Die Ge­dan­ken sind noch frei

Doch Face­book ar­bei­tet an ei­ner Tech­nik, die liest, was wir den­ken.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Stimme Des Westens - Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rhei­ni­sche-post.de

Ent­sper­ren Sie das Han­dy noch ganz alt­mo­disch durch die Ein­ga­be ei­ner Pin oder ei­nes Mus­ters? Oder nut­zen Sie be­reits Ih­ren Fin­ger­ab­druck? Oder so­gar Ihr Ge­sicht? Oder ent­sper­ren Sie es gar nicht mehr, son­dern spre­chen ein­fach nur noch mit dem Ge­rät: „Hey, Si­ri, wie ist das Wet­ter in Düs­sel­dorf“? Dank der Sprach­steue­rung am Smart­pho­ne oder über Ama­zons in Laut­spre­chern ver­bau­te As­sis­ten­tin Ale­xa sind wir lang­fris­tig im­mer we­ni­ger ge­zwun­gen, Din­ge zu schrei­ben. In zehn Jah­ren wird es für ei­nen Groß­teil der Men­schen völ­lig nor­mal sein, mit Ma­schi­nen zu spre­chen. Doch Face­book reicht all das nicht. Das so­zia­le Netz­werk will noch ei­nen Schritt wei­ter­ge­hen. In Zu­kunft, so die Vi­si­on, soll es be­reits aus­rei­chen, be­stimm­te Din­ge nur zu den­ken. In der ver­gan­ge­nen Wo­che gab Face­book die Über­nah­me ei­ner Fir­ma be­kannt, die an ei­nem Ge­rät ar­bei­ten soll, mit dem man Ge­dan­ken le­sen kann – und das nicht im Sti­le von La­te-Night-Wahr­sa­gern im Fern­se­hen. Dank der Tech­nik könn­te man ir­gend­wann ein Fo­to mit ei­nem Freund tei­len, ein­zig in­dem man dar­an den­ke, ora­kel­te ein Face­book-Ma­na­ger. Das klingt nach ei­ner ge­wal­ti­gen Chan­ce. Vie­len Men­schen, de­ren kla­rer Ver­stand in ei­ner Kör­per­hül­le ge­fan­gen ist, die ih­nen auf­grund ei­ner Krank­heit oder Be­hin­de­rung im­mer wie­der den Dienst ver­wei­gert, könn­ten sich end­lich wie­der bes­ser mit an­de­ren ver­stän­di­gen. Vor al­lem klingt es aber be­ängs­ti­gend. „Wir wis­sen, wo du bist. Wir wis­sen, wo du warst. Wir wis­sen mehr oder we­ni­ger, wor­über du nach­denkst“, hat der frü­he­re Goog­le-Chef Eric Schmidt mal über die Macht der Such­ma­schi­ne ge­sagt. Geht es nach Mark Zu­cker­berg, dürf­te die­ser Satz für Face­book ir­gend­wann auch gel­ten – nur oh­ne das „mehr oder we­ni­ger“. In Zu­kunft brau­chen wir of­fen­bar nicht nur ei­nen Da­ten-, son­dern auch ei­nen Ge­dan­ken­schutz.

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