Mi­ni­job-Dschun­gel: Durch­blick be­hal­ten

Al­lein vom Mi­ni­job kann nie­mand le­ben. Für ei­ni­ge lohnt sich ei­ne ge­ring­fü­gig ent­lohn­te Be­schäf­ti­gung den­noch. Wer die 450-Eu­ro-Mar­ke über­schrei­tet, hat ei­nen Mi­di­job – für den gel­ten an­de­re Re­geln.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Beruf & Karriere - VON CHRIS­TI­NA BACH­MANN

Ver­käu­fe­rin oder Kell­ner ge­sucht – für Ar­beit­ge­ber kann es sich aus­zah­len, ge­ring­fü­gig ent­lohn­te Mi­ni­job­ber ein­zu­stel­len. Für den Ar­beit­neh­mer be­deu­tet das zwar nur ei­nen mo­nat­li­chen Mi­ni-Ver­dienst, das hat aber auch Vor­tei­le. Wer et­was mehr ver­dient, ar­bei­tet als Mi­di-Job­ber.

Was ge­nau ist ei­gent­lich ein Mi­ni­job?

Der ent­schei­den­de Un­ter­schied zwi­schen Mi­ni- und Mi­di­job ist der Ver­dienst. Ein Mi­ni­job­ber darf ma­xi­mal re­gel­mä­ßig 450 Eu­ro im Mo­nat oder 5400 Eu­ro im Jahr ver­die­nen. Bei ei­nem ge­setz­li­chen Min­dest­lohn von ak­tu­ell 9,19 Eu­ro kommt man da­mit im Mo­nat auf knapp 49 St­un­den. „Als Mi­ni­job­ber ar­bei­te ich brut­to für net­to“, er­klärt Pe­ter Ko­niecz­ny, Team­lei­ter in der Mi­ni­job-Zen­tra­le in Es­sen. „Ich bin so­zi­al­ver­si­che­rungs­frei und muss nur Bei­trä­ge zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung von 3,6 Pro­zent zah­len.“

Das wür­den knapp 20 Pro­zent der Mi­ni­job­ber ma­chen, die an­de­ren 80 Pro­zent las­sen sich schrift­lich von der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht be­frei­en oder sind als Rent­ner ver­si­che­rungs­frei. Steu­ern fal­len für Ar­beit­neh­mer nicht an. Da­durch, dass sie kei­ne Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge zah­len, er­gibt sich aus die­sen Jobs al­ler­dings kein ei­ge­ner Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz. Ist ein Ar­beit­neh­mer zum Bei­spiel be­reits fa­mi­li­en­ver­si­chert, ist das aber nicht nö­tig.

Und wann spricht man vom Mi­di­job?

Der Mi­di­job be­ginnt dort, wo der Mi­ni­job auf­hört. Bis zum 30. Ju­ni 2019 gal­ten als Ver­diens­to­ber­gren­ze 850 Eu­ro, seit dem 1. Ju­li sind es 1300 Eu­ro. Der Mi­di­job ist als Nied­rig­lohn-Job so­zi­al­ver­si­che­rungs­und steu­er­pflich­tig. Der Mi­di­job­ber zahlt al­ler­dings re­du­zier­te Bei­trä­ge.

Steu­ern zah­len zu­min­dest le­di­ge Mi­di­job­ber in der Re­gel nicht, sagt Isa­bel Klo­cke, Lei­te­rin der Steu­er­ab­tei­lung beim Bund der Steu­er­zah­ler. Wird ein Paar zu­sam­men zur Ein­kom­men­steu­er ver­an­schlagt, kön­nen die Ein­nah­men aus dem Mi­di­job über das Ehe­gat­ten­split­ting den Steu­er­satz des Paa­res sen­ken.

Für wen lohnt sich ein 450 Eu­ro-Job?

„Klas­sisch sind das Jobs für Leu­te, die noch nicht oder nicht mehr im vol­len Be­rufs­le­ben ste­hen: für Stu­den­ten und Schü­ler oder für Rent­ner, die noch ei­ne Be­schäf­ti­gung su­chen“, sagt Ko­niecz­ny. Men­schen im er­werbs­fä­hi­gen Al­ter wür­de er da­von ab­ra­ten, ei­nen Mi­ni­job zu ma­chen.

