Ein Kon­zert fürs Au­ge

Bergische Morgenpost Radevormwald - - SPORT - VON WOLF­GANG WEITZDÖRFER

„The Bul­ga­ri­an Voices“be­geis­tern die Be­su­cher mit Prä­zi­si­on, stimm­li­cher Strahl­kraft und far­ben­fro­hen Trach­ten­klei­dern.

Es ist ja nun eher sel­ten, dass ein Chor nicht nur mit dem Klang sei­ner Stim­men zu be­geis­tern weiß, son­dern da­zu noch ein ech­ter Au­gen­schmaus ist. Aber als am Don­ners­tag­abend der 18-köp­fi­ge Frau­en­chor „The Bul­ga­ri­an Voices - An­ge­li­te“die Evan­ge­li­sche Stadt­kir­che am Markt, be­reits sin­gend, durch den Sei­ten­ein­gang be­trat, muss­te man we­gen der far­ben­fro­hen Klei­dung der Sän­ge­rin­nen gleich mehr­fach hin­se­hen, um wirk­lich al­le De­tails er­fas­sen zu kön­nen. Letzt­lich war das aber nur – frag­los wun­der­schö­nes – Bei­werk. Denn beim et­wa zwei­stün­di­gen Kon­zert stan­den ganz klar die tol­len Stim­men der Sän­ge­rin­nen im Vor­der­grund. Und die be­rühr­ten in ih­rer Klar­heit und Rein­heit die See­le des Zu­hö­rers ganz tief im In­ne­ren. Das war be­son­ders ein­drucks­voll zu hö­ren, wenn et­wa in den Lie­dern im­mer wie­der ein­stim­mi­ge Pas­sa­gen ge­sun­gen wur­den, bei de­nen die vie­len Stim­men, trotz der nicht im­mer ein­fa­chen Akus­tik ei­nes gro­ßen Kir­chen­raums, wie ei­ne ein­zi­ge gro­ße Stim­me klan­gen.

Im Pro­gramm hat­ten die bul­ga­ri­schen Sän­ge­rin­nen, die seit kur­zer Zeit von der re­nom­mier­ten Mu­si­ke­rin und For­sche­rin Ka­tya Ba­rul­o­va di­ri­giert wer­den, ei­ne Samm­lung aus weit­ge­hend zeit­ge­nös­si­schen Weih­nachts­lie­dern, Ad­ap­tio­nen an­ony­mer Wer­ke aus dem 14. und 16. Jahr­hun­dert, neu­en und al­ten bul­ga­ri­schen Volks­lie­dern so­wie tra­di­tio­nel­len Folk­lo­re-Ar­ran­ge­ments aus ih­rer Hei­mat. In sei­nem über 30-jäh- ri­gem Be­ste­hen hat der Chor „The Bul­ga­ri­an Voices“sich be­reits ein reich­hal­ti­ges Re­per­toire er­ar­bei­ten kön­nen, das vor al­lem von der be­son­de­ren, sla­wi­schen und für hie­si­ge Oh­ren nicht nur we­gen der Spra­che et­was fremd und exo­tisch klin­gen­den Mu­sik leb­te. Un­er­war­te­te Sprün­ge im Rhyth­mus, un­ge­wöhn­li­che har­mo­ni­sche Spie­le­rei­en und re­pe­ti­ti­ve, und da­durch bei­na­he schon me­di­ta­ti­ve Me­lo­die­bö­gen mach­ten den Kon­zert­abend in der Stadt­kir­che für die rund 50 Be­su­cher zu ei­nem ganz be­son­de­ren Er­leb­nis.

Und nicht zu­letzt wa­ren es die her­vor­ra­gend aus­ge­bil­de­ten Stim­men der 18 Frau­en, die den Ge­sang zu ei­nem so wun­der­ba­ren Ge­nuss wer­den lie­ßen. Da war zum ei­nen die be­reits er­wähn­te Rein­heit. Gleich­zei­tig über­zeug­te das Stimm­vo­lu­men, das von ho­hen So­pran­tö­nen bis zu tie­fen Alt- oder stel­len- wei­se so­gar Ten­or­ton­la­gen reich­te. Auch Ober­ton­ge­sang be­herrsch­ten die Sän­ge­rin­nen, wie er et­wa in den cho­r­al­ar­ti­gen und me­di­ta­ti­ven Lie­dern „Ne Ot­v­ra­ti Li­za Tvo­ego“und „Go­s­po­di Po­mi­loi“zu hö­ren war. Das war frag­los ei­ne hier­zu­lan­de sel­ten ge­hör­te Tech­nik – aber ei­ne, de­ren Fas­zi­na­ti­on man sich in den rund fünf Mi­nu­ten der Lie­der kaum zu ent­zie­hen in der La­ge war.

Nicht zu­letzt sorg­ten „The Bul­ga­ri­an Voices“mit ih­rer enor­men Viel­falt im Aus­druck für den stets lang­an­hal­ten­den und dank­ba­ren Ap­plaus des Pu­bli­kums. Denn wo sie im ei­nen Mo­ment ein­schmei­chelnd und bei­na­he sanft wie mil­de lä­cheln­de En­gel san­gen, schnit­ten sie im nächs­ten mit ei­ner bei­na­he schon dia­man­te­nen Schär­fe und eben­sol­cher Prä­zi­si­on durch die Luft im Kir­chen­raum. Ei­ne sol­che stimm­li­che Strahl­kraft war wirk­lich sel­ten zu er­le­ben. Und dass dann auch noch das Au­ge an den wun­der­schö­nen bul­ga­ri­schen Trach­ten so viel zu se­hen be­kam, mach­te die­ses so ei­gen­tüm­li­che wie au­ßer­ge­wöhn­li­che Chor­kon­zert end­gül­tig zu ei­ner ganz be­son­de­renVer­an­stal­tung.

FO­TO: JÜR­GEN MOLL

Be­reits sin­gend ka­men sie durch den Sei­ten­ein­gang: „The Bul­ga­ri­an Voices“gas­tier­ten in der Stadt­kir­che am Markt.

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