Ein Hör­funk-Kon­zert für Lieb­ha­ber

Bergische Morgenpost Hueckeswagen - - LOKALE KULTUR - VON CHRIS­TI­AN PEISELER

Die Ber­gi­schen Sym­pho­ni­ker spiel­ten die sel­ten zu hö­ren­de Oper „Béatri­ce und Bé­né­dict“von Hec­tor Ber­li­oz in ei­ner kon­zer­tan­ten Auf­füh­rung. Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Pe­ter Kuhn gab ei­nen gut ge­laun­ten Con­fé­ren­cier.

REMSCHEID Der städ­ti­sche Chor singt bla­ma­bel, die Orches­ter­mu­si­ker spie­len er­bärm­lich, und Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Pe­ter Kuhn di­let­tiert am Pult. „Auf­hö­ren, auf­hö­ren.“Das Orches­ter ver­stummt. Ein selbst­ge­fäl­li­ger Mann im An­zug drückt sich durch die Rei­hen der Mu­si­ker und legt der Oboe ei­ne Par­ti­tur vor. „Spie­len Sie das mal“, sagt er mit ei­ner her­ab­las­sen­den Hand­be­we­gung. Obo­ist Chris­ti­an Le­schow­ski bläst schüch­tern ein paar Tö­ne, bis er ein fein zi­se­lier­tes So­lo in­to­niert, ge­gen das auch der Phi­lis­ter nichts ein­zu­wen­den hat. Die Sym­pho­ni­ker dür­fen nun wei­ter die Oper „Béatri­ce und Bé­né­dict“von Hec­tor Ber­li­oz spie­len. Ei­ne ko­mi­sche Oper, bei der al­les wei­he­vol­le Er­star­ren fehl am Plat­ze ist. Ber­li­oz hat die­se Num­mer sel­ber ein­ge­baut, um die stren­ge Zunft der Kri­ti­ker und Ma­e­s­tros mit ih­rer Ei­tel­keit durch den Ka­kao zu zie­hen.

Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Pe­ter Kuhn trat bei die­sem Phil­har­mo­ni­schen Kon­zert in ei­ner Dop­pel­rol­le auf. Zum ei­nen als Di­ri­gent, zum an­de­ren als Con­fé­ren­cier. Elo­quent und geist­reich führ­te er durch die kon­zer­tan­te Auf­füh­rung, in­dem er das Pu­bli­kum (dies­mal wa­ren mehr Plät­ze frei als be­setzt im Teo Ot­to Thea­ter) ins Bild setz­te, an wel­cher Stel­le sich ge­ra­de die Hand­lung der Oper be­fand und wel­che mus­ka­li­schen Ein­fäl­le Ber­li­oz zur In­stru­men­tie­rung nutz­te.

Zwi­schen­zeit­lich kam man sich vor wie bei ei­nem Hör­funk-Kon­zert, bei dem der Zu­hö­rer mit viel päd­ago­gi­schem Elan durch die Mu­sik­welt von Ber­li­oz ge­führt wird. Beim Rem­schei­der Pu­bli­kum fand die­ses For­mat gro­ßen An­klang. Zu­mal die sechs So­lis­ten in ih­rer In­ter­pre­ta­ti- on des ko­mi­schen Per­so­nals sehr zu ge­fal­len wuss­ten. Ber­li­oz nahm Sha­ke­speares Ko­mö­die „Viel Lär­men um nichts“als Grund­la­ge für sei­ne au­ßer­or­dent­lich raf­fi­niert und fein­sin­nig kom­po­nier­te Oper. Kurz ge­sagt: Es geht ums Hei­ra­ten. Auf ver­schie­de­nen Ebe­nen. Mal in ro­man­ti­schem Or­nat, mal auf volks­tüm­li­che Art. Zum Schluss sind bei­de Paa­re ver­hei­ra­tet, ob sie woll­ten oder nicht, spielt kei­ne Rol­le. Die­ses sel­ten auf­ge­führ­te Werk ent­pupp­te sich als ei­ne klei­ne Schatz­kis­te von wun­der­ba­ren Ari­en und Du­et­ten. Per­len der Ro­man­tik, könn­te man sa­gen. Die­se sind aber nicht in Süß­stoff ge­tränkt, son­dern wir­ken wie ein sprit­zi­ger Cock­tail, in den ein paar Trop­fen Me­lan­cho­lie ein­ge­rührt wur­den.

Zu den Hö­he­punk­ten zähl­te das Du­ett zwi­schen He­ro und ih­rer Freun­din Ur­su­la. Zwei Nacht­schwär­me­rin­nen und Lie­bes­trun­ke­ne, die beim abend­li­chen Spa- zier­gang in der Na­tur die Wi­der­spie­ge­lung ih­rer ro­man­ti­schen Ge­fühls­wel­ten ent­de­cken. Ih­re Stim­men fol­gen der Spur des Lichts.

Das Orches­ter adelt mit ei­nem samt­wei­chen Klang die Her­zen­ser­gie­ßun­gen, der Emo­tio­nen un­ter ei­ne Lu­pe legt und Gren­zen zwi­schen Traum und Wirk­lich­keit auf­löst. Als der Klang der Oboe em­por­steigt wie ein Stern zum Nacht­him­mel, scheint die Er­de sich nicht mehr zu dre­hen, und al­les ver­sinkt in Stil­le. Die­sen er­ha­be­nen Au­gen­bli­cken fol­gen wie­der pro­fa­ne Mo­men­te.

Zum Bei­spiel bei ei­nem Trink­lied, das in ei­ner ko­mi­schen Oper nie feh­len darf. Die Schlag­wer­ker nut­zen vier Sekt­fla­schen zur rhyth­mi­schen Un­ter­ma­lung, und der Chor ruft am Schluss „Zu­ga­be, Zu­ga­be“. Es war ein Kon­zert­abend mit Un­ter­hal­tungs­qua­li­tät und für al­le, die mit Ber­li­oz nicht so ver­traut sind, ei­ne hüb­sche Ent­de­ckung.

FO­TO: C. PEISELER

Schluss­ap­plaus für Sän­ger, Sän­ge­rin­nen und die Ber­gi­schen Sym­pho­ni­ker nach der kon­zer­tan­ten Auf­füh­rung von Ber­li­oz’ Oper „Béatri­ce und Bé­né­dict“.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.