher ver­baut, gut 10 GB sind da­bei mit (lösch­ba­ren) Fac­to­ry-Pre­sets vor­be­legt.

In­tui­ti­ve Be­die­nung

Zum Tes­ten ha­ben wir Force zu­nächst ein­mal oh­ne vor­he­ri­gen Blick in die An­lei­tung ge­star­tet. So lässt sich di­rekt prü­fen, wie in­tui­tiv ein Ge­rät be­dien­bar ist. Ei­ne wirk­li­che Al­ter­na­ti­ve hat­ten wir aber auch gar nicht, da wir di­rekt nach der NAMM ei­nes der ers­ten ver­füg­ba­ren Test­ge­rä­te vom deut­schen Ver­trieb be­kom­men ha­ben (bes­ten Dank hier­für!) und es au­ßer dem bei­lie­gen­den Quick­start-Gui­de noch kei­ne kom­plet­te Be­die­nungs­an­lei­tung gab. Nach dem Ein­schal­ten be­nö­tigt Force un­ge­fähr 20 Se­kun­den zum Hoch­fah­ren bis zum ers­ten Aus­wahl­me­nü. Hier ha­ben Sie dann die Wahl zwi­schen vor­han­de­nen ge­spei­cher­ten Pro­jek­ten oder ei­nem lee­ren Pro­jekt. Je nach Um­fang des Pro­jekts und der hier­für zu la­den­den Au­dio­da­tei­en müs­sen Sie wei­te­re 10 – 20 Se­kun­den ein­pla­nen.

Wir ha­ben zu­nächst ein De­mo-Pro­jekt ge­la­den. Nach dem La­den zeigt die Pad-Ma­trix die vor­han­de­nen Clips in den ent­spre­chen­den Far­ben an, par­al­lel da­zu fin­den Sie ei­nen Über­sicht auf dem Touch­dis­play in­klu­si­ve Spur- und Clip­na­men. Nut­zer von Able­ton und Push wer­den sich bei Force so­fort zu­recht­fin­den. Über die Pads oder das Dis­play star­ten und stop­pen Sie ein­zel­ne Clips oder kom­plet­te Sce­nes. Die Pad-Ma­trix bil­det da­bei bis zu 8 Spu­ren ho­ri­zon­tal ne­ben­ein­an­der ab, un­ter­ein­an­der wer­den je­weils bis zu 8 Clips die­ser Spur an­ge­zeigt. Da­bei kann im­mer nur ein Clip je Spur gleich­zei­tig ak­tiv sein, die Ak­ti­vie­rung ei­nes an­de­ren Clips auf der ver­ti­ka­len Rei­he stoppt den ak­tu­ell spie­len­den Clip ent­we­der so­fort oder mit frei ein­stell­ba­rer Ver­zö­ge­rung für Über­gän­ge mit sau­be­rem Ti­ming (z.B. Wech­sel erst zum nächs­ten Tak­t­an­fang). Ins­ge­samt kann ein Force-Pro­jekt bis zu 128 Spu­ren mit je­weils bis zu 60 Clips um­fas­sen, über die Na­vi­ga­ti­ons­tas­ter lässt sich aus­wäh­len, wel­che 8 Spu­ren mit je 8 Clips an­ge­zeigt und über die Pads ge­trig­gert wer­den sol­len.

