Was Sie über das Fi­na­le wis­sen müs­sen

Bergische Morgenpost Remscheid - - FUßBALL-WM 2018 - VON RO­BERT PETERS

Die Rol­len im End­spiel sind ver­teilt. Frank­reich ist der Fa­vo­rit, aber Kroa­ti­en kann ein sehr ge­fähr­li­cher Geg­ner sein.

MOS­KAU/DÜSSELDORF Di­dier De­schamps hat erst ein­mal in den Ent­span­nungs-Rhyth­mus ge­schal­tet. Frank­reichs Trai­ner schick­te sei­ne Spie­ler nach dem Halb­fi­na­le in ei­nen 48-St­un­den-Ur­laub. Und auch am Frei­tag moch­te er sie nicht furcht­bar pla­gen. Die Hälf­te sei­nes Teams jogg­te ein biss­chen her­um, die an­de­re Hälf­te kick­te lo­cker auf zwei To­re. Die klei­ne Il­lu­si­on von Fe­ri­en en­det am Sams­tag. Spä­tes­tens dann be­ginnt die ernst­haf­te Vor­be­rei­tung aufs WM-End­spiel ge­gen Kroa­ti­en (Sonn­tag, 17 Uhr). Das sind die wich­tigs­ten The­men:

Dar­um geht’s. Um sport­li­chen Ruhm, ganz ein­fach. Welt­meis­ter bleibt man schließ­lich sein Le­ben lang, der Zwei­te er­fährt al­len­falls ein paar re­spekt­vol­le Nach­ru­fe. Das wis­sen die Fran­zo­sen aus ei­ge­ner Er­fah­rung. Sie un­ter­la­gen bei ih­rer EM „daho­am“vor zwei Jah­ren im Fi­na­le dem Au­ßen­sei­ter Por­tu­gal mit 0:1 nach­Ver­län­ge­rung. Und spä­ter woll­te wirk­lich nie­mand mehr wis­sen, dass es im Halb­fi­na­le im­mer­hin ei­nen 2:0-Er­folg über Welt­meis­ter Deutsch­land gab. Das Tur­nier ver­schwand ganz schnell aus der kol­lek­ti­ven Er­in­ne­rung der Fran­zo­sen.

Der Fa­vo­rit. Die Rol­le ist ver­ge­ben. Frank­reich hat in Russ­land gro­ße tak­ti­sche Rei­fe nach­ge­wie­sen. Die fehl­te dem Team bei der EM vor zwei Jah­ren noch. Fuß­ball spie­len kön­nen die Män­ner von Di­dier De­schamps oh­ne­hin. Es gibt im Tur­nier kei­ne Mann­schaft mit mehr fuß­bal­le­ri­schem Ta­lent. Es gibt aber auch kei­ne Mann­schaft, die grö­ße­re Be­reit­schaft zeigt, ihr Ta­lent dem Zweck un­ter­zu­ord­nen.

Der Au­ßen­sei­ter. Kroa­ti­en ist ein klei­nes Land. 4,2 Mil­lio­nen Ein­woh­ner zählt es (Frank­reich bringt es auf 67 Mil­lio­nen). Zu den na­tio­na­len Tu­gen­den ge­hört of­fen­bar ei­ne gro­ße Be­ga­bung für al­le Ball­sport­ar­ten, vor al­lem für sol­che, die in Mann­schaf­ten aus­ge­übt wer­den. Kroa­ti­en ge­hört im Hand­ball, Was­ser­ball, Bas­ket­ball und Fuß­ball zur in­ter­na­tio­na­len Spit­ze. Al­le kroa­ti­schen Mann­schaf­ten zei­gen Lei­den­schaft, Zu­sam­men­halt und spie­le­ri­sches Ge­schick. Das wer­den die Kroa­ten auch ge­gen Frank­reich be­wei­sen. Sie ha­ben ei­ne Chan­ce, wenn sie es fer­tig brin­gen, den Fa­vo­ri­ten mit un­kon­ven­tio­nel­len Me­tho­den und Rhyth­mus­wech­seln zu ver­un­si­chern.

