Auch in der Nacht wird für Ord­nung ge­sorgt

Mit­ar­bei­ter des Ord­nungs­amts müs­sen auch dann raus, wenn al­le an­de­ren Men­schen schla­fen. Et­wa bei Zwangs­ein­wei­sun­gen oder Öl­spu­ren.

Bergische Morgenpost Hueckeswagen - - Hückeswagen - VON WOLF­GANG WEITZDÖRFER

Die Schloss-Stadt ist re­la­tiv klein und nachts ist hier meist nicht viel los. Den­noch gibt es vom Ord­nungs­amt der Stadt ei­ne Nacht­ruf­be­reit­schaft, die be­reits mit dem En­de der all­ge­mei­nen Bü­ro­zei­ten, in der Re­gel al­so um 16 Uhr, be­ginnt. „Frü­her gab es da­für ei­ne öf­fent­li­che und di­rek­te Te­le­fon­num­mer. Al­ler­dings wur­de die ver­mehrt für Klei­nig­kei­ten an­ge­ru­fen, so dass man ir­gend­wann ent­schie­den hat, sie zen­tral über die Po­li­zei und die Ret­tungs­leit­stel­le in Gum­mers­bach lau­fen zu las­sen“, sagt Ord­nungs­amts-Mit­ar­bei­ter Ma­rio Mo­ritz. So könn­ten die Kol­le­gen die An­ru­fe aus­sie­ben und nur die wei­ter­lei­ten, die tat­säch­lich wich­tig sei­en. Die Nacht­ruf­be­reit­schaft wür­den die Mit­ar­bei­ter im­mer ei­ne Wo­che lang aus­üben, sie­ben Kol­le­gen sei­en fest­an­ge­stellt, so dass je­der al­le sie­ben Wo­chen Di­enst ha­be, er­klärt Mo­ritz, der selbst seit 2012 für das Ord­nungs­amt ar­bei­tet.

Es ge­be zwei Haupt­ein­satz­ar­ten für die Ruf­be­reit­schaft, sagt der 29-Jäh­ri­ge: „Ei­ne Sa­che, we­gen der wir aus­rü­cken müs­sen, ist die so­ge­nann­te Psy­chKG, al­so das, was man ge­mein­hin un­ter dem Be­griff der‚Zwangs­ein­wei­sung‘ kennt.“Sie kom­me zwar nicht oft vor, durch­schnitt­lich et­wa sechs- bis zehn­mal pro Jahr, aber wenn es vor­kom­me, ge­hö­re es zu den sehr be­las­ten­den und un­schö­nen Auf­ga­ben, sagt Mo­ritz. „Ich hat­te bei­spiels­wei­se mal ei­nen Fall von häus­li­cher Ge­walt. Da hat der Va­ter sei­ne Frau und Kin­der ver­prü­gelt und wir muss­ten dann ein­schrei­ten. Das nimmt man schon ein Stück weit mit nach Hau­se.“Die Maß­nah­me wer­de von der Ord­nungs­be­hör­de an­ge­ord­net – im Zwei­fels­fall könn­ten die Ord­nungs­amts­mit­ar­bei­ter al­so auch ge­gen die Stim­men der in al­ler Re­gel eben­falls an­we­sen­den Ärz­te, Ret­tungs­dienst­mit­ar­bei­ter oder Po­li­zis­ten ent­schei­den. „Das kommt aber prak­tisch nicht vor, man ar­bei­tet zu­sam­men, und das ist auch gut so“, be­rich­tett Mo­ritz.

