Weit­blick braucht Un­ter­stüt­zung

Kers­tin Ei­nert muss aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den von ih­rem Amt als Weit­blick-Lot­sin zu­rück­tre­ten. Mar­ga­re­ta Coe­nen sucht ei­nen Nach­fol­ger – nicht nur für die Lot­sin, son­dern auch, weil sie selbst in ei­ni­gen Jah­ren auf­hö­ren will.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Vorderseit­e - VON WOLF­GANG WEITZDÖRFE­R

Für die bei­den Lot­sin­nen der Eh­ren­amts­in­itia­ti­ve, Kers­tin Ei­nert und Mar­ga­re­ta Coe­nen, wer­den Nach­fol­ger ge­sucht.

HÜCKESWAGE­N Es ist kein frei­wil­li­ger Ab­schied, aber ei­ner, der auf je­den Fall ei­ne gro­ße Lü­cke in der Schloss­Stadt hin­ter­lässt. Kers­tin Ei­nert hat­te zu Be­ginn der Som­mer­fe­ri­en 2018 die Stel­le als zwei­te Weit­blick-Lot­sin bei der Eh­ren­amts­in­itia­ti­ve in der Schloss-Stadt über­nom­men. So­mit war die 50-Jäh­ri­ge will­kom­me­ne Un­ter­stüt­zung für Mar­ga­re­ta Coe­nen, die bis­lang al­lei­ne für al­le Fra­gen rund um das The­ma Eh­ren­amt in Hückeswage­n zu­stän­dig war. Jetzt aber spielt die Ge­sund­heit nicht mehr mit, so dass Kers­tin Ei­nert seit Au­gust von ih­rem eh­ren­amt­li­chen Pos­ten zu­rück­ge­tre­ten ist. „Es ist scha­de, aber ich kann die Ver­ant­wor­tung als Weit­blick-Lot­sin nicht mehr stem­men“, sagt die 50-Jäh­ri­ge.

Ganz zu­rück­zie­hen aus dem Eh­ren­amt wol­le sie sich zwar nicht, aber eben nicht mehr in der Lot­sen-Funk­ti­on tä­tig sein. Da­bei sind die Auf­ga­ben in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten nicht we­ni­ger ge­wor­den. „Das Flücht­lings­netz­werk und die Buch­hal­tung sind die größ­ten Auf­ga­ben­pos­ten“, be­stä­tigt Mar­ga­re­ta Coe­nen. Die 67-Jäh­ri­ge ist seit mehr als fünf Jah­ren Weit­blick-Lot­sin, ent­spre­chend gut ein­ge­ar­bei­tet, und im The­ma ist sie auch. „Aber ich wer­de ja auch nicht jün­ger. Ich ha­be schon vor, mich in den kom­men­den drei bis vier Jah­ren von der vor­ders­ten Front zu­rück­zu­zie­hen. Mit 70 wür­de ich schon ger­ne auf­hö­ren“, sagt die Weit­blick-Lot­sin.

Die bei­den Frau­en hat­ten sich die Ar­beit im Weit­blick-Bü­ro im ver­gan­ge­nen Jahr gut auf­ge­teilt. „Ich ha­be mich um den So­zi­al­füh­rer­schein ge­küm­mert und war auch im­mer im Bür­ger­ca­fé am Di­ens­tag­nach­mit­tag. Da­zu ka­men Bü­ro­ar­bei­ten, et­wa Ex­cel-Lis­ten füh­ren, Mails und Brie­fe be­ant­wor­ten und na­tür­lich die Sprech­stun­de am Mitt­woch“, zählt Kers­tin Ei­nert ihr Auf­ga­ben­spek­trum auf. Für die Ei­n­ar­bei­tung ih­res Nach­fol­gers wer­de sie na­tür­lich zur Ver­fü­gung ste­hen, sagt sie. Ge­ra­de der So­zi­al­füh­rer­schein, bei dem Schü­le­rin­nen und Schü­ler für ins­ge­samt je zwölf St­un­den in ver­schie­de­nen so­zia­len Ein­rich­tun­gen ein­ge­setzt wer­den, sei mit ei­nem nicht ganz un­er­heb­li­chen Zeit­auf­wand ver­bun­den, sagt Mar­ga­re­ta Coe­nen. „Da­für ha­be ich aber zum Glück schon Un­ter­stüt­zung ge­fun­den“, sagt die Weit­blick-Lot­sin.

Ei­gent­lich hat­te sie ge­hofft, mit Kers­tin Ei­nert ei­ne Nach­fol­ge­rin für ih­ren ei­ge­nen Pos­ten zu ha­ben. Da dies nun aber nicht mehr mög­lich sei, wol­le sie die Ge­le­gen­heit nut­zen, ih­ren ei­ge­nen Ab­schied ein we­nig zu pla­nen. „Zu­nächst wä­re es na­tür­lich so, dass der Nach­fol­ger die Auf­ga­ben von Kers­tin Ei­nert über­nimmt, aber auf län­ge­re Sicht wä­re dann schon mei­ne Nach­fol­ge auch The­ma“, sagt Mar­ga­re­ta Coe­nen. Die Ar­beit als Weit­blick-Lot­sin sei da­bei sehr ab­wechs­lungs­reich. „Es macht mir viel Freu­de, nach wie vor. Aber ich bin eben auch als Schöf­fin am Amts­ge­richt in Wip­per­fürth tä­tig, da­zu noch in der Kom­mu­nal­po­li­tik ak­tiv. Das soll eben nicht al­les in den Hin­ter­grund tre­ten“, sagt die 67-Jäh­ri­ge.

Bei Weit­blick wür­den da­bei nicht nur die Buch­hal­tung und Ver­wal­tungs­ar­bei­ten an­ste­hen. „Wir sind mit den Hel­fer­lein et­wa auf dem Wo­chen­markt prä­sent, da­zu gibt es ein­mal im Mo­nat ei­ne Wei­ter­bil­dung in Gum­mers­bach. Da gibt es nicht nur in­ter­es­san­te The­men zu be­ar­bei­ten, son­dern auch der Aus­tausch mit an­de­ren

Lot­sen aus dem Kreis steht im Mit­tel­punkt“, sagt Mar­ga­re­ta Coe­nen. Und auch an­sons­ten kön­ne man sich mit Ide­en und Ak­ti­vi­tä­ten rund um das Eh­ren­amt je­der­zeit ein­brin­gen. Ins­ge­samt sei­en für ih­re Ar­beit als Lot­sin et­wa fünf St­un­den pro Wo­che an­ge­fal­len, sagt Kers­tin Ei­nert. „Das sind die zwei St­un­den im Bü­ro und dann eben die an­de­ren An­ge­bo­te, et­wa eben das Bür­ger­ca­fé oder der So­zi­al­füh­rer­schein.“

Da­zu müss­ten sich po­ten­ti­el­le In­ter­es­sen­ten für Weit­blick schon mit dem PC aus­ken­nen und Ex­cel-Ta­bel­len be­ar­bei­ten. „Das ist aber al­les kein He­xen­werk, wich­ti­ger wä­re die Be­reit­schaft, ei­ne ge­wis­se Ver­ant­wor­tung über­neh­men zu wol­len“, sagt Lot­sin Mar­ga­re­ta Coe­nen.

FO­TO: MOLL (AR­CHIV)

Die Weit­blick-Lot­sin Kers­tin Ei­nert (l.) mit Mar­ga­re­ta Coe­nen.

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