Die Stars. Bei­de Teams bau­en auf mann­schaft­li­che Qua­li­tä­ten. In­so­fern könn­te man das gro­ße Wort des ehe­ma­li­gen Bun­des­trai­ners Ber­ti Vogts be­mü­hen, nach der die Mann­schaft der Star ist. Das stimmt so­wie­so im­mer. Die Fi­nal­geg­ner ha­ben dar­über hin­aus aber auch noch ei­ne sehr il­lus­tre Schar an Ein­zel­kön­nern bei­sam­men. Der kroa­ti­sche Ka­pi­tän Lu­ka Mod­ric ge­hört zu den bes­ten Mit­tel­feld­spie­lern der Welt. Mit sei­ner leicht­fü­ßi­gen Art, den Au­ßen­rist­päs­sen und dem ha­ge­ren Ge­sicht wirkt er manch­mal wie ei­ne Wie­der­ge­burt des gro­ßen Jo­han Cruyff, er spielt nur nicht ganz so of­fen­siv. Ihm steht in der Mit­tel- feld­zen­tra­le Ivan Ra­ki­tic zur Sei­te, den man einst bei Schal­ke für nicht gut ge­nug be­fand, der aber beim FC Bar­ce­lo­na zu ei­nem Stra­te­gen ers­ter Gü­te her­an­ge­wach­sen ist. Im An­griff ha­ben bei­de ei­nen ech­ten Ziel­spie­ler, der sich Platz ver­schaf­fen kann. Zwei­kämp­fe mit Ma­rio Mand­zu­kic zäh­len seit Jah­ren zu den schmerz­haf­te­ren An­ge­le­gen­hei­ten im Welt­fuß­ball.

Das wis­sen die fran­zö­si­schen In­nen­ver­tei­di­ger Ra­pha­el Va­ra­ne und Sa­mu­el Um­ti­ti. Sie bil­den das bes­te zen­tra­le Ab­wehr-Paar auf dem Glo­bus. Für die Ab­si­che­rung im Mit­tel­feld und die Neu­tra­li­sie­rung von Mod­ric und Ra­ki­tic sind Paul Pog­ba und N’Go­lo Kan­té zu­stän­dig. Über die Qua­li­tä­ten des lauf­star­ken Stra­te­gen Kan­té sagt ein Satz sei­ner An­hän­ger al­les aus: „Zwei Drit­tel der Er­de sind von Was­ser be­deckt, den Rest be­deckt Kan­té.“Sein na­tür­li­cher Le­bens­raum ist über­all auf dem Platz. Pog­ba hat sei­ne Al­lü­ren vor zwei Jah­ren be­er­digt, als er schon mal zu of­fi­zi­el­len Me­dien­ter­mi­nen

Nes­tor Pi­ta­na aus Ar­gen­ti­ni­en hat bis­lang durch ei­ne äu­ßerst ex­akt ge­schei­tel­te Fri­sur, sei­nen ath­le­ti­schen Kör­per­bau und ei­ne kla­re Kör­per­spra­che Ein­druck hin­ter­las­sen. Da­von konn­ten sich die Kroa­ten im Ach­tel­fi­na­le ge­gen Dä­ne­mark und die Fran­zo­sen im Vier­tel­fi­na­le ge­gen Uru­gu­ay über­zeu­gen. Auch im Fi­na­le wird Pi­ta­na als ers­te Amts­hand­lung vor den ers­ten so­ge­nann­ten Stan­dard­si­tua­tio­nen Ab­wehr­spie­ler und An­grei­fer ges­ten­reich dar­auf hin­wei­sen, dass er ihr Trei­ben ge­nau im Au­ge hat. So soll es ja auch sein.

FO­TO: DPA

Der Ka­pi­tän von 1998: Di­dier De­schamps prä­sen­tiert den Fans im Sta­di­on von St. De­nis nach dem 3:0 im Fi­na­le ge­gen Bra­si­li­en den Welt­po­kal.

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