Die zwei­te Art von Ein­sät­zen sei­en Öl­spu­ren auf der Stra­ße, die oh­ne ei­nen Un­fall auf­ge­tre­ten sei­en. „Nor­ma­ler­wei­se küm­mert sich dar­um ja die Feu­er­wehr. Der Ober­ber­gi­sche Kreis hat das al­ler­dings dem Ord­nungs­amt über­tra­gen, um die Weh­ren zu ent­las­ten“, sagt Mo­ritz. Es ge­he al­so um al­les, was ir­gend­wie mit der Stadt zu tun ha­be, sagt der 29-Jäh­ri­ge. „Es war et­wa mal ei­ne Bau­stel­le der BEW so auf­ge­baut, dass ein Ret­tungs­dienst ein Haus nicht an­fah­ren konn­te. Die muss­ten wir dann so um­stel­len, dass das mög­lich war“, sagt Mo­ritz.

Ne­ben der Ruf­be­reit­schaft ar­bei­ten Mit­ar­bei­ter des Ord­nungs­amts aber auch noch an an­de­rer Stel­le bis teils spät in die Nacht: Im Rah­men der Strei­fen­gän­ge, die an fünf Aben­den derWo­che und bei be­son­de­ren Fes­ten ge­macht wer­den, um die kom­mu­na­le Si­cher­heit auf­recht­zu­er­hal­ten. „Die Rund­gän­ge fin­den in der Re­gel von 18 bis 22 Uhr statt, am Wo­che­n­en­de auch bis spä­ter in die Nacht. Das wird aber va­ri­iert, da­mit die Ju­gend­grup­pen nicht ge­nau wis­sen, wann wir un­ter­wegs sind“, sagt Mo­ritz schmun­zelnd. Im Kom­mu­na­len Ord­nungs­dienst sind der­zeit fünf Teams zu je zwei Mit­ar­bei­tern un­ter­wegs. Und auch wenn die Ge­walt sich in Hü­ckes­wa­gen ins­ge­samt in Gren­zen hal­te, sei­en die haupt­säch­lich ne­ben­be­ruf­lich tä­ti­gen Mit­ar­bei­ter gut aus­ge­rüs­tet. „Wir ha­ben Pfef­fer­spray so­wie stich­si­che­re Hand­schu­he und Wes­ten da­bei.„Auch durch die Uni­form hat man ein an­de­res Auf­tre­ten“, be­rich­tet Mo­ritz.

Grund­sätz­lich sei da die Auf­ga­be, die Ein­hal­tung des Al­ko­hol­ver­bots im In­nen­stadt­be­reich und auch der Nacht­ru­he zu kon­trol­lie­ren. Der Kom­mu­na­le Ord­nungs­dienst sei seit et­wa 13 Jah­ren auf Strei­fe un­ter­wegs,

an­fangs hät­ten die Kol­le­gen sehr viel zu tun ge­habt, sagt der 29-Jäh­ri­ge. „Man merkt aber heu­te un­se­re Ar­beit, die auch viel auf Prä­ven­ti­on setzt. Und dar­auf, Al­ter­na­ti­ven zu zei­gen – et­wa die Wup­pe­r­au­en, wo ja Al­ko­hol ge­trun­ken wer­den darf“, sagt er. Er set­ze da­bei auch auf das Ver­ständ­nis der Ju­gend­li­chen. „Es saß mal nach dem Schüt­zen­fest ei­ne Grup­pe von Ju­gend­li­chen beim ge­schlos­se­nen Au­to­scoo­ter und hat sich un­ter­hal­ten. Wir ha­ben mit de­nen ge­spro­chen und ih­nen ge­sagt, dass ihr Ge­spräch die An­woh­ner, die vi­el­leicht am Mor­gen früh raus müss­ten, stö­ren wür­den“, sagt Mo­ritz. Das sei auch auf­Ver­ständ­nis ge­sto­ßen. Mo­ritz hof­fe da­bei dann auch auf ei­nen län­ger­fris­ti­gen Ef­fekt. „Am bes­ten ist es oh­ne­hin im­mer, wenn man mit­ein­an­der re­det“, ist der 29-Jäh­ri­ge über­zeugt.

FO­TO: WOLF­GANG WEITZDÖRFER

Ord­nungs­amts-Mit­ar­bei­ter Ma­rio Mo­ritz muss auch dann raus, wenn al­le an­de­ren Men­schen schla­fen.

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