Bru­ta­li­tät nimmt zu - auch in ei­ner Kle­in­stadt

Bergische Morgenpost Radevormwald - - WERMELSKIRCHEN -

Die Sze­nen, die sich am Don­ners­tag­abend auf dem Asche­platz im Eif­gen, spä­ter in der Hüpp­an­la­ge ab­ge­spielt ha­ben, mag man sich nicht aus­ma­len. Sie er­in­nern zu stark an Fern­seh­be­rich­te über Groß­de­mos, wo Mo­lo­tov-Cock­tails flie­gen. Stark al­ko­ho­li­sier­te Ju­gend­li­che, vie­le zwi­schen 15 und 17 Jah­re jung, lie­ßen die Sau raus. Dass Schü­ler ih­ren Ab­schluss fei­ern wol­len, kann si­cher­lich je­der nach­voll­zie­hen, auch dass sie da­bei mal über die Strän­ge schla­gen. Aber wie ei­ne Grup­pe von 30 Mäd­chen und Jun­gen ge­gen Po­li­zei und Ord­nungs­kräf­te vor­ging, ist schlicht­weg kri­mi­nell: Ju­gend­li­che war­fen St­ei­ne und Böl­ler auf die Be­am­ten und über­schüt­ten die­se mit übels­ten Schimpf­wör­tern.

Aus­ufern­de Par­ty zeigt ei­ne neue Di­men­si­on von Ge­walt.

Ob sie sich be­wusst wa­ren, dass sie Gren­zen mas­siv über­schrit­ten ha­ben? Wohl nicht, En­t­hem­mung durch Al­ko­hol­kon­sum mag ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben, viel­leicht auch die Grup­pen­dy­na­mik, Al­pha­männ­chen-Ge­ha­be. Die Si­tua­ti­on schau­kel­te sich hoch. Kein Wun­der, dass die Po­li­zei von ei­ner neu­en Di­men­si­on der Re­spekt­lo­sig­keit, Ag­gres­si­on und Ge­walt spricht. Man kommt es ins Gr­ü­beln, dass so et­was in ei­ner sonst sehr ru­hi­gen Kle­in­stadt wie Wermelskirchen pas­siert. Die Kon­se­quenz kann nur lau­ten: El­tern und Päd­ago­gen soll­ten ge­mein­sam mit Po­li­zei und Ord­nungs­amt Auf­klä­rungs­ar­beit leis­ten: Kei­ne Schul­ab­schluss-Fei­er recht­fer­tigt kri­mi­nel­les Ver­hal­ten. Von Ka­va­liers­de­lik­ten kann hier nicht mehr die Re­de sein. Klar und sach- lich die Kon­se­quen­zen auf­zu­zei­gen, die auf sol­che Ta­ten fol­gen, ist der rich­ti­ge Weg. Die Er­mitt­lun­gen wer­den er­ge­ben, wel­che Stra­fen fol­gen könn­ten.

Es ist in den po­li­ti­schen Rei­hen vor der Som­mer­pau­se wie­der Ru­he ein­ge­kehrt, nach­dem die Wo­gen in Sa­chen Käm­me­rer-Fra­ge und Neu­zu­schnitt des De­zer­na­tes des Ers­ter Bei­ge­ord­ne­ten hoch­ge­schla­gen wa­ren. Die kon­ser­va­ti­ve Rats­mehr­heit zog den Dring­lich­keits­an­trag in der letz­ten Rats­sit­zung vor den Fe­ri­en zu­rück. Das ist rich­tig und wich­tig: Hät­ten sie dar­auf ge­pocht, wä­re nicht nur das Kli­ma im Rat­haus und in­ner­halb der Po­li­tik ver­gif­tet wor­den. Ein zä­hes ju­ris­ti­schen Ver­fah­ren, mit dem Kom­pe­tenz- und Macht­be­fug­nis­se zu klä­ren ge­we­sen wä­ren, hät­te da­zu ge­führt, dass der Stuhl des Käm­me­rers nach dem Weg­gang von Bernd Hibst leer ge­blie­ben wä­re. Man be­sann sich und fand den Kom­pro­miss. Je­de Sei­te hat sich be­wegt. Nie­mand muss ei­nen Ge­sichts­ver­lust fürch­ten.

Bei ei­nem an­de­ren Punkt der Rats­sit­zung woll­te sich die Mehr­heit aber nicht die Fin­ger ver­bren­nen: Über die neue Sat­zung über Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge wird erst nach den Fe­ri­en ab­ge­stimmt. Dass auch Land­wir­te und die Forst­be­triebs­ge­mein­schaft zu den Kreis der Zah­ler ge­hö­ren sol­len, ist nicht nach­voll­zieh­bar. Sie pro­fi­tie­ren nicht von ei­nem Aus­bau wie ein An­woh­ner.

Sól­veig Pudelski

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