Mit Schutz­en­gel durch die Ka­ta­stro­phe

Sie­ben Men­schen star­ben, 50 wur­den ver­letzt. Heu­te er­in­nert äu­ßer­lich nichts mehr an den Flug­zeug­ab­sturz vor 30 Jah­ren. Prä­sent ist er aber in der Er­in­ne­rung vie­ler Bür­ger.

Bergische Morgenpost Hueckeswagen - - Remscheid - VON CHRIS­TI­AN PEISELER

Es wa­ren da­mals schlim­me Ta­ge, mit gro­ßem Leid und auf­ge­brach­ten Ge­mü­tern. Der Flug­zeug­ab­sturz heu­te vor 30 Jah­ren mei­ßelt sich als bis­her größ­te Tra­gö­die von Rem­scheid in Frie­dens­zei­ten ins Ge­dächt­nis. Sie­ben Men­schen star­ben, 50 wur­den ver­letzt.

Im Re­gal von Klaus-Die­ter Wie­den­hoff steht ei­ne durch­sich­ti­ge Plas­tik­do­se, in der ei­ne Scher­be des ame­ri­ka­ni­schen Bom­bers liegt, der auf die Häu­ser an der Stockder Stra­ße stürz­te. Die Auf­räum­trupps hat­ten sie in sei­nem zer­stör­ten Au­to über­se­hen. Wie­den­hoff hielt sich an die­sem Mit­tag in ei­ner Au­to­werk­statt in un­mit­tel­ba­rer Nä­he auf. Er woll­te nur ei­nen Brief ab­ge­ben. Das un­fass­bar lau­te Ge­räusch des Auf­pralls hat er noch im Ohr. Ei­ne Staub- und Qualm­wol­ke kroch un­ter dem Hal­len­tor durch. Als Wie­den­hoff und die an­de­ren Män­ner auf die Stra­ße rann­ten – sie dach­ten, die dort ar­bei­ten­den Dach­de­cker sei­en für den Krach ver­ant­wort­lich - sa­hen sie bren­nen­de Häu­ser, Qualm und Trüm­mer übe­r­all. „Ich sah das Haus, das vom Flü­gel des Flug­zeugs auf­ge­schlitzt wor­den ist. Dort saß ei­ne Mut­ter mit ih­rem Kind auf dem Schoss und wein­te und schrie“, er­in­nert sich Wie­den­hoff. Ein Dach­de­cker hat­te ir­gend­wo ei­ne Lei­ter be­sorgt und sei to­des­mu­tig die Trüm­mer ent­lang ge­klet­tert, um Mut­ter und Kind zu ret­ten. Sze­nen, von de­nen Wie­den­hoff so plas­tisch er­zäh­len kann, als wä­ren sie ges­tern pas­siert.

Der 72-Jäh­ri­ge ar­bei­te­te da­mals als Han­dels­ver­tre­ter für die Fir­ma Kni­pex in Cro­nen­berg. Als kor­rek­ter Mit­ar­bei­ter woll­te er schnell Be­scheid ge­ben, dass er nicht zur Ar­beit kom­men kön­ne, sein Au­to sei to­tal zer­stört. Er klin­gel­te an ei­ner Haus­tü­re – da­mals gab es noch kein Han­dy – und rief an. In Cro­nen­berg glaub­te ihm die Che­fin die Ge­schich­te vom Flug­zeug­ab­sturz nicht und schick­te zur Kon­trol­le ei­nen Mit­ar­bei­ter her­aus. Doch der kam nur bis Has­ten.

Wie so oft ist es ei­ne un­heil­vol­le Ver­ket­tung von Fehl­ent­schei­dun­gen, die zum Ab­sturz der Ma­schi­ne vom Typ A-10 führt. „Thun­der­bolt“heißt die­ser Flug­zeug­typ. Die

Ta­ge da­nach: Bag­ger be­gin­nen da­mit, die zer­stör­ten Häu­ser ab­zu­rei­ßen.

Es sind Bil­der wie aus dem Zwei­ten Welt­krieg: To­te, Ver­letz­te und bren­nen­de Häu­ser. Ein Schwarz-Weiß-Fo­to von der Ab­sturz­stel­le des Flug­zeugs vor 30 Jah­ren in der Stockder Stra­ße. FO­TOS: JÜR­GEN KÖRSCHGEN (AR­CHIV)

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