Beat

Test: Nekt­ar Tech Bolt

Ge­nug von analoger Klas­sik? Der Soft­ware-Syn­the­si­zer Nekt­ar Bolt ver­zich­tet auf ei­ne Fil­ter­sek­ti­on und ver­lässt sich auf sein al­ter­na­ti­ves Os­zil­la­tor-Kon­zept. Mu­tig!

- Von Mat­thi­as Sau­er Nashville Sounds · The Presets · LESTO

Synth oh­ne Fil­ter? Geht!

Der ka­li­for­ni­sche Her­stel­ler ­Nekt­ar ist schon län­ger be­kannt für ­sei­ne ­at­trak­ti­ven Hard­ware-Con­trol­ler. Be­liebt sind vor al­lem die Pan­ora­ma-Key­boards zur Steue­rung ver­brei­te­ter DAWs und VST-In­stru­men­te. Mit Bolt wagt sich die Fir­ma nun erst­mals selbst an den Soft­ware-Be­reich her­an. Die­se in Ham­burg ent­wi­ckel­te Syn­the­se­form trägt den Ti­tel „Har­mo­nics Syn­the­se“. Im Un­ter­schied zur sub­trak­ti­ven Syn­the­se ist die Ober­ton­struk­tur di­rekt in­ner­halb der ­Os­zil­la­tor­Sek­ti­on form­bar. In­so­fern ist ei­ne Fil­ter­sek­ti­on nicht nö­tig. Die­ser An­satz mag an ein Wa­ves­ha­ping oder an die ad­di­ti­ve Syn­the­se er­in­nern, Bolt ist un­ter der Hau­be aber an­ders struk­tu­riert.

Neue Er­fah­rung

Frei­lich lie­ße sich die Har­mo­nics Syn­the­sis ma­the­ma­tisch im De­tail er­klä­ren, es funk­tio­niert aber viel ein­fa­cher in der Pra­xis: Auf der Beat-DVD fin­den Sie ei­ne De­mo-Ver­si­on, mit der Sie ih­re ei­ge­nen Er­fah­run­gen mit die­sem Klang­er­zeu­ger di­rekt ma­chen kön­nen. Ru­fen Sie zu­nächst das Pre­set „Si­ne Wa­ve“aus dem Ord­ner „Wa­ves“auf und ge­hen Sie auf Ent­de­ckungs­tour. Je­der Os­zil­la­tor bie­tet die Pa­ra­me­ter „Odd“, „Inv“und „Deep“, die sich ein­zeln per Maus­klick ak­ti­vie­ren las­sen. Spie­len Sie ein we­nig mit den Wer­ten, ver­än­dert sich das Ober­ton­s­pek­trum ent­spre­chend.

Per Fre­quenz­mo­du­la­ti­on be­zie­hungs­wei­se - bei der Ver­wen­dung bei­der Os­zil­la­to­ren - per Cross­mo­du­la­ti­on sind im Nu be­lie­bi­ge dis­har­mo­ni­sche Klang­spek­tren zu ent­lo­cken. Im Dis­play kön­nen Sie üb­ri­gens die­se Spek­tren an­schau­en und per Maus­click auf ei­ne Os­zil­lo­skop-An­sicht wech­seln.

Für zeit­ab­hän­gi­ge Ve­rän­de­run­gen des Klangs sind bei Bolt ins­be­son­de­re drei LFOs und ei­ne Mo­du­la­ti­ons­hüll­kur­ve ver­füg­bar, die be­lie­bi­ge Pa­ra­me­ter-Zu­wei­sun­gen er­lau­ben und er­staun­lich trick­reich pro­gram­miert wer­den kön­nen. Die­se Klang­bau­stei­ne müs­sen beim aus­ge­wähl­ten „Si­ne Wa­ve“Pre­set wie die Os­zil­la­tor-Funk­tio­nen zum Ein­satz an­ge­clickt wer­den. Für vo­lu­mi­nö­se räum­li­che Klän­ge nut­zen Sie die Voice Dou­ble-Funk­ti­on, die sehr raf­fi­niert ar­bei­tet und wie der Cho­rus für le­ben­di­ge Klang­fül­le sorgt.

