Neu­er Bus für die „Le­ben­di­ge In­klu­si­on“

Be­woh­ner der Wohn­grup­pe in Nie­der­lan­gen­berg ha­ben ein be­son­de­res Ni­ko­laus­ge­schenk be­kom­men: ei­nen Klein­bus samt Spe­zi­al­platz für Roll­stuhl­fah­rer. Ge­för­dert wur­de die An­schaf­fung zu zwei Drit­teln von der „Ak­ti­on Mensch“.

Bergische Morgenpost Hueckeswagen - - Hückeswagener Zeitung - VON HEI­KE KARS­TEN

Es ist Ni­ko­laus­mor­gen, und auch die Be­woh­ner der Wohn­grup­pe„Le­ben­di­ge In­klu­si­on“in Nie­der­lan­gen­berg schau­en, ob der raus­ge­stell­te Schuh vom Ni­ko­laus be­füllt wur­de. Noch im Schlaf­an­zug geht es raus. Vor der Ter­ras­sen­tür steht ein gro­ßer Sack mit Nüs­sen und Man­da­ri­nen. Und noch et­was Gro­ßes fällt auf: ein wei­ßer Mer­ce­des Sprin­ter. „Es ha­ben sich so­fort al­le rein­ge­setzt, und das mor­gens um sechs Uhr“, sagt Ge­schäfts­füh­re­rin Bea­te Mül­lers.

Der neue Trans­port­bus ist im­mens wich­tig. „Nun kön­nen wir end­lich mit al­len Be­treu­ten ge­mein­sa­me Aus­flü­ge ma­chen und sind to­tal mo­bil“, freut sich Mül­lers. Bis­her war es so, dass Mit­ar­bei­ter oder El­tern bei Fahr­ten mit Pri­vat­wa­gen aus­hel­fen muss­ten. Der Klein­bus ist mit Ein­zel­sitz­plät­zen, ei­nem Platz für ei­nen Roll­stuhl nebst He­be­büh­ne, au­to­ma­ti­scher Schie­be­tür und Ein­stieghil­fe aus­ge­stat­tet.

Der gro­ßeVor­teil des Neun-Sit­zers ist, dass al­le Be­woh­ner und zwei Be­treu­er ge­mein­sam fah­ren kön­nen. Roll­stuhl­fah­re­rin Sa­rah hat ei­ne Ram­pe und ei­nen ei­ge­nen Platz. Die Ein­zel­plät­ze ha­ben ih­ren Sinn. „Es gibt fremd­ag­gres­si­ve­s­Ver­hal­ten, da­her ist der Ab­stand zwi­schen den Sit­zen gut“, sagt die Ge­schäfts­füh­re­rin. Fi­nan­ziert wur­de das Fahr­zeug zu zwei Drit­teln durch die „Ak­ti­on Mensch“, den Rest hat derVer­ein ge­tra­gen. Im Früh­jahr wur­de der An­trag auf För­de­rung ge­stellt. Pünkt­lich zum Ni­ko­laus­tag kam der Bus an. Zu­nächst er­hal­ten die Mit­ar­bei­ter ein Fahr­si­cher­heits­trai­ning, das vom ADAC und der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft an­ge­bo­ten wird. Auch mit den Funk­tio­nen der Ram­pe und au­to­ma­ti­schen He­be­büh­ne müs­sen sie sich erst ver­traut ma­chen.

Die ers­te Tour soll zum Weih­nachts­markt nach Al­ten­berg ge­hen. „Wir ma­chen aber auch ge­mein­sa­me Aus­flü­ge zur Neye oder fah­ren zu Zir­kus-Pro­ben in die ATV-Turn­hal­le und mitt­wochs ins Hal­len­bad zum Schwim­men“, sagt Mit­ar­bei­ter Jo­nas Sch­nu­ser. Auch Ur­laubs­fahr­ten stel­len jetzt kein Pro­blem mehr dar. Im Som­mer wür­de der Ver­ein den Be­treu­ten ger­ne ei­nen Ur­laub am Meer er­mög­li­chen.

Seit Ok­to­ber 2013 bie­tet „Le­ben­di­ge In­klu­si­on“das ge­mein­sa­me Woh­nen und Ar­bei­ten für Men­schen mit und oh­ne geis­ti­ge Be­hin­de­rung auf ei­nem Bau­ern­hof in Nie­der­lan­gen­berg an. Mit den Jah­ren ka­men im­mer neue Be­woh­ner hin­zu. Vor ei­nem Jahr wur­de die zum Wohn­haus um­ge­bau­te Scheu­ne fer­tig­ge­stellt, so dass heu­te sie­ben Be­treu­te dort Platz fin­den. Ein Platz ist der­zeit noch frei.

Im April 2018 kam Roll­stuhl­fah­re­rin Sa­rah hin­zu. Ab da war den Be­treu­ern schnell klar, wie klein der Ak­ti­ons­ra­di­us oh­ne ge­eig­ne­tes Trans­port­mit­tel für sie ist. Denn der Bau­ern­hof liegt ab­seits und ist von Wie­sen, Fel­dern und un­be­fes­tig­ten We­gen um­ge­ben. Mit dem Bus kann Sa­rah an al­len Ak­tio­nen teil­neh­men. Ei­nen Na­men ha­ben die Be­woh­ner dem Fahr­zeug auch schon ge­ge­ben: „Tif­fy“soll es hei­ßen“.

FO­TO:

Pro­be­sit­zen am Don­ners­tag­abend: Bea­te Mül­lers (3.v.l), Jo­nas Sch­nu­er (l.) und The­ra­pie­hund Freya freu­en sich mit den Be­woh­nern über das neue Fahr­zeug.JÜR­GEN MOLL

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