Bay­er wächst mit den Auf­ga­ben

Bergische Morgenpost Radevormwald - - WUPPERTAL KOMPAKT - VON ANDRE­AS BOL­LER

Am Stand­ort Wup­per­tal in­ves­tiert der Kon­zern in neue Ge­bäu­de und in For­schungs­pro­jek­te. In die­sem Jahr ste­hen da­für 290 Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung, im ver­gan­ge­nen wur­den 240 Mil­lio­nen Eu­ro in Wup­per­tal ver­plant.

Der Bay­er-Kon­zern hat im ver­gan­ge­nen Jahr rund 240 Mil­lio­nen Eu­ro in den Stand­ort Wup­per­tal in­ves­tiert. 159 Mil­lio­nen Eu­ro gab Bay­er für neue An­la­gen aus, 81 Mil­lio­nen für die Mo­der­ni­sie­rung und In­stand­hal­tung be­reits be­ste­hen­der Ge­bäu­de. Für 2018 sind In­ves­ti­tio­nen in Hö­he von rund 290 Mil­lio­nen Eu­ro ge­plant, 189 Mil­lio­nen in Neu­bau­ten. Im Herbst soll das neue voll au­to­ma­ti­sier­te La­ger für Wirk­stof­fe und Zwi­schen­pro­duk­te im El­ber­fel­der Werk in Be­trieb ge­nom­men wer­den. Für das neue La­bor­ge­bäu­de auf Aprath (Län­ge 135 Me­ter) ist die Er­öff­nung 2020 ein­ge­plant, sag­te

„Qua­li­fi­zier­te Kräf­te sind im We­sent­li­chen das, was die Stär­ke des Stand­or­tes aus­macht“

Hol­ger Wein­tritt

Bay­er-Werks­lei­ter Wup­per­tal

Werks­lei­ter Hol­ger Wein­tritt (48) jetzt bei der Jah­res­pres­se­kon­fe­renz .

Bay­er ex­pan­diert in Wup­per­tal, weil dort vor al­lem im Be­reich der ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Me­di­ka­men­te wirt­schaft­lich er­folg­reich For­schung be­trie­ben wird. Ein Bei­spiel ist der Ge­r­in­nungs­hem­mer Xar­el­to. Ein Me­di­ka­ment, das die Er­war­tun­gen weit über­trof­fen ha­be, so der Werks­lei­ter. Die Pro­duk­ti­vi­tät und das Zu­sam­men­spiel von For­schung und Ent­wick­lung auf Aprath und im El­ber­fel­der Werk schla­gen sich in der wach­sen­den Zahl an Mit­ar­bei­tern nie­der. Sie hat sich (Stand März 2018) auf 3570 er­höht. Knapp 1600 Mit­ar­bei­ter sind im For­schungs­zen­trum Aprath tä­tig, 2000 im El­ber­fel­der Werk. „Die qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­te sind im We­sent­li­chen das, was die Stär­ke des Stand­or­tes aus­macht“, sagt Wein­tritt, der zum 1. April die Nach­fol­ge von Klaus Je­lich an­ge­tre­ten hat.

Zwi­schen ei­ner und zwei Mil­li­ar­den Eu­ro kos­tet es, ein neu­es Me­di­ka­ment zu ent­wi­ckeln und es über drei Test­pha­sen bis zur Zu­las­sung zu brin­gen. 2021 könn­te das Me­di­ka­ment Fi­ne­reno­ne auf den Markt kom­men, das zur­zeit in der Pha­se III welt­weit an 11 000 Pa­ti­en­ten mit Schä­di­gun­gen der Nie­ren und bei chro­ni­scher Herz­schwä­che in ei­ner Lang­zeit­stu­die ge­tes­tet wird. In den Pha­sen I und II hat der Wirk­stoff, der in Wup­per­tal maß­geb­lich von dem Bay­er-For­scher Pe­ter Kolk­hof ent­wi­ckelt wor­den ist, sehr gu­te Er­geb­nis­se er­zielt.

Prof. Frank Eit­ner schreibt Fi­ne­reno­ne das Po­ten­zi­al zu, vie­len Men­schen, de­ren Nie­ren ge­schä­digt sind, zu hel­fen. Ziel sei es, die Dia­ly­se zu ver­mei­den oder zu­min­dest den Zeit­punkt, an dem die Dia­ly­se un­ver­meid­lich ist, hin­aus­zu­schie­ben. „Die For­schung hat be­reits vor mehr als 15 Jah­ren be­gon­nen, aber ers­te Me­di­ka­men­te hat­ten star­ke Ne­ben­wir­kun­gen, die bei Fi­ne­reno­ne nicht auf­ge­tre­ten sind“, er­klärt Prof. Eit­ner, der als Nie­ren­spe­zia­list seit sechs Jah­ren für Bay­er ar­bei­tet. Bei der Su­che nach dem Wirk­stoff hat­ten die Bay­er-For­scher Zu­griff auf 4,5 Mil­lio­nen Sub­stan­zen, die in der so­ge­nann­ten Sub­stanz­bi­blio­thek am Stand­ort Wup­per­tal vor­rä­tig sind. Die­ser Schatz an Sub­stan­zen wird aus­ge­baut. Vor 15 Jah­ren wa­ren es „nur“et­wa ei­ne Mil­li­on Sub­stan­zen.

Dass sich der Ein­satz von mehr als ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro am En­de rech­net, ist un­ge­wiss. Ent­schei­dend sind die Er­geb­nis­se der Pha­se III, die bis 2020 dau­ert. Im Ide­al­fall könn­ten die Pa­ti­en­ten ab 2021 mit der Ein­nah­me ei­ner Ta­blet­te pro Tag den Funk­ti­ons­grad der be­reits durch Dia­be­tes oder Blut­hoch­druck ge­schä­dig­ten Nie­ren er­hal­ten oder zu­min­dest die wei­te­re Schä­di­gung brem­sen. Die Nie­re ist das ein­zi­ge Or­gan, das kom­plett er­setzt wer­den kann. Wenn ei­ne Dia­ly­se er­for­der­lich wird, ist es aber ei­gent­lich schon zu spät. „Im­mer mehr Men­schen sind welt­weit von der Dia­ly­se ab­hän­gig. Die­se Pa­ti­en­ten müs­sen drei­mal in der Wo­che vier bis sechs St­un­den zur Blut­wä­sche. Das ist sehr auf­wen­dig für sie und für die Ge­sell­schaft wird es im­mer teu­rer“, sagt Prof. Eit­ner und be­schreibt so die Be­deu­tung der For­schung.

FO­TO: STE­FAN FRIES

Hol­ger Wein­tritt blickt als neu­er Lei­ter von Bay­er Wup­per­tal op­ti­mis­tisch in die Zu­kunft.

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