128 Spu­ren

Ei­ne we­sent­li­che Ein­schrän­kung ge­gen­über Able­ton Li­ve auf ei­nem Com­pu­ter liegt in der Ma­xi­mal­zahl von 8 Ste­reo-Au­dio­spu­ren so­wie 8 Plug-in-Spu­ren. Bei Nut­zung vor­ge­fer­tig­ter Stems dürf­te dies aber in der Re­gel aus­rei­chen, zu­mal die ver­blei­ben­den 112 Spu­ren dank ein­ge­bau­tem Samp­le-Play­er auch für Au­dio-Da­tei­en wie Bass, Drums und Ef­fek­te ge­nutzt wer­den kön­nen. Die Be­schrän­kung be­zieht sich al­so in ers­ter Li­nie auf län­ge­re Au­dio-Lo­ops, von de­nen nur 8 gleich­zei­tig ge­nutzt wer­den kön­nen. Na­tür­lich kann da­bei auf je­den Clip ei­ner Spur ei­ne an­de­re Au­dio­loop ge­legt wer­den, wie man es von Able­ton Li­ve und an­de­ren Clip-ba­sier­ten DAWs kennt. Lo­op- und Trig­ger­op­tio­nen sind an­pass­bar. Ei­ge­ne Au­dio-Clips neh­men Sie ent­we­der über die Au­dio­ein­gän­ge oder durch Re­s­am­pling vor­han­de­ner Spu­ren auf, oder Sie im­por­tie­ren vor­ge­fer­tig­te Au­dio­da­ten.

Über das Dis­play mit gro­ßer Wel­len­form­an­zei­ge las­sen sich die Au­dio­da­tei­en um­fang­reich nach­be­ar­bei­ten, auch ei­ne au­to­ma­ti­sche Tem­po­an­pas­sung ist mit dem ein­ge­bau­ten Ti­me­stret­ching-Al­go­rith­mus mög­lich – üb­ri­gens auch schon zum tem­po­syn­chro­nen Vor­hö­ren im Brow­ser. Die Qua­li­tät des Ti­me­stret­ching reicht für klei­ne­re Tem­po­an­pas­sun­gen voll­kom­men aus, bei grö­ße­ren Ab­wei­chun­gen tre­ten schon hör­ba­re Ar­te­fak­te auf. Dies kann zwar auch span­nend sein, grund­sätz­lich ist Able­ton Li­ve mit sei­ner Viel­zahl spe­zia­li­sier­ter und hoch­wer­ti­ger Al­go­rith­men aber klar im Vor­teil. Glei­ches gilt für das Slicing, al­so das Auf­tei­len von Au­dio­loops in klei­ne­re Be­rei­che, auch hier zeigt sich Able­ton Li­ve et­was fle­xi­bler. Wer hier­auf be­son­de­ren Wert legt, ist aber wahr­schein­lich oh­ne­hin mit AKAIs MPC-Se­rie bes­ser be­dient. Force eig­net sich dank der un­kom­pli­zier­ten Auf­nah­me ex­ter­ner Au­di­o­quel­len mit frei­er oder vor­ein­ge­stell­ter Takt

län­ge so­wie den in­ter­nen Re­s­am­pling-Funk­tio­nen durch­aus auch als fä­hi­ger Lo­oper, der Au­dio-Ein­gang lässt sich mit In­sert-Ef­fek­ten be­stü­cken und Sie kön­nen on-the-fly Lo­ops sam­peln.

Pad-Ma­trix als Drum­com­pu­ter

Ne­ben der Wie­der­ga­be von Au­dio-Clips bie­tet Force noch fünf wei­te­re Spur­ty­pen. Drum ist für die samp­le-ba­sier­ten Dr­um­kits re­ser­viert und eig­net sich zur Er­stel­lung ei­ge­ner Drum­pat­tern. Clips kön­nen li­ve über die Pads ein­ge­spielt wer­den (auch mit No­te Re­peat), oder Sie nut­zen den von Push be­kann­ten Step-Se­quen­zer. Dort wäh­len Sie mit den 16 Pads links un­ten ei­nen der Drumsounds aus und mit den 16 Pads un­ten rechts die Dy­na­mik­stu­fe. Die ver­blei­ben­den 4x8 Pads oben bil­den da­bei ei­nen zwei­tak­ti­gen Step-Se­quen­zer mit Lauf­licht ab, hier ak­ti­vie­ren oder de­ak­ti­vie­ren Sie ein­zel­ne Trig­ger und bau­en sich so Ih­ren Groo­ve. Force über­nimmt hier­bei auf Wunsch auch die in­di­vi­du­el­le Dy­na­mik des je­weils ge­setz­ten Steps. Dies ken­nen wir von NI Ma­schi­ne und ver­mis­sen es manch­mal bei Able­ton Push, wo man den Ve­lo­ci­ty-Wert vor­her aus­wäh­len muss.

Step-Se­quen­zer

Ei­ne Key­group-Spur spielt eben­falls Sam­ples ab, dient da­bei aber eher zum to­na­len Spiel akus­ti­scher und elek­tro­ni­scher In­stru­men­te. Mul­ti­s­am­ples wer­den chro­ma­tisch ge­spielt, ein Au­to­sam­pler er­leich­tert das Er­stel­len ei­ge­ner Samp­le-In­stru­men­te auf Ba­sis Ih­rer Hard­ware-Syn­the­si­zer. Zum Spie­len der In­stru­men­te ver­fügt Force über den eben­falls von Push be­kann­ten No­ten-Mo­dus, in dem sich die 64 Pads in ei­ne Kla­via­tur ver­wan­deln, mit farb­lich ge­kenn­zeich­ne­ten Grund­tö­nen. Ver­schie­de­ne Ska­len sind wähl­bar, was un­ter an­de­rem das Spie­len von Ak­kor­den durch be­stimm­te Grif­fe er­leich­tert. Die in­tel­li­gen­ten Ton­lei­tern und Ak­kord­funk­tio­nen in­klu­si­ve har­mo­ni­scher Chord-Pro­gres­si­ons er­in­nern an die Mög­lich­kei­ten in NI Ma­schi­ne und Kom­ple­te Kon­trol.

Force kann die Pad-Ma­trix auch split­ten, al­so die obe­ren vier Pa­drei­hen zum Star­ten von Clips nut­zen und die un­te­ren vier zum Spie­len des In­stru­ments – das wür­den sich be­stimmt auch vie­le Push-Nut­zer wün­schen. Die bei­den wei­te­ren Step-Se­quen­zer-Va­ri­an­ten sind da­ge­gen wie­der von Push be­kannt. Va­ri­an­te 1 teilt die Ma­trix in ei­nem Lauf­licht­se­quen­zer mit 8 Steps und 8 di­rekt pro­gram­mier­ba­ren Ton­hö­hen auf, Va­ri­an­te 2 äh­nelt da­ge­gen dem Drum­se­quen­zer und bie­tet ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus No­te­grid und zwei­tak­ti­gem Step-Se­quen­zer. Als wei­te­re Krea­tiv­hil­fen be­sitzt Force ei­nen Ar­peg­gia­tor in­klu­si­ve No­te-Re­peat und rhyth­mi­schen Pat­tern so­wie ei­nen klas­si­schen Step-Se­quen­zer, der über das Touch­dis­play be­dient wird.

MIDI- und CV-Spu­ren

Auch die wei­te­ren drei Spu­ren kön­nen auf No­ten­ma­trix, Se­quen­zer und Arp zum Er­stel­len und Be­ar­bei­ten der Clips zu­grei­fen. MIDI- und CV-Spu­ren die­nen zum Ein­bin­den ex­ter­ner Klang­er­zeu­ger. Die CV-Buch­sen auf der Rück­sei­te sind da­bei fle­xi­bel als CV oder Ga­te-Aus­gän­ge kon­fi­gu­rier­bar. Sie kön­nen al­so zwei Ana­log­syn­the­si­zer an­steu­ern, oder Sie re­geln bei ei­nem ana­lo­gen Klang­er­zeu­ger zu­sätz­lich zu Ton­hö­he und Ga­te noch wei­te­re Klang­pa­ra­me­ter wie Laut­stär­ke und Fil­ter­fre­quenz per Ve­lo­ci­ty oder MIDI-Con­trol­ler.

Ein­ge­bau­te Synth

Ei­ne Plug-in-Spur dient da­ge­gen zum Ab­spie­len der No­ten durch ei­nes der in­ter­nen Plug-ins. In der ge­tes­te­ten Ver­si­on stellt Force vier Klang­er­zeu­ger zur Ver­fü­gung. Plug-ins be­lie­bi­ger Dritt­an­bie­ter kön­nen der­zeit nicht ein­ge­bun­den wer­den, hie­rin liegt wie­der­um ein we­sent­li­cher Un­ter­schied zu Able­ton Li­ve mit VST- und AU-Schnitt­stel­le für kom­pa­ti­ble Plug­ins. Die Plug-ins stam­men von Air Mu­sic, mit de­nen Akai schon län­ger zu­sam­men­ar­bei­tet. Bass­li­ne ist ein sub­trak­ti­ver vir­tu­ell-analoger Syn­the­si­zer und mit re­la­tiv sim­pler Klang­er­zeu­gung vor­nehm­lich für Bass­li­ni­en kon­zi­piert. Tu­beSynth emu­liert ei­nen po­ly­pho­nen Ana­log­syn­the­si­zer für Flä­chen und Leads, wäh­rend Electric für klas­si­sche elek­tro­ni­sche Tas­ten­in­stru­men­te wie E-Pia­nos ge­dacht ist. Für al­le an­de­ren Wün­sche gibt es Hy­pe, der ver­schie­de­ne Synth- En­gi­nes (Wa­ve­ta­ble, FM, sub­trak­tiv, Sam­pling) mit ei­ner gro­ßen Pre­set-Bi­b­lio­thek in ei­nem Pa­ket ver­eint und von schnei­den­den EDM-Leads über ge­zupf­te Tö­ne bis hin zu schwe­ben­den At­mo­sphä­ren vie­le Klän­ge in durch­aus über­zeu­gen­der Qua­li­tät mit kla­rem und durch­set­zungs­fä­hi­gem Sound prä­sen­tiert. Gut ge­fal­len hat uns die für das Touch­dis­play op­ti­mier­te Be­die­nung so­wie der ma­kro­ba­sier­te Auf­bau zum in­tui­ti­ven und spie­le­ri­schen Er­stel­len ei­ge­ner Sounds.

Ef­fekt-Plug-ins

Auch hin­sicht­lich der Ef­fek­te sind Sie bei Force auf die in­tern vor­ge­ge­be­nen Plug­ins be­schränkt, die aber in Aus­wahl und Qua­li­tät über­zeu­gen und so­wohl But­ter­und Brot als auch Krea­ti­ves bie­ten. Im Mi­xer, der eben­falls mit touch­op­ti­mier­ter Be­die­nung punk­tet, las­sen sich je Spur bis zu vier in­di­vi­du­el­le In­sert-Ef­fek­te la­den. Hin­zu kom­men vier de­di­zier­te Ef­fekt­spu­ren mit eben­falls bis zu vier­fa­chen Ef­fekt­ket­ten, die als Send­ef­fekt von den Ein­zel­spu­ren be­schickt wer­den kön­nen. Und auch Mas­ter­spur und Aus­gän­ge 3/4 be­sit­zen vier Ef­fekt­slots. Hin­zu kommt ein Per­for­mance-Ef­fekt, der sich ähn­lich der Korg-Ka­oss-Pads über den Touch­screen in Echt­zeit in meh­re­ren Pa­ra­me­tern gleich­zei­tig ver­än­dern lässt und un­ter an­de­rem De­lay-, Fil­ter­und Ga­te-Ef­fek­te und Kom­bi­na­tio­nen hier­aus bie­tet.

(Noch) kein Song­mo­dus

Wer bis­her ei­nen Ar­ran­ge­ment-Mo­dus wie bei Able­ton Li­ve ver­misst hat: Den gibt es bei Force der­zeit tat­säch­lich noch nicht. Für kom­plet­te Ar­ran­ge­ments müs­sen Sie ent­spre­chen­de Stems in der DAW vor­pro­du­zie­ren und/oder mit Sce­nes und Re­s­am­pling ar­bei­ten. Oder Sie nut­zen die Ex­port-Mög­lich­kei­ten als Able­ton-Pro­ject und be­ar­bei­ten Ih­re mit Force auf­ge­nom­me­nen Spu­ren dort zum Song wei­ter, was al­ler­dings die Stand-alo­ne-Fä­hig­kei­ten von Force ein we­nig ad ab­sur­dum führt. AKAI plant al­ler­dings die Nach­rüs­tung ei­nes Ar­ran­ge­ment-Mo­dus im Lau­fe die­ses Jah­res. Wie ge­nau dies dann aus­sieht, bleibt ab­zu­war­ten. We­nigs­tens den Song-Mo­de aus der MPC hät­te AKAI aber ru­hig schon ein­bau­en kön­nen, die Tech­nik da­für ist ja schon im Hau­se vor­han­den.

Künf­ti­ge Able­ton-In­te­gra­ti­on

Die Able­ton-In­te­gra­ti­on soll da­ge­gen be­reits im Früh­jahr nach­ge­reicht wer­den und wird Force durch­aus in Push-Kon­kur­renz set­zen. Die Be­die­nung über das Touch­dis­play nebst An­zei­ge der Clip­ma­trix inkl. Clip­na­men ver­schafft Force da­bei so­gar si­gni­fi­kan­te Vor­tei­le, die tief­ge­hen­de In­te­gra­ti­on in die haus­ei­ge­nen Plug-ins wie Wa­ve­ta­ble und EQ-8 mit gra­fi­scher Echt­zeit­an­zei­ge wird da­ge­gen wohl ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal von Push 2 blei­ben.

Fa­zit

Force kom­bi­niert das Touch­screen-op­ti­mier­te Be­triebs­sys­tem aus der MPC-X und MPC-Li­ve mit ei­ner 8x8-Pad-Ma­trix und legt da­bei den Schwer­punkt auf Clip-ba­sier­te Auf­nah­men. Das Er­geb­nis ist im Prin­zip Able­ton Push und Li­ve in ab­ge­speck­ter Form zum Mit­neh­men. Dank bis zu 128 Spu­ren, mit de­nen sich auch ex­ter­ne Hard­ware über MIDI und CV an­steu­ern lässt, eig­net sich Force als Herz­stück ei­nes com­pu­ter­lo­sen Stu­di­os. Als leicht be­dien­ba­rer 8-Spur-Au­dio­re­kor­der mit an­pass­ba­rer Be­gleit­au­to­ma­tik ist Force auch für Sin­ger/Song­wri­ter in­ter­es­sant, die ro­bus­te Hard­ware und das in­te­grier­te Au­dio­in­ter­face emp­feh­len Force eben­so zum fle­xi­blen Ab­feu­ern und Be­ar­bei­ten von vor­ge­fer­tig­ten Play­backs und Stems auf der Büh­ne oder der DJ-Kan­zel – al­les oh­ne Lap­top, In­ter­face und Ka­bel­sa­lat! Das Gan­ze hat zwar sei­nen Preis, der für das Ge­bo­te­ne aber mehr als an­ge­mes­sen ist, zu­mal Force als All-In-One-Lö­sung der­zeit ab­ge­se­hen von der MPC-Se­rie aus glei­chem Hau­se kon­kur­renz­los ist. Zu kri­ti­sie­ren gibt es eigentlich nur den feh­len­den Ar­ran­ge­ment/Song-Mo­dus, der aber im Rah­men ei­nes Up­dates noch nach­ge­reicht wer­den soll – dann gibt es von uns auch die vol­le Punkt­zahl!

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Clips wer­den auch auf dem Dis­play an­ge­zeigt, in­klu­si­ve der Na­men – da­mit über­trumpft Force den haus­ei­ge­nen Able­ton-Con­trol­ler Push.
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Force bie­tet als Be­son­der­hei­ten auf der Rück­sei­te CV/Ga­te-Aus­gän­ge so­wie ei­nen Netz­werk­an­schluss für Able­ton Link.
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