„Au­ßer man hat viel­leicht nur ei­ne Teil­zeit­stel­le, und der Ver­dienst reicht nicht, dann bie­tet sich ein Mi­ni­job her­vor­ra­gend an“, er­klärt der Ex­per­te. Denn die­ser Job steht für sich und ist ab­ga­ben­frei.

Und wel­che Vor­tei­le hat ein Mi­di­job?

Hier­zu zäh­len vor al­lem die re­du­zier­ten So­zi­al­bei­trä­ge. Mi­di­job­ber sind oft Men­schen, die in Teil­zeit ar­bei­ten. Durch die ge­rin­ge­ren Ab­ga­ben ha­ben sie net­to mehr Geld zur Ver­fü­gung. Da­von pro­fi­tie­ren zum Bei­spiel Stu­den­ten mit ei­nem dau­er­haf­ten Ne­ben­job. Seit dem 1. Ju­li 2019 gibt es ei­ne Neue­rung: „Für den re­du­zier­ten Ar­beit­neh­mer­an­teil er­wer­ben Mi­di­job­ber zu­künf­tig vol­le Ren­ten­an­wart­schaf­ten“, er­klärt Dirk von der Hei­de von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund.

Kann man Mi­ni­job und Mi­di­job kom­bi­nie­ren?

Ja, er­läu­tert Ko­niecz­ny: „Ich kann in ei­nem Mi­di­job 600 Eu­ro ver­die­nen und in ei­nem Mi­ni­job 400.“Der ei­ne bleibt ein Mi­di­job, der an­de­re ein Mi­ni­job. Bei­de wür­den je­weils für sich al­lein be­trach­tet. Der Mi­di­job zählt wie ei­ne so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Haupt­be­schäf­ti­gung, so dass der Mi­ni­job ab­ga­ben­frei ist. Meh­re­re Jobs in­ner­halb der glei­chen Ka­te­go­rie ad­die­ren sich al­ler­dings auf: So gilt bei Mi­ni­jobs die So­zi­al­ver­si­che­rungs­und Steu­er­frei­heit nur, wenn auch meh­re­re Mi­ni­jobs die 450 Eu­ro-Gren­ze ins­ge­samt nicht über­schrei­ten. Und auch zwei ein­zel­ne Mi­di­jobs kön­nen in der Sum­me die Gren­ze über­schrei­ten und bie­ten nicht mehr den Vor­teil ge­rin­ge­rer Ab­ga­ben.

Auch Son­der­zah­lun­gen schla­gen zu Bu­che, er­klärt der Bund der Steu­er­zah­ler: Er­hal­ten Mi­ni­job­ber dem­nach Weih­nachts- oder Ur­laubs­geld, kann das die Jah­res­gren­ze von 5400 Eu­ro kna­cken und die Be­schäf­ti­gung so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig ma­chen. Man soll­te al­so nach­rech­nen, ob sich die Son­der­zah­lung im Ein­zel­fall lohnt, wenn da­für die Mi­ni­job-Re­ge­lung ent­fällt.

Ist die Be­frei­ung von den Ren­ten­bei­trä­gen sinn­voll?

Das kommt letzt­lich auf den Ein­zel­fall an, sagt Dirk von der Hei­de. Grund­sätz­lich gilt: Lässt man sich nicht von der Ver­si­che­rungs­pflicht be­frei­en und zahlt selbst Bei­trä­ge, ist das Mehr an Ren­te zwar nur ge­ring. „Es gibt aber zum Bei­spiel die Min­dest­ver­si­che­rungs­zei­ten in der Ren­ten­ver­si­che­rung. Wer mit 63 Jah­ren in Ren­te ge­hen will, braucht ei­ne Min­dest­ver­si­che­rungs­zeit von 35 Jah­ren.“Die Zeit der Mi­ni­job­tä­tig­keit zäh­le da­zu, wenn sich der Ar­beit­neh­mer an der Bei­trags­zah­lung be­tei­ligt.

FO­TO: DPA

Ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­te soll­ten sich gut in­for­mie­ren, be­vor sie ei­ne Tä­tig­keit auf­neh­men.

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