Ka­ta­stro­phen­jahr für den Wald

Bergische Morgenpost Hueckeswagen - - Remscheid Kompakt - VON THO­MAS WINTGEN

Ei­ne Ge­samt­bi­lanz des „Dür­re­jahrs“2018 ver­mag der Forst noch nicht zu zie­hen, sag­te Mar­kus Wolff, Lei­ter des Forst­be­triebs der Tech­ni­schen Be­trie­be (TBR), in der jüngs­ten Sit­zung des Be­triebs­aus­schus­ses. Schä­den könn­ten sich auch in Fol­ge­jah­ren noch zei­gen. Wolff er­in­ner­te an den Sturm „Frie­de­ri­ke“, der in NRW 20 Mil­lio­nen Fest­me­ter Holz ver­nich­te­te. Die Bö­den wa­ren bis in 1,8 Me­ter Tie­fe „au­ßer­ge­wöhn­lich tro­cken“.

Ein wei­te­res Phä­no­men ne­ben Hit­ze und Sturm ist der Bor­ken­kä­fer. In Berg­neu­stadt er­gab die Ana­ly­se ei­nes Baums 1600 Alt­kä­fer, 29.000 Lar­ven, 4000 Pup­pen und 471 fri­sche „Mut­ter­gän­ge“. Wolff: „Das be­deu­tet hoch­ge­rech­net, dass der­sel­be Baum 2019 mit 1,5 Mil­li­ar­den Kä­fern fer­tig wer­den muss.“Er schil­der­te die dis­ku­tier­te Idee, ab­ge­stor­be­ne Bäu­me ste­hen­zu­las­sen und die noch ver­wert­ba­ren zu schla­gen. Ab­ge­se­hen vom Er­schei­nungs­bild wür­den die ge­schla­ge­nen Schnei­sen zu vie­le An­griffs­flä­chen ins­be­son­de­re für Stür­me bie­ten.

„Wir wün­schen uns ein paar Mil­lio­nen Spech­te mehr“, sag­te der Ge­schäfts­be­reichs­lei­ter Forst­wirt­schaft. Die wür­den Bor­ken­kä­fer es­sen. Der Forst über­le­ge mit Ord­nungs­de­zer­nen­tin Bar­ba­ra Reul-No­cke und der Feu­er­wehr, wel­cheVor­sichts­maß­nah­men an­ge­sagt sind – ein­ge­denk der Tat­sa­che, dass in Rem­scheid 60 Pro­zent der Wald­flä­chen in meist klein­tei­li­gen Par­zel­len Pri­vat­ei­gen­tum sind. Da kom­me es vor, dass die Be­sit­zer sich nicht mehr um ih­re Flä­chen küm­mer­ten und der Forst­be­trieb Ab­wehr­maß­nah­men er­grei­fe – „auch ge­gen den Wil­len der Be­sit­zer“. Wolff er­war­tet ein„span­nen­des Jahr 2019“. Im Hin­blick auf wald­na­he Sied­lun­gen sag­te er vor­aus: „Auch Fich­ten-He­cken müs­sen weg.“

Er er­in­ner­te an den Be­schluss des Be­triebs­aus­schus­ses, ei­nen mul­ti­funk­tio­na­len, er­trag­rei­chen „Dau­er­wald“vor­zu­hal­ten. Es sei frag­lich, ob das Tem­po des Kli­ma­wan­dels noch zu­las­se, die­sen ein­zu­rich­ten und vor­zu­be­rei­ten. Ziel sei die Ent­wick­lung sta­bi­ler und struk­tur­rei­cher Be­stän­de – ge­nau da­für hat­te Wolff ein po­si­ti­ves Bei­spiel mit­ge­bracht: Er zeig­te ei­nen Be­stand an der Neye-Tal­sper­re, der durch den Or­kan „Ky­rill“ge­schä­digt wor­den war: „Neun Jah­re spä­ter sieht es bes­ser aus.“Er­freu­lich sei, dass es heu­te statt ei­ner ein­zi­gen Baum­art (Fich­te) de­rer 14 ge­be – dass die­se ge­scheit ge­lenkt wür­den in ih­rem Wachs­tum, kön­ne er ga­ran­tie­ren. „Wir sind si­cher“, sag­te er, „dass wir auf ei­nem gu­ten Weg sind.“

Der Forst er­war­te 2019 Pro­ble­me auch mit Laub­bäu­men we­gen der Hit­ze 2018. Dem ak­tu­el­len Lan­des­be­richt zu­fol­ge sei­en 72 Pro­zent der Laub­bäu­me ge­schä­digt. Der Bun­des­tag ha­be ge­ra­de für NRW 328.000 Eu­ro be­reit­ge­stellt. „Wir ste­hen vor ei­nem Wald­ster­ben­ben – und die Po­li­tik gibt Al­mo­sen.“

FO­TO: DPA (SYM­BOL)

Luft­auf­nah­me zeigt durch die Tro­cken­heit ge­schä­dig­te Fich­ten.

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