So­lin­ger Künst­ler bleibt trotz De­menz krea­tiv

Bergische Morgenpost Remscheid - - LOKALE KULTUR -

(pm) Hans Ober­hoff ken­nen al­le So­lin­ger.Vor dem Kli­ni­kum an der Go­ten­stra­ße prägt sei­ne bun­te Skulp­tur das Bild. Auch die Ka­pel­le des Kran­ken­hau­ses hat er kom­plett ge­stal­tet. Die Schü­ler der Au­gust-Di­cke-Schu­le ge­hen täg­lich an sei­nem Werk auf dem Schul­hof vor­bei. Auch in vie­len an­de­ren Städ­ten Deutsch­lands ist sei­ne öf­fent­li­che Kunst zu se­hen. Er selbst lei­det un­ter De­menz. Doch der En­de Ju­li 86 Jah­re alt wer­den­de Künst­ler hat das Ma­len wie­der ent­deckt und zeich­net kräf­tig, bunt, fan­ta­sie­voll und mit gro­ßer Prä­zi­si­on. Das ge­be ihm Ru­he, er­klärt er.

Al­les fing in der Ta­ges­pfle­ge in Un­ter­burg an, er­zählt sei­ne Frau Ute. Dort wur­de ge­malt. Ober­hoff ent­schied sich für ei­nen Ha­sen. Die stu­dier­te Bild­haue­rin be­rich­tet, ihr Mann ha­be ge­sagt: „Der ist mir ganz gut ge­lun­gen.“Das fand nicht nur er. Sie be­stärk­te ihn, wie­der mit dem Zeich­nen an­zu­fan­gen. Und das macht er täg­lich. Ei­nen Schreib­tisch mit dem Blick auf den Gar­ten hat ihm Ute Ober­hoff auf­ge­baut. Bunt­stif­te, Blei­stif­te ste­hen in gro­ßen Kaf­fee-Pöt­ten vor ihm, da­zu die Le­se­bril­le.

Was da­bei ent­steht, zeigt ei­nen völ­lig neu­en Hans Ober­hoff. Wie Kas­ka­den lau­fen Ge­sich­ter mit gro­ßen Au­gen über das Blatt. Al­les ganz geo­me­trisch ex­akt und doch durch die Farb­in­ten­si­tät die Form ver­las­send. Man­ches wirkt wie aus ei­ner Zir­kus­vor­stel­lung. Hu­mor ent­deckt man in den Zeich­nun­gen. Und stets liegt dem die geo­me­trisch kla­re Struk­tur zu­grun­de.

Das ist kein Wun­der. Ober­hoff ist ein Künst­ler, der sei­ne ganz gro­ße Zeit hat­te, als „Kunst am Bau“öf­fent­li­cher und pri­va­ter Bau­vor­ha­ben noch in Mo­de war, noch fi­nan­ziert wur­de. Da war er dann auch mehr Bild­hau­er, Wand­ge­stal­ter als Zeich­ner. „Ich ha­be in Salz­burg Farb­psy­cho­lo­gie stu­diert“, er­zählt er. Ganz sind die Er­in­ne­run­gen nicht ver­lo­ren, das wird deut­lich. Das ha­be er ge­braucht, um zu wis­sen, wie Far­ben auf Men­schen wir­ken, die täg­lich mit sei­ner Kunst le­ben. Das konn­te er gut, da­sWerks­ver­zeich­nis ist groß. Kurz vor Voll- en­dung des 86. Le­bens­jahrs macht Ober­hoff ei­nen ge­las­se­nen Ein­druck, wenn er in Ge­sell­schaft ist. Er ge­nießt das sicht­lich, be­ob­ach­tet, was Hund Paul macht.„Ich ma­le ger­ne“, sagt er. Und sei­ne Frau be­stä­tigt, dass ihm das Ru­he und of­fen­sicht­lich auch viel Kraft ge­be. Als eher klei­ne The­ra­pie will sie das be­zeich­nen, denn die fort­schrei­ten­de De­menz wer­de da­durch nicht bes­ser. Aber viel­leicht für bei­de er­träg­li­cher. In sei­nem Zu­stand füh­le er sich oft ver­las­sen, ver­traue dar­auf, dass sie sich um ihn küm­mert.

„Ich muss ihn be­schäf­ti­gen“, weiß Ute Ober­hoff. Das fällt nicht leicht. Sie selbst hat erst spät Bild­haue­rei stu­diert. Noch heu­te ar­bei­tet sie als Do­zen­tin in Es­sen an der Folk­wangschu­le, bringt ih­re Stu­den­ten da­zu, ge­nau den öf­fent­li­chen Raum mit ih­rer Kunst zu su­chen, die Hans Ober­hoff be­kannt und über So­lin­gens Stadt­gren­zen hin­aus auch be­rühmt ge­macht ha­ben.

1932 wur­de Ober­hoff in So­lin­gen ge­bo­ren. 1950 er­hielt er in Wuppertal an der Werk- und Kunst­schu­le sei­ne Aus­bil­dung. Bei Ernst Ober­hoff, mit dem er trotz des sel­te­nen Na­mens nicht ver­wandt ist. Ute und Hans Ober­hoff kom­men dann noch ins Schwär­men als es in dieWelt der Er­in­ne­run­gen geht. Ja, auf den vie­len Fern­rei­sen nach In­di­en, Chi­na oder auch Pe­ru ha­be Hans viel fo­to­gra­fiert – ei­ne künst­le­ri­sche Sei­te, die noch ent­deckt wer­den will.

FO­TO: PREUSS

Hans Ober­hoff und sei­ne Frau Ute.

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