Klang­li­che Stär­ken

Wenn Sie lie­ber kon­su­mie­ren: Bolt kommt mit rund 500 Pre­sets aus­ge­stat­tet. Sie zei­gen die klang­li­che Fle­xi­bi­li­tät durch vie­le tra­di­tio­nel­le Spar­ten (Bass, Pad, Seq, FX) und Gen­res der elek­tro­ni­schen Pop­mu­sik durch­aus gut. Schon beim ers­ten An­spie­len spü­ren Sie sei­nen fei­nen spe­zi­fi­schen Ei­gen­klang, der sich ir­gend­wo zwi­schen FM/Ad­di­tiv- und Ana­log-Syn­the­si­zer plat­ziert. Bolt äu­ßert sich we­der bru­tal hart noch äu­ßerst sam­tig weich. Sehr prak­tisch fin­de ich ihn für po­ly­fo­ne Klän­ge wie Pads und Com­pings, die im Se­quen­cer-Ar­ran­ge­ment an­ge­nehm trans­pa­rent und prä­zi­se fül­len kön­nen. Ob­wohl kein Step-Se­quen­cer vor­han­den ist, fin­den sich rhyth­misch mo­du­lier­te und ty­pi­sche Wob­b­ling-Sounds im Pre­set-An­ge­bot. Ein Ar­peg­gia­tor soll­te aber hof­fent­lich in ei­nem Up­date be­rück­sich­tigt wer­den.

Die Ef­fekt-Ab­tei­lung fällt eher ru­di­men­tär aus, was aber nicht stört. Dies spricht für den gu­ten Ba­sis­klang von Bolt, der schon selbst or­dent­lich Sub­stanz bie­tet. Beim Re­verb wür­de ich für am­bi­en­te Sounds oh­ne­hin den in­ter­nen Ef­fekt de­ak­ti­vie­ren und das Lieb­lings-Hall-Plug-in ver­wen­den.

Wie die klar struk­tu­rier­te B e n u t z e ro­ber­flä­che auf An­hieb ver­mu­ten lässt: Die Be­die­nung von Bolt ist prin­zi­pi­ell ein­fach. Sie ver­lie­ren sich in kei­ne Me­nüs, son­dern se­hen al­le wich­ti­gen Pa­ra­me­ter auf der Haupt­sei­te. Bolt for­dert aber ei­ne ge­wis­se Lust aufs Klang­tüf­teln ein. An­ders als beim Ein­satz ei­nes Fil­ters und klas­si­scher Os­zil­la­to­ren müs­sen Sie län­ger mit et­was Glück schrau­ben, bis sich das ge­wünsch­te Klang­bild ein­stellt. Falls Sie sich so­wie­so lie­ber ein we­nig über­ra­schen las­sen wol­len, ist Bolt wohl der pas­sen­de Part­ner. Ganz so un­kal­ku­lier­bar wie ein FM-Syn­the­si­zer ist er aber nicht, son­dern viel ein­fa­cher zu durch­schau­en.

Fa­zit

Glück­wunsch zur Pre­mie­re. Der in­di­vi­du­el­le Sound­cha­rak­ter und die Be­die­nung sind die bei­den größ­ten Plus­punk­te von Nekt­ar Bolt. In der Pra­xis be­währt sich die Klang­er­zeu­gung, weil sie an­ge­nehm sach­lich ar­bei­tet und kei­nes­falls durch blo­ße Ef­fekt­ha­sche­rei ani­miert. Bei ihr füh­ren re­la­tiv we­ni­ge Pa­ra­me­ter zu ei­nem mu­si­ka­lisch fast im­mer ver­wert­ba­ren Sound. Die­ser Soft­ware-Syn­the­si­zer er­zeugt Klän­ge, die sich er­staun­lich viel­sei­tig in die Pro­duk­ti­on – von Re­tro bis ak­tu­el­ler Elek­tro­nik – ein­brin­gen las­sen.

Wer sich ei­ne Al­ter­na­ti­ve ins­be­son­de­re zu den über­zäh­li­gen Ana­log-Syn­the­si­zern wünscht, be­kommt mit Nekt­ar Bolt ein cha­ris­ma­ti­sches Pro­dukt zu ei­nem mo­de­ra­ten Preis. Bleibt zu wün­schen, dass Nekt­ar die­sem gu­ten Syn­the­si­zer wei­te­re Pre­sets und Fea­tures spen­diert und die neu­en Fans so lan­ge glück­lich stimmt.

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Nekt­ar stellt das ers­te Soft­ware-Pro­dukt vor: Bolt er­mög­licht ein al­ter­na­ti­ves Klang­schrau­ben und lie­fert mu­si­ka­lisch wert­vol­le Klang­far­